EM-Qualifikation - Zusammenfassung : Erster ist nicht gleich Erster

Während sich die Italiener wieder an ihrem Nationalteam erfreuen, gibt es in Frankreich Kritik - insbesondere an Franck Ribéry. Und die Engländer? Verhindern immerhin noch eine Heimniederlage gegen die Schweiz.

Abgegrätscht. Franck Ribéry (oben), muss als Hauptschuldiger herhalten.
Abgegrätscht. Franck Ribéry (oben), muss als Hauptschuldiger herhalten.Foto: AFP

Paris/Berlin - Manchmal kommt der Zorn noch einmal zurück. Im vorletzten Skandal des französischen Fußballs bei der WM in Südafrika gehörte Bayern Münchens Franck Ribéry zu den Meuterern und wurde deshalb gesperrt. Nun, nach dem 1:1 in der EM-Qualifikation in Weißrussland machte die Presse in Frankreich Ribéry als Hauptschuldigen der enttäuschenden Leistung aus. Die Sportzeitung „L'Équipe“ warf Ribéry egoistische Spielweise vor. Im Nationaltrikot hat Ribéry zuletzt vor mehr als zwei Jahren getroffen, und das Sportportal „Sport24“ schimpfte: „Was hat Ribéry in dieser Mannschaft noch zu suchen?“

Dieser Zorn spielte eine größere Rolle als der jüngste Skandal um die Rassismus-Vorwürfe gegen Nationaltrainer Laurent Blanc. Der räumte ein: „Wir wollten hier gewinnen, aber wir waren nicht besser als der Gegner.“ Die Spieler seien aber nach der langen Saison müde „und keine Maschinen“. Dabei sieht es gut aus für das Nationalteam, es hat seit acht Spielen nicht verloren. Frankreich hat weiter beste Chancen auf die direkte Qualifikation für die EM.

Ganz anders als die Türkei. Das 1:1 in Belgien war ein erneuter Rückschlag in der EM-Qualifikationsgruppe A, die Türkei bleibt hinter Belgien auf dem dritten Platz. Marvin Ogunjimi erzielte bereits in der 4. Minute den Führungstreffer für die Gastgeber, den Burak Yilmaz ausglich. Hinterher heizte Türkeis Nationaltrainer Guus Hiddink Spekulationen um seine mögliche Rückkehr zum FC Chelsea an. Der Coach antwortete auf die Frage, ob er beim nächsten Länderspiel noch im Amt sei: „Wir werden sehen. Nichts ist sicher.“ Bei Chelsea ist das Amt derzeit vakant, nachdem Carlo Ancelotti die Stamford Bridge wieder verlassen musste. „Meine Zeit bei Chelsea war wunderbar. Jeder weiß das“, sagte der Niederländer. Der 64-Jährige hatte den Verein aus der Premier League nach der Entlassung von Felipe Scolari bis zur Amtsübernahme durch Ancelotti bis Mai 2009 drei Monate trainiert. „Ich habe noch einen Vertrag mit der Türkei, aber wenn in meinem Alter gewisse Dinge passieren, muss man immer darüber reden“, sagte Hiddink.

Seit 107 Jahren haben die Schweizer in England nicht gewinnen können. Die Serie geht zwar weiter, aber die Schweiz erhielt sich durch einen Punktgewinn beim 2:2 (2:1) die Hoffnung auf die EM-Teilnahme. Die beiden Treffer für die Schweiz erzielte der Leverkusener Bundesligaprofi Tranquillo Barnetta. Da auch die von Lothar Matthäus trainierten Bulgaren beim 1:1 (0:0) in Montenegro einen Zähler mitnahmen, könnte der Kampf in der Gruppe G durchaus noch einmal spannend werden.

Mit Lob nahezu überschüttet wurde die Nationalmannschaft Italiens nach dem 3:0 gegen das schwache Estland. „Italien ist quasi schon bei der EM 2012“, schrieb „La Gazzetta dello Sport“. „Wir wollten nach unserer miserablen Weltmeisterschaft schleunigst wieder guten Fußball spielen. Das gelingt uns allmählich“, erklärte Riccardo Montolivo vom AC Florenz. „Wir haben gut gespielt und Spaß gehabt, ohne uns zu verausgaben“, sagte Andrea Pirlo. Die Maßnahme von Trainer Cesare Prandellis, erstmals Giuseppe Rossi und Antonio Cassano zusammen im Sturm aufs Feld zu schicken, zahlte sich aus: Beide erzielten ein Tor. (Tsp/dpa)

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