EM-Qualifikation : Podolski gegen Tschechien in der Startelf

Eigentlich geht es für die deutsche Nationalmannschaft im Spiel gegen Tschechien um nichts mehr. Doch Trainer und Mannschaft wollen jetzt auch den Gruppensieg. Lukas Podolski soll mit seinen Toren zum Erreichen dieses Ziels beitragen.

Jens Mende,Klaus Bergmann
Podolski
Grund zu Lachen. Lukas Podolski steht gegen Tschechien in der Startelf. -Foto: AFP

München      Die Luft ist eigentlich raus, aber beim Charaktertest gegen Tschechien wollen die deutschen EM-Fußballer ihre Fans trotzdem verwöhnen und dazu den Gruppensieg perfekt machen. Nach dem vorzeitig gebuchten Europameisterschafts-Ticket versprechen Joachim Löw und die Nationalspieler im Prestige-Duell gegen den Tabellenzweiten Tschechien ein weiteres Highlight in der Qualifikations-Runde. "Das ist ein Spiel mit viel Spannung. Die Motivation ist groß. Alle macht es stolz, für Deutschland zu spielen", erklärte Löw bei der Rückkehr an jenen Ort, an dem bei der WM 2006 das deutsche "Sommermärchen" begonnen hatte. "Wir wollen den Zuschauern ein offenes und offensives Spiel bieten", erklärte der Bundestrainer, der seine bestmögliche Elf aufstellen will.

"Wir haben keinen Grund, von der ersten Minute an Spieler zu schonen", erklärte Teammanager Oliver Bierhoff einen Tag vor der Partie an diesem Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF) in der mit 66.000 Fans ausverkauften Münchner Arena. Einer Anfrage von Real Madrid, Christoph Metzelder vorzeitig zum spanischen Club zurückreisen zu lassen, erteilte der Deutsche Fußball-Bund eine klare Absage. "Das wäre das falsche Zeichen", betonte Bierhoff. Deutschland will gegen die Tschechen mit einem weiteren "Dreier" Platz eins in Gruppe D perfekt machen. "Das sind wir dem Publikum schuldig", sagte Löw.

Tschechen mit Revanche-Gedanken

"Die Tschechen werden motiviert kommen - auch mit Revanche-Gedanken", erinnerte der Bundestrainer an das Hinspiel am 24. März diesen Jahres in Prag. Damals gewann Deutschland durch zwei Treffer von Kevin Kuranyi mit 2:1 - in Top-Besetzung und mit einem Top-Leistung. Dieses Mal fehlen Löw wie schon zuletzt beim torlosen Remis in Irland wichtige Kräfte, darunter das Herzstück mit Ballack, Klose, Lahm und Schneider. Zudem ist Jens Lehmann nach seiner zweiten Gelben Karten gesperrt. "Wir wollen trotzdem Vollgas geben", sagte Löw, der als Cheftrainer in Pflichtspielen noch unbesiegt ist.

"Die Tschechen sind eine Offensiv-Mannschaft. Da werde ich sicher die eine oder andere Gelegenheit haben, mich auszuzeichnen", erklärte Timo Hildebrand, der zum siebenten Mal in der DFB-Elf zwischen die Pfosten rückt. Die Gäste (20 Punkte) können mit einem eigenen Sieg die verbliebene Konkurrenz aus Irland (15) und Zypern (13) aus dem EM-Rennen werfen und das Endrunden-Ticket buchen. Allerdings müssen auch sie ohne einige wichtige Spieler wie Marek Jankulovski (AC Mailand), den Ex-Nürnberger Jan Polak (RSC Anderlecht), Zdenek Grygera (Juventus Turin) sowie Milan Baros (Olympique Lyon) auskommen. Zudem leidet Kapitän Tomas Rosicky an einer Oberschenkel-Verletzung, bei einem Ausfall des ehemaligen Dortmunders würde wohl der Hamburger David Jarolim als Spielmacher zum Einsatz kommen.

