EM-Tickets : Ein schweres Los

100 Tagen vor dem Beginn der Fußball-Europameisterschaft gibt es kaum noch Möglichkeiten, legal an Eintrittskarten zu kommen. Der Schwarzmarkt ist den Organisatoren ein Dorn im Auge.

Lars Spannagel
Tickets
Verbotenes Verlangen -Foto: ddp

Berlin - Ein gewisser Martin war am Mittwoch um 9.32 Uhr der erste Glückliche. Steffi Jones, Präsidentin des Organisations-Komitees für die Frauen-WM 2011, loste ihm per Knopfdruck als erstem deutschen Fan eine Eintrittskarte für die Fußball-EM zu. Wie viel Glück Martin hatte, lässt sich an der astronomischen Zahl der beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) eingegangenen Kartenwünsche für die EM-Vorrunde ablesen. Gegen Polen können bei 492 810 Bestellungen gerade einmal 3741 deutsche Fans dabei sein, gegen Kroatien 3801 (486 003 Bestellungen) und gegen Österreich 6773 (524 248). Bevor am Mittwoch die Auslosung begann, hatte der DFB knapp 8000 Bestellungen aus 110 Ländern von Indien über Weißrussland bis hin zur Karibik-Insel St. Vincent aussortieren müssen. „Wir haben die Pflicht, Tickets nur an deutsche Fans zu vergeben“, sagte DFB -Generalsekretär Niersbach. Der offizielle Ticketverkauf von DFB und Uefa ist abgeschlossen, dass kleinere Fußballverbände ihnen zugeteilte Tickets wie im Vorfeld der WM 2006 noch zurückgeben, ist höchst unwahrscheinlich: In allen teilnehmenden Ländern ist die Nachfrage nach Tickets größer als das Angebot.

Was kann der DFB also Fans raten, die noch auf Karten hoffen? „Nichts“, sagt DFB-Pressesprecher Harald Stenger. Weder über den Fanclub Nationalmannschaft noch über andere offiziell Kanäle könne man noch an Karten kommen. Von Onlinekäufen rät der DFB ab, auch die EM-Organisatoren warnen. „Im Internet zahlt man zum Teil stark überhöhte Preise und am Ende steht man im schlimmsten Fall auch ohne Ticket da“, sagt Organisationschef Martin Kallen. Die Uefa behält sich vor, inoffiziell erworbene Tickets zu annullieren.

Bereits in der ersten Verkaufsphase haben die Veranstalter durchgegriffen. „Wir haben bislang 20 000 Tickets storniert, bei denen sich der Verdacht auf Schwarzmarkthandel erhärtet hat“, sagt Kallen. Von 10,4 Millionen Kartenanträgen seien nur 8,7 Millionen zugelassen worden. Der Rest wurde herausgefiltert, zum Beispiel weil Karten für parallel laufende Spiele mit der selben Bankverbindung beantragt wurden oder die Personenangaben nicht korrekt waren. Die Karten zu erhöhten Preisen weiterzugeben, ist laut den Geschäftsbedingungen verboten. „Jeder Karteninhaber ist verpflichtet, uns vor der Weitergabe zu informieren“, sagt Kallen, „während des Turniers wird es Stichproben geben.“

Internet-Anbieter wie die Ticket-Plattform viagogo lässt diese Drohung kalt. „Auch bei der WM sollten Fans so eingeschüchtert werden“, sagt Daniel Nathrath, Manager bei viagogo, „alle mit einer Eintrittskarte sind aber ins Stadion gekommen.“ Bei viagogo werden schon jetzt Tickets angeboten, vom Spiel Deutschland gegen Österreich (ab 461,55 Euro) bis zum Finale für über 5000 Euro. Die Auflagen der Uefa nennt Nathrath „rechtswidrig“. Wer etwas bezahlt habe, könne frei entscheiden, was mit seinem Eigentum geschehe. „Hier wird versucht, die Rechte der Fans zu beschneiden.“ Der Ankündigung von Martin Kallen, „wenn nötig auch juristisch“ gegen Online-Angebote vorzugehen, sieht Nathrath gelassen entgegen.

Wer sich darauf nicht verlassen will oder keine hohen Preise zahlen kann, hat noch ein Schlupfloch offen, um wenigstens den EM-Trubel aus der Nähe mitzubekommen: Nur noch bis morgen kann man sich auf der Homepage der EM als Volunteer bewerben.

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