EM-Trends : Taktik ist Spektakel

Manche meinen, bei dieser Europameisterschaft werde nur gemauert. Aber das stimmt nicht. Erstmals fiel in jedem Spiel mindestens ein Tor, und auch die Trainer sind kreativ.

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Achtung, exklusiv! Die Italiener überraschten im Auftaktspiel gegen Spanien mit einer Dreierkette und zwei Stürmern. Auch sonst bot die EM viele taktische Feinheiten. Foto: dapd
Achtung, exklusiv! Die Italiener überraschten im Auftaktspiel gegen Spanien mit einer Dreierkette und zwei Stürmern. Auch sonst...Foto: dapd

Diese Dänen! Einen Tag war die EM in Polen und der Ukraine gerade alt, da mussten Fußballästheten das erste Mal ganz tapfer sein. Dänemark spielte gegen die Niederlande. Die Rollenverteilung war klar: Mittelmaß gegen Weltklasse, Arbeiter gegen Künstler. Die Niederländer ließen den Ball gekonnt durch ihre Reihen laufen, erspielten sich eine Torchance nach der anderen und standen am Ende doch ohne zählbaren Erfolg da. Dänemark gewann durch einen einzigen konstruktiven Angriff 1:0. „Wenn die Dänen heute Abend ins Bett gehen, wissen sie immer noch nicht, warum sie gewonnen haben“, sagte Arjen Robben hinterher trotzig.

Einige Tage später gegen Deutschland blieben die Dänen ihrer destruktiven Spielweise treu und beschränkten sich hauptsächlich aufs Verteidigen. Ein Unentschieden hätte ihnen unter Umständen gereicht, um das Viertelfinale zu erreichen. Deutschland rannte an, erst mit Wut, später mit Verzweiflung. Die dänische Mauer hielt lange. Erst spät erlöste Lars Bender die deutschen Fans, der Favorit siegte 2:1.

Schön anzusehen war das alles nicht, und weil Teams wie Griechenland oder Irland genauso wenig für das Offensivspiel taten, gewannen viele Zuschauer den Eindruck, dass es bei dieser EM nur zwei Lager gibt: Angreifer und Zerstörer. Die einen wollen offensiven Fußball zeigen, die anderen ihn verhindern.

Deutschland gegen Dänemark
Das Tor zum Viertelfinale: Lars Bender trifft zum entscheidenden 2:1. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
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17.06.2012 22:32Das Tor zum Viertelfinale: Lars Bender trifft zum entscheidenden 2:1.

In den vergangenen Tagen meldeten sich Experten und Spieler, die das Niveau des Turniers kritisierten und den Eindruck der Fans bestärkten. Deutschlands Mittelfeldspieler Toni Kroos, der bisher nur wenig zur Verbesserung dieser EM beitragen durfte, sagte der „Ostseezeitung“: „Es ist nicht das Spektakel wie bei der WM 2010 in Südafrika. Es gab kaum Partien, in denen viele Tore fielen. Alle Mannschaften sind eher vorsichtig defensiv ausgerichtet.“ Kroos und viele seiner Mitspieler monierten, dass die anderen Teams sich nur noch in ihrer Hälfte verschanzen, ihnen kaum noch Platz bieten würden. Damit haben sie nicht ganz unrecht, die Frage ist nur: Warum sollten die Gegner der deutschen Mannschaft diesen Gefallen tun?

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