Löw setzt auf den Charakter seines Personals und auf die Stimmung in der Münchner Arena, die "der Geburtsort unserer heutigen Nationalmannschaft" war, wie Franz Beckenbauer meinte. Hier begann mit dem 4:2 im WM-Eröffnungsspiel gegen Costa Rica unter Ex-Chef Jürgen Klinsmann ein Höhenflug, "der mit Jogi Löw als neuem Bundestrainer unverändert anhält", sagte der Kaiser. Auch beim 2:0 im WM-Achtelfinale gegen Schweden war eine Welle der guten Laune durch das Stadion geschwappt. Für Per Mertesacker ist die anhaltende Begeisterung der Fans für das DFB-Team ein wichtiger Antrieb: "Wir sind in der Pflicht, den EM-Gipfel zu erreichen."

Ballack gibt Rätsel auf

Dazu wird im Sommer 2008 auch unbedingt Michael Ballack gebraucht. Der seit einem halben Jahr am Sprunggelenk verletzte Kapitän, um dessen Genesungszustand es wieder neue Spekulationen gibt, ließ sich vor dem Tschechien-Spiel erneut von den DFB-Medizinern untersuchen. Über den Genesungszustand des DFB-Kapitäns, der seit einem halben Jahr an einer schweren Verletzung im Sprunggelenk leidet, sind erneut Spekulationen entbrannt, nachdem Mannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt den Zeitpunkt von Ballacks Rückkehr ins Mannschaftstraining mit "in ein paar Wochen" beschrieben hatte. "Das ist schwer einzuschätzen", erklärte Oliver Bierhoff mit Hinweis darauf, dass Ballack jetzt vor allem bei seinem Club FC Chelsea in London um sein Comeback kämpft.

Auf eine Prognose wie vor kurzem, als Bierhoff den Wiedereinstieg Ballacks ins Teamtraining mit zehn Tagen voraussagte, will sich der Manager nun nicht mehr einlassen. Die sportliche Leitung der Nationalelf will nicht, dass sich der 31 Jahre alte Kapitän nach zwei Operationen und mehreren Rückschlägen noch "unnötig unter Druck setzt". Bei verletzten Spielern sei immer eine "Verunsicherung" da, wenn es Rückschläge gibt, meinte Bierhoff und ergänzte: "Wir freuen uns, dass die Zeichen zumindest wieder positiv sind." Ballack soll das Spiel gegen Tschechien auf der Tribüne verfolgen.

Podolski in der Startformation

Bierhoff hat auch nach der vorzeitigen EM-Qualifikation keinen Spannungsabfall im deutschen Lager ausgemacht: "Man merkt, dass Elan und Stimmung weiter hoch sind." Das trifft besonders auf Bayern-Reservist Lukas Podolski zu, der gegen die Tschechen in seinem Wohnzimmer von Anfang an stürmen darf. "Das ist ein guter Test für uns, da können sich die Mannschaft und ich beweisen", sagte Podolski, der in der Nationalelf auf die beeindruckende Quote von 23 Toren in 41 Spielen verweisen kann. "Lukas weiß, dass er an sich arbeiten muss. Aber Qualität wird sich durchsetzten, er hat ein riesiges Potenzial", urteilte der einstige Stürmer Bierhoff.

Weder das große Thema Vertragsverlängerung mit Löw ("Die Gedanken und Themen sind beim DFB deponiert") noch die Quartier-Fragen bei der EM wurden von der sportlichen Leitung einen Tag vor dem Spiel weiter vorangetrieben. "Es war eine Bitte der Trainer, dass wir keine Ablenkung schaffen", erzählte Manager Bierhoff und ergänzte: "Es geht zwar nicht mehr um das Letzte, aber wir wollen das Prestige-Duell gegen Tschechien gewinnen." (mit dpa)  

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