EM-Qualifikation : Tifosi pfeifen auf Italien

Der italienische Coach Roberto Donadoni setzte auf die falschen Spieler. Nach dem 0:0 gegen Frankreich gibt es harsche Kritik.

Vincenzo delle Donne
070909donadoni
Roberto Donadoni -Foto: AFP

MailandPfiffe gab es im Meazza-Stadion viele. Gegen die eigene italienische Mannschaft zum Beispiel. Denn das Publikum war überhaupt nicht einverstanden mit dem 0:0 gegen die Franzosen. Verbittert pfiffen sie die eigenen Spieler aus. Auch Zidane-Provokateur Marco Materazzi, der mit Frau und Kindern auf der Tribüne saß und ein T-Shirt mit der süffisanten Aufschrift „I love Paris“ trug, zeigte sich gelangweilt vom Spiel.

Ausgepfiffen wurde aber auch die französische Auswahl. Gnadenlos sogar, schon als die Marseillaise erklang. Dabei hatten die Verantworlichen italienischen Akteure vergeblich an die Tifosi appelliert, nicht mit Pfiffen auf die jüngsten verbalen Provokationen von Cheftrainer Raymond Domenech zu reagieren. Er hatte die „Italiener“ im allgemeinen bezichtigt, Meister darin zu sein, Spiele „zu kaufen“. Wegen dieser unbewiesenen Korruptionsvorwürfe wurde er vom europäischen Verband Uefa gesperrt und musste dem Spiel von der Tribüne beiwohnen. „Ich habe mich für die Pfiffe der italienischen Zuschauer geschämt“, entschuldigte sich nach dem Spiel Verteidiger Massimo Oddo. „Die Pfiffe interessieren mich nicht“, erwiderte Domenech unwirsch, „was zählt, ist nur die Qualifikation, und wir sind zufrieden mit dem Unentschieden.“ Von der Tribüne aus sah er offenbar ungerührt mit, wie seine Mannschaft stellenweise Angst vor der eigenen Courage hatte.

Die Italiener konnten ihren Tifosi statt des erhofften Fußballspektakels nur magere Fußballkost bieten. So wurde ein altgedienter Alessandro Del Piero, der ein Schatten seiner selbst war, immer wieder ausgepfiffen und mit ihm auch Trainer Roberto Donadoni, der ihn fast durchspielen ließ. In einem ereignisarmen Spiel, das stellenweise zerfahren und hektisch war, gab es kaum Torchancen. Während sich die Fans nach Revanche für die 1:3-Hinspiel-Pleite wünschten, wollte Donadoni auf Sicherheit spielen. Dabei machte er auch eklatante Auswechselfehler. Statt in der zweiten Halbzeit Del Piero auszuwechseln, nahm er den agilen Mauro Camoranesi aus dem Spiel. Dass die Azzurri das Spiel am Ende nicht verloren, verdanken sie dem starken Kapitän Fabio Cannavaro sowie Weltklassetorwart Gianluigi Buffon, der insbesondere in der zweiten Halbzeit zwei glasklare Chancen der schnellen französischen Stürmer vereitelte.

„Stellenweise hatten wir zu viel Angst vor dem Gegner“, kommentierte Donadoni, „jetzt müssen wir gegen die Ukraine am Mittwoch unbedingt gewinnen.“ Unterdessen wird in den Medien starke Kritik an Donadoni laut. Doch der Cheftrainer, der heute seinen 44. Geburtstag feiert, reagiert mit gewohntem Gleichmut auf die Kritik. Am Tag danach bemerkte er: „Das war die beste Mannschaft, die ich derzeit aufbieten konnte.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben