Sport : EM-Qualifikation: Völler gegen Vogts

Ausgerechnet Schottland. Rudi Völler staunte im Kongress-Zentrum "Europarque" zu Porto nicht schlecht über die Auslosung. "Das ist unglaublich, einfach sensationell. Noch beim Golf-Cup habe ich mit Berti Vogts geflachst, jetzt ist es Wirklichkeit geworden", sagte der deutsche Teamchef nach der Auslosung der Qualifikationsgruppen für die Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal (12. Juni bis 4. Juli). Angesichts des Wiedersehens mit dem ehemaligen Bundestrainer gerieten die restlichen Gegner der Gruppe 5, Litauen, Island und die Färöer, in den Hintergrund.

"Das ist ja eine halbe Nordsee-Meisterschaft. Doch der schwerste Gegner ist Schottland, vor allem, wenn der Berti dort Trainer ist", sagte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, und auch Uefa-Chef Lennart Johansson sprach dem deutsch-deutschen Trainer-Duell Brisanz zu: "Ich glaube, Berti Vogts hat mit Deutschland noch eine Rechnung offen." Vogts, der 1996 Deutschlands Trainer beim dritten deutschen EM-Triumph nach 1972 und 1980 war und derzeit noch beim Golf-Cup auf der kuwaitischen Trainerbank sitzt, soll spätestens Anfang Februar beim schottischen Verband unterschreiben. Manager David Taylor ist optimistisch: "Ich hoffe, dass wir uns in Kürze einigen werden. Die Auslosung beeinflusst unsere Entscheidung überhaupt nicht." Auch Völler bestätigte: "Berti hat mir gesagt, dass er dort wohl hingehen wird."

"Alles in allem ist das eine lösbare Aufgabe", urteilte Franz Beckenbauer zu den Chancen, sich als Gruppenerster direkt zu qualifizieren. Die Zweitplatzierten der zehn Gruppen müssen in die Play-offs. Das DFB-Team und Schottland sind in ihrer Gruppe klare Favoriten für die beiden EM-Plätze, alles andere käme einer Riesen-Sensation gleich. Gefährlich könnte allenfalls Island werden, das zahlreiche Spieler aufbietet, die ihr Geld im Ausland verdienen. Das isländische Nationalteam wird von dem ehemaligen Bundesliga-Profi Atli Edvaldsson (Fortuna Düsseldorf, Bayer Uerdingen und Borussia Dortmund) betreut.

"Wir sind glücklich. Jeder wollte Deutschland haben, und wir haben es bekommen. Dadurch, dass Berti Vogts noch schottischer Trainer wird, bekommt diese Gruppe eine unglaubliche PR. Das ist gut für unsere Fernsehverträge und für die Werbewirksamkeit unseres Fußballs", schwärmte Edvaldsson. Allenfalls auf Kampf und Teamgeist können die Litauer verweisen, die in der abgelaufenen WM-Qualifikation nur den letzten Gruppenplatz belegten. Ein unbeschriebenes Blatt sind auch die Färöer, die bis vor kurzem vom ehemaligen Gladbacher Bundesliga-Torjäger Allan Simonsen trainiert wurden. Hände ringend sucht der Verband einen Nachfolger für die am 7./8. September beginnenden Gruppen-Begegnungen.

"Die Färöer haben eine kämpferisch gute Mannschaft und einige gute Spieler. Sie reichen aber bei weitem nicht an die Qualität der deutschen Mannschaft heran", sagt Simonsen. Schon vier Stunden nach der Auslosung trat die deutsche Delegation die Heimreise an. Das Thema "Euro 2004" schien abgehakt. Völler sagte: "Mit den Losen können wir leben. Priorität hat nun die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft."

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