EM-Vorbereitung : Härtetest gegen Weißrussland

Die Streichkandidaten brennen auf eine letzte Bewährungschance. Am Mittwoch müssen drei Spieler die Koffer packen. Für Joachim Löw