EM-Qualifikation Polen - Deutschland : Grzegorz Krychowiak: In Spanien veredelt

Grzegorz Krychowiak vom FC Sevilla trägt neben Robert Lewandowski die Hoffnungen der polnischen Mannschaft.

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Begehrter Mann. Auch der FC Arsenal war an Krychowiak interessiert. Foto: dpa
Begehrter Mann. Auch der FC Arsenal war an Krychowiak interessiert.Foto: dpa

Neulich hatte Grzegorz Krychowiak Besuch vom polnischen Fernsehen. Der Fußball-Nationalspieler öffnete die Türen seines Hauses in Sevilla. Das Kamerateam hatte sich gerade auf die Couch gesetzt, da kramte Krychowiak ein Stück Papier hervor. Seinen Universitätsabschluss, gemacht in Lyon. „Wahrscheinlich bin ich der einzige im polnischen Team, der so was hat“, sagte er und musste lachen.

Krychowiak weiß natürlich, dass ihm die akademischen Fähigkeiten bei der Ausübung seines Berufes wenig nützen. Als defensiver Mittelfeldspieler beim FC Sevilla und in der polnischen Nationalmannschaft muss er Lücken zulaufen, Zweikämpfe bestreiten, das Bindeglied sein zwischen Abwehr und Angriff. Erst Recht am Freitagabend in Frankfurt am Main gegen Deutschland. Dann wird es aus polnischer Sicht vor allem auf ihn ankommen, den 25 Jahre alten Dauerläufer aus Gdynia. Weil er die meiste Arbeit von der Abwehr, Polens Schwachstelle, fernhalten muss. Von den vier Verteidigern spielt nur Kamil Glik (FC Turin) konstant. Pawel Olkowski (1. FC Köln), Lukasz Szukala (Osmanlispor) und Artur Jedrzejczyk vom FC Krasnodar haben derzeit mit Formproblemen zu kämpfen. Legia Warschaus Michal Pazdan fehlt verletzt. Krychowiak ist neben Robert Lewandowski vom FC Bayern der einzige internationale Klassespieler Polens. Mit dem FC Sevilla hat er im Mai die Europa League gewonnen – in Warschau, wo ihn seine Landsleute frenetisch bejubelten.

Für Polen ist die Begegnung wie für Deutschland ein enorm wichtiges Spiel auf dem Weg zur Europameisterschaft im kommenden Jahr in Frankreich. Die Mannschaft von Trainer Adam Nawalka liegt in der Gruppe D einen Punkt vor dem Weltmeister. Gewinnt Polen in Frankfurt, ist die EM-Teilnahme so gut wie sicher.

Recht daran glauben mögen aber nur wenige im Land. „Die Mannschaft hat gerade so ein Hochgefühl, so eine kleine Euphorie, das merkt man ihr an“, sagt zwar der deutsche Trainer Joachim Löw. Zuletzt ist das Team aber etwas außer Tritt geraten. Gegen Griechenland (0:0) und in Irland (1:1) mühten sich die Polen zu zwei Unentschieden. Fast vergessen ist der berauschende 2:0-Sieg aus dem vergangenen Oktober gegen Deutschland.

Krychowiak rennt und kämpft und grätscht auf jedem Platz

An Krychowiak liegen die Formschwankungen nicht. Er rennt und kämpft und grätscht auf jedem Platz. Immer das Spielfeld im Blick, immer auf der Suche nach der nächsten Balleroberung. Rustikal, wenn es sein muss, aber selten unfair. Er verfügt über eine gute Technik, seine Spieleröffnung ist hervorragend und Tore kann er auch schießen. Im Finale der Europa League gegen Dnjepropetrowsk erzielte er den wichtigen Treffer zum 1:1.

In Spanien nennen sie ihn maquina, Maschine, weil er so zuverlässig läuft und läuft und läuft. Oder hierro, Eisen, weil Gegenspieler nach einem Zweikampf mit ihm oft das Gefühl haben, auf Metall geprallt zu sein. Grzegorz Krychowiak ist hart gegen den Gegner, aber auch hart gegen sich selbst. Im europäischen Supercup gegen den FC Barcelona brach er sich in der Anfangsphase eine Rippe, was ihn aber nicht daran hinderte, die kompletten 120 Minuten durchzuspielen. Längst zählt er nicht nur zu den widerstandsfähigsten, sondern auch zu den besten Fußballerspielern der Primera Division.

Mit einer derart rasanten Entwicklung war nicht unbedingt zu rechnen, als er 2014 aus Frankreich von Stade Reims nach Andalusien kam. Für eine Ablösesumme von gerade 4,5 Millionen Euro. Heute ist er ein Vielfaches wert. Der FC Arsenal meldete im Sommer Interesse an, Krychowiak blieb lieber noch ein Jahr in Sevilla. Danach soll es aber weitergehen. Der französischen Zeitschrift France Football sagte er: „Sevilla ist ein gutes Sprungbrett für meine Karriere. Wer hier spielt, kann zu jedem großen Klub wechseln.“

Der Abschied würde ihm nicht leicht fallen. An den Rhythmus der südspanischen Metropole habe er sich schnell gewöhnt, die Lebensart gefalle ihm. Vor allem die Siesta, Krychowiak hält gern mal ein Nickerchen – abseits des Platzes natürlich nur. Dass er auf dem Feld mal nicht wach ist, gilt als nahezu ausgeschlossen.

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