EM-Qualifikation : Island - Spanien: So schön wie der Regen

Den Virtuosen wie Fernando Torres versagen im Nationalteam mit schöner Regelmäßigkeit die Nerven: Spanien rumpelt zu einem 1:1 in Island.

Julia Macher
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Fernando Torres -Foto: dpa

BarcelonaEin eisiger Wind fuhr Spaniens Nationalcoach Luis Aragones in die blaue Windjacke. Wütend zog er den Reißverschluss ein Stück höher und grummelte. Der Wind war nicht gut, der Regen war nicht gut, und was seine Mannschaft gegen Island zeigte, war gnadenlos schlecht. Eine Dreiviertelstunde schien es, als könne der kleine Inselstaat ein Weiterkommen der Fußballnation so gut wie unmöglich machen. Emil Hallfredsson hatte in der 39. Minute mit einem Flugkopfballtor das 1:0 erzielt, erst zehn Minuten vor Abpfiff rettete sich Spanien mit einem Remis auf den zweiten Gruppenplatz. Drei Punkte hinter Schweden und punktgleich mit Nordirland muss Spanien jedoch um die EM-Qualifikation fürchten.

Wie bereits bei der ersten Begegnung der beiden Mannschaften war es Andres Iniesta, der das Blatt wendete. Dem Mittelfeldspieler vom FC Barcelona, der im Nationalteam keinen Stammplatz hat, gelang nach einem langen Pass von David Villa und kurzem Zuspiel von Luis Garcia der Ausgleich. Bereits zuvor hatte David Villa die Spanier in Jubellaune versetzt, allerdings zu früh: Der deutsche Schiedsrichter Wolfgang Stark erkannte auf Abseits. „Stark brachte uns an den Rand des K.o.“ schäumte am Sonntag die Sportzeitung Marca. Der Unparteiische hatte nach 20 Minuten bereits Xabi Alonso vom Platz gestellt, nachdem der Mittelfeldspieler vom FC Liverpool rüde mit Arnon Vidarsson zusammengerasselt war und den Isländer getreten haben soll. „Der Schiedsrichter hat es nicht gut mit uns gemeint“, sagte David Villa. Sein Trainer Luis Aragones, sonst um deftige Worte nicht verlegen hielt sich mit Kritik an Stark jedoch zurück. Er habe nicht gesehen, was genau vorgefallen sei, sagte der Coach.

Das, was er gesehen hatte, konnte ihn jedenfalls nicht zufrieden gestellt haben. Als habe man noch nie zusammen auf dem Rasen gestanden, hielten die Spieler vergeblich nach Anspielstationen Ausschau. „Wir waren besser als vor dem Spiel und schlechter, als ich erwartet habe. Das Remis war immerhin das geringere Übel“, resümierte Aragones. Richtig überrascht schien er nicht.

Es wirkte, als habe sich der Nationaltrainer in seiner dreijährigen Dienstzeit an die rumpeligen Auftritte seiner Elf ebenso gewöhnt wie an die Kritik an seiner Person. Im Trikot ihrer Klubs zeigen Spieler wie Sergio Ramos oder Fernando Torres exzellenten Fußball. Doch sobald sie sich die Strümpfe mit den rot-gelben Streifen überziehen, bricht alle Virtuosität zusammen. Aragones, der Spieler schon mal am Kragen packt, werden veraltete Methoden vorgeworfen. Nach der EM werde er in den Ruhestand wechseln, sagte er kürzlich. Doch seinen Rücktritt hat Aragones bereits mehrfach angekündigt und sich jedes Mal umentschieden. Er klebt an seinem Posten wie der Fluch des ewigen Verlierers an seiner Mannschaft.

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