EM-Qualifikation : Viel Lob für eine stolze Nation

Aus eigener Kraft konnte es England nicht mehr schaffen. Israel gab England gegen die Russen Schützenhilfe und wird auf der Insel jetzt gefeiert.

Markus Hesselmann[London]

Für Guus Hiddink ist die Sache gelaufen. „Bleiben wir ehrlich und realistisch. England hat das Können, um das zu schaffen“, sagte der Trainer der russischen Elf dem britischen Sender „Sky“. Kurz zuvor hatte Hiddink miterleben müssen, wie seine Spieler 1:2 (0:1) in Tel Aviv verloren – gegen ein israelisches Team, für das es um nichts mehr ging. Die Engländer waren schon fast draußen, können sich nach der russischen Niederlage nun aber mit einem Unentschieden am Mittwoch in Wembley für die EM qualifizieren – gegen ein kroatisches Team, für das es um nichts mehr geht. Die Kroaten, bereits qualifiziert, könnten demnach genauso locker aufspielen wie die Israelis – und England die Party noch verderben.

Im Norden der britischen Insel ist die Party derweil schon vorbei. Immer wieder war Schottland in dieser Qualifikationsrunde für die guten Nachrichten in den britischen Medien zuständig gewesen, während den Engländern die Rolle der Versager zufiel. In ihrem letzten Spiel aber unterlagen die Schotten in Glasgow 1:2 (0:1) gegen Italien und fahren definitiv nicht zur EM. Lange hatte sich das kleine Land gut gehalten in einer starken Gruppe mit Frankreich und Italien, doch am Ende setzten sich die beiden Favoriten durch. „Wir haben die großen Mannschaften erschreckt“, sagte Schottlands Trainer Alex McLeish und sagte seinen Spielern eine große Zukunft voraus.

In der nahen Zukunft aber geht es wieder einmal nur um England – und um Englands Sorgen. Neben Wayne Rooney, John Terry und Rio Ferdinand muss Trainer Steve McClaren am Mittwoch auch auf Michael Owen verzichten, der sich beim 1:0-Sieg im Testspiel in Österreich eine Muskelverletzung zuzog. Ein Fernsehabend vertrieb zumindest Owens Kummer. „Der Schmerz und die Verzweiflung verschwanden, als ich sah, was sich in Israel tat“, sagte Owen der Sonntagszeitung „News of the World“.

Die britische Presse feierte die Israelis: „Danke Omer, jetzt hat England eine Rettungsleine“, schrieb der „Observer“ und druckte auf der Titelseite ein großes Bild des eingewechselten israelischen Stürmers Omer Golan beim Jubel über sein Tor in der Nachspielzeit. Auch Steve McClaren, der viel kritisierte englische Nationaltrainer, dankte den Israelis: „Sie haben gezeigt, was für eine stolze Nation sie sind, und verdienen viel Lob für ihre Mühen“, sagte McClaren, dessen Entlassung im Fall des Scheiterns in der Qualifikation als sicher gilt.

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