EM-Qualifikation : Israel siegt für England

Russland unterliegt in Tel Aviv und hilft der Konkurrenz von der Insel – Schottland ist draußen, Italien und Frankreich sind dabei.

Markus Hesselmann[London]

Auf der Insel hatten sie schon überlegt, 2008 womöglich ihr eigenes Sommerturnier auszutragen. Als Alternative zur Fußball-EM, falls sich keine der Mannschaften aus dem Vereinigten Königreich für das Turnier in Österreich und der Schweiz qualifiziert. Aus der Wiederbelebung der guten alten „Home Internationals“, den traditionellen Spielen zwischen England, Schottland, Wales und Nordirland, dürfte nun nichts werden. Zwar endeten die Hoffnungen Schottlands auf eine EM-Teilnahme gestern durch eine unglückliche 1:2 (0:1)-Niederlage im Glasgower Hampden Park gegen Weltmeister Italien. Doch England hat auf einmal wieder gute Chancen, doch noch zur EM zu fahren. Denn Israel, selbst bereits aus dem Rennen, schlug Russland in Tel Aviv 2:1 (1:0).

England liegt damit zwei Punkte vor den Russen und kann sich am Mittwoch schon mit einem Unentschieden in Wembley gegen Kroatien qualifizieren. Aufgrund des Modus, in dem der direkte Vergleich vor dem Torverhältnis zählt, würde Russland dann selbst ein hoher Sieg gegen Andorra nichts nützen. Kroatien sicherte sich gestern Abend die Qualifikation – dank Israel. Das eigene Spiel Kroatiens in Mazedonien war wegen der russischen Niederlage zuvor nicht mehr wichtig. Russland muss nun darauf hoffen, dass sich die Kroaten in Wembley mit derselben sportlichen Einstellung präsentieren wie die Israelis gestern.

Als das Publikum in Tel Aviv das tapfere eigene Team beklatschte, brach in englischen Pubs vor den Fernsehern noch größerer Jubel aus. In der Nachspielzeit hatte Omer Golan den Siegtreffer erzielt. Israel hatte durch ein frühes Tor von Elianiv Barda geführt, bevor Diniyar Bilyaletdinow nach einer Stunde traf und eine russische Schlussoffensive einleitete, die schließlich nach hinten losging. Das späte Tor der Israelis war für England wichtig, denn sonst hätte die Mannschaft von Trainer Steve McClaren am Mittwoch gewinnen müssen und gegen entspannt aufspielende Kroaten unter deutlich höherem Druck gestanden.

Schottland dagegen ist nach einer überraschend starken Qualifikationsrunde draußen. In der Gruppe B ist damit schon vor dem letzten Spieltag alles entschieden. Wie nach der Auslosung erwartet, haben sich Weltmeister Italien und WM-Finalist Frankreich durchgesetzt. Im strömenden Regen von Glasgow sicherte sich Italien durch ein schnelles Tor des Bayern-Stürmers Luca Toni und ein Tor kurz vor Schluss von Christian Panucci den Sieg über das kämpferisch starke, aber spielerisch unterlegene Team von Trainer Alex McLeish.. Der Ausgleichstreffer durch Barry Ferguson nach einer guten Stunde half nicht. „Ich bin stolz auf meine Spieler“, sagte McLeish. „Wir haben es nicht verdient, dieses Spiel zu verlieren.“ Schottland, zuletzt 1996 bei der Europameisterschaft in England qualifiziert, ist als Gruppendritter nun nicht dabei.

Wales, der letzte Gegner der deutschen Elf, ist schon lange draußen, doch selbst Nordirland war in der Qualifikation nach Heimsiegen gegen Spanien und Schweden gut mit dabei. In jedem Fall dürfen die Nordiren sich damit trösten, dass ihnen eine Ehre in diesen Sommer wohl mangels Herausforderung erhalten bleibt: Sie sind der Titelverteidiger der „Home Internationals“, die 1984 zum letzten Mal ausgetragen worden waren.

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