EM-Qualifikationsspiel : Deutsche Hooligan-Fahnder in Bratislava

Die deutschen Sicherheitsbehörden schicken Hooligan-Fahnder zum EM-Qualifikationsspiel in die Slowakei, wo ähnliche Krawalle wie im Vorjahr erwartet werden.

Berlin - Acht Szene-Ermittler der Polizei werden nach Bratislava reisen, um deutsche Gewalttäter zu enttarnen und konkret anzusprechen. "Wir schicken unsere Leute hin, damit sie den gewaltbereiten Deutschen sagen: Passt auf, wir sind hier, wir kennen euch", sagte Michael Endler, Leiter der "Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze" (ZIS), dem "Tagesspiegel". Schon seit Tagen werden Ausreiseverbote und Meldeauflagen gegen Hooligans verhängt, "um so der Szene die Führung zu entziehen", sagt Endler. Bei der ZIS beim LKA in Düsseldorf sind alle 7000 gewaltbereiten Fußballfans registriert. Vor gut einem Jahr hatten deutsche Rechtsradikale und Hooligans beim Ländspiel in Bratislava randaliert

Etwa zehn Prozent der Hooligans seien der rechtsradikalen Szene zuzuordnen, sagte Endler, der die aktuellen Maßnahmen des DFB gegen Rechtsradikale begrüßt. "Es ist gut, dass das Thema Rechtsradikalismus so publik geworden ist und auch vom DFB scharf sanktioniert wird", sagte Endler. "Wenn normale Fans diese Leute ins Abseits stellen und sich nicht mit ihnen solidarisieren, können wir von der Polizei leichter unsere Arbeit machen."

Deutschlands bekanntester Fanforscher Gunter A. Pilz von der Universität Hannover forderte im "Tagesspiegel" jedoch weitere Maßnahmen. "Nur mit Strafen bekommen wir die Denke nicht aus den Köpfen", sagte Pilz. "Wir müssen die schweigende Mehrheit in den Fußballstadien in die Pflicht nehmen. Sie darf nicht verschämt weggucken." Zudem müssten "junge, naive Mitläufer zum Nachdenken animiert werden", indem beispielsweise Mannschaftskapitäne mehr Initiative zeigten, wenn es im Stadion zu übelsten Schmähungen komme. Am Donnerstag stellt Pilz im Regierungsviertel in Berlin die neueste Fanstudie vor. (tso)

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