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EM-Qualifikation : Deutschland verliert in Polen 0:2

Auch ein Weltmeister kann nicht jedes Spiel gewinnen. Die deutsche Mannschaft ist in Polen zwar überlegen, die Tore aber schießt der Gastgeber und darf am Ende einen historischen Sieg bejubeln.

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Gleich schlägt's ein. Arkadiusz Milik köpft an Manuel Neuer vorbei zum 1:0 für Polen ins Tor.
Gleich schlägt's ein. Arkadiusz Milik köpft an Manuel Neuer vorbei zum 1:0 für Polen ins Tor.Foto: AFP

Das Nationalstadion in Warschau ist ein ziemlich imposantes Bauwerk. Die Arena am Weichselufer wird zwar nicht allzu oft bespielt, ist aber längst zu einem Wahrzeichen der polnischen Hauptstadt geworden. Wenn es nach der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ginge, dürfte das Stadion eigentlich gar nicht mehr bespielt werden. Vor zwei Jahren hat sie dort das Halbfinale der Europameisterschaft verloren, am Samstagabend kassierte sie dort ihre erste Niederlage in einem Qualifikationsspiel seit sieben Jahren. Polen hingegen gelang im 19. Aufeinandertreffen mit der deutschen Nationalmannschaft der erste Sieg. Arkadiusz Milik und Sebastian Mila erzielten die Treffer zum 2:0 (0:0) für die Polen.

"Klar, bin ich enttäuscht. Aber eigentlich kann ich der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Höchstens den, dass wir mit unseren Chancen zu fahrlässig umgegangen sind. Jetzt müssen wir die Kräfte sammeln und dann werden wir das Spiel gegen Irland gewinnen", sagte Bundestrainer Joachim Löw bei RTL. "Ich glaube, dass wir kein schlechtes Spiel gemacht haben. Wir haben aber leider kein Tor gemacht", meinte Torwart Manuel Neuer.

Tatsächlich ging der Weltmeister viel zu verschwenderisch mit seinen Chancen um. Das galt auch für den Debütanten Karim Bellarabi, der etwas überraschend in der Startelf der deutschen Mannschaft stand. Der Leverkusener benötigte eine gewisse Zeit, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Anfangs hielt er sich mit seinen Tempodribblings noch etwas zurück, beteiligte sich allerdings eifrig an der Abwehrarbeit. Gegen Ende der ersten Hälfte, als Bellarabi vornehmlich über die linke Seite kam, gelangen ihm auch in der Offensive einige gute Aktionen. Nach einer weiten Flanke von Mario Götze nahm er den Ball im Strafraum volley, verfehlte das Tor allerdings knapp. Kurz vor der Pause wurde der Leverkusener im Strafraum angespielt, er legte sich den Ball auf seinen stärkeren rechten Fuß, scheiterte mit seinem Schlenzer aber an Polens Torhüter Wojciech Szczesny.

Wann immer Robert Lewandowski am Ball war, ging ein Raunen durch das Stadion

Die Begegnung war in der ersten Halbzeit zunächst von großer Vorsicht geprägt. Die Polen überließen ihren Gästen zumeist die Initiative, die Deutschen ließen den Ball kreisen, fanden jedoch zu selten den Weg in die Spitze. Die polnische Defensive spielte sehr organisiert und gut strukturiert. Zehn Minuten dauerte es, ehe Thomas Müller den ersten (ziemlich harmlosen) Torschuss des Spiels wagte. Die erste wirklich gefährliche Aktion der Deutschen resultierte nicht von ungefähr aus einem Freistoß des guten Toni Kroos. Der Kopfball von Mats Hummels wurde noch von einem polnischen Verteidiger geblockt.

Polen gegen Deutschland in Bildern
Lange Gesichter bei den deutschen Nationalspielern. Der Weltmeister verliert in der EM-Qualifikation 0:2 in Warschau gegen Polen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 15Foto: Reuters
11.10.2014 22:56Lange Gesichter bei den deutschen Nationalspielern. Der Weltmeister verliert in der EM-Qualifikation 0:2 in Warschau gegen Polen.

Der Plan der Polen sah vor, die Deutschen nach Ballgewinn mit schnellen Kontern zu überrumpeln. Die Mannschaft von Joachim Löw aber war auf diese Gefahr gut eingestellt; einmal wurde Robert Lewandowski in aussichtsreicher Position frei gespielt, doch Antonio Rüdiger klärte rechtzeitig. Von Lewandowski, dem Stürmer der Bayern, ging bei den Polen das größte Drohpotenzial aus. Wann immer er an den Ball kam, ging ein freudiges und erwartungsvolles Raunen durch das Nationalstadion in Warschau. Umso fahrlässiger war es von der deutschen Abwehr, dass Lewandowski nach einem Freistoß aus dem Halbfeld ziemlich unbedrängt im Fünfmeterraum an den Ball kam. Allerdings mangelte es seinem Abschluss am nötigen Druck, so dass Manuel Neuer mit dem ersten und einzigen Schuss auf sein Tor in der ersten Halbzeit keine Mühe hatte.

Bundestrainer Löw hatte vor dem Spiel explizit die Konterstärke der Polen hervorgehoben. Die besseren Momente im Umschaltspiel hatten jedoch die Deutschen. Kurz vor der Pause leitete André Schürrle einen exzellenten Konter des Weltmeisters ein, den Thomas Müller jedoch nicht zum erfolgreichen Abschluss bringen konnte. Und auch Bellarabis zweite große Chance resultierte aus einem Ballgewinn im Mittelfeld und dem folgenden Gegenangriff, als die polnische Defensive für einen Moment ihre Ordnung verloren hatte.

Manuel Neuer machte beim ersten Gegentor keine glückliche Figur

Diese Ordnung fehlte den Deutschen fünf Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit. Nach einem langen Diagonalpass der Polen konnte Erik Durm zunächst noch per Kopf klären, doch nach der folgenden Flanke des Dortmunders Lukasz Piszceck stand Arkadiusz Milik von Ajax Amsterdam am deutschen Fünfmeterraum völlig frei, Torhüter Neuer versuchte noch helfend einzugreifen, kam gegen den Kopfball des früheren Augsburgers jedoch zu spät. Der Favorit lag 0:1 zurück. Das Stadion brodelte nun, die Zuschauer brüllten, sie pfiffen - die Angelegenheit versprach für den Weltmeister zu einer echten Herausforderung zu werden. Und dessen Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Zwei Minuten nach dem Führungstreffer der Polen kam Mario Götze zum Schuss - Szczesny parierte. Wiederum zwei Minuten später versuchte es Schürrle mit einem Schlenzer - Szczesny parierte. Kurz darauf scheiterten auch Durm und erneut Bellarabi an Polens Torhüter.

Löw reagierte, brachte in der Schlussphase mit Julian Draxler, Lukas Podolski und Max Kruse alle noch verfügbaren Offensivkräfte. Doch während Podolski zehn Minuten vor dem Ende mit einem krachenden Volleyschuss nur die Latte traf, vollendete der eingewechselt Mila kurz vor Schluss zum 2:0. Die Ekstase kannte nun keine Grenze mehr.

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