Sport : EM-Splitter: Abel X. und die Zwänge (Glosse)

Jupp Suttner

Im Viertelfinale haben wir ihn sehr vermisst - den blondierten Portugiesen. Doch am heutigen Mittwochabend, im Halbfinale des Europa-Championats um 20 Uhr 45 gegen Frankreich, ist Abel Xavier bestimmt wieder dabei. (Wie aus dem Lager der Euro-Brasilianer zu vernehmen ist.) Denn Abel X. ist kein x-beliebiger Spieler, sondern einer der Stars im portugiesischen Team. Manche nennen ihn gar einen "Pop"-Star. Eben wegen der Blondierung.

Doch wie es bei blonden Stars gelegentlich der Fall ist - sie sagen leicht etwas, ohne groß darüber nachzudenken, was sie eigentlich sagen. Abel Xavier beispielsweise hat sich in mehreren Interviews darüber beschwert, welch grauenhafte Zwänge dieses verfluchte Fußballerleben doch mit sich bringe - ständig würde man kontrolliert: Der Trainer befehle die Taktik, die Presse krixele, wozu sie gerade Lust habe - und beides müsse man hinnehmen. Was für ein fürchterlicher Druck!

Hi, Popstar - schon mal darüber nachgedacht, wie der Druck auf einem Drucker mit zwei Kindern lastet, dem gerade die Miete erhöht worden ist? Oder wie der Druck auf einen Dreher drückt, der einfach nicht den Dreh herauskriegt, wie man durch Aktien reich wird, ohne Geld zum Aktienspielen übrig zu haben? (Wie Fußballer.) Der Druck durch einen Trainer und die Presse - papperlapapp. Der wahre Druck spielt nur im wahren Leben!

Keine Angst, Popstar Abel X., du sollst hier nicht an die Wand genagelt werden. Denn du bist ja nicht der einzige, der so ist. Fast jeder von euch jungen Kickern denkt wie du und keinen Deut darüber hinaus. Außerdem, keine Frage - wir, wären wir Popstar, wären garantiert genauso. Aber vielleicht besteht ja dennoch die Möglichkeit, den Menschen noch zu verändern. Etwa mit Zwang. Deshalb

Die Fußball-Weltregierung Fifa und ihr europäisches Pendant Uefa sollten möglichst schnell folgendes beschließen: Niemand darf fortan Profi werden, der nicht zuvor mindestens ein Jahr lang einen ganz normalen Beruf ausgeübt hat! Um zu wissen, wie das ist. Und als Profi schließlich sollte er angehalten werden, jeden Tag mindestens einmal gen Sonne ( = runder Ball) niederzusinken und der Schöpfung oder wem auch immer zu danken, welch verdammtes Glück er doch gehabt hat: das Fußballspielen als Beruf ausüben zu können und damit für sein ganzes Leben lang finanziell ausgesorgt zu haben.

Trotzdem, Abel Xavier, drücken wir dir natürlich heute Abend ganz fest die Daumen. Denn eigentlich mögen wir ja Popstars.

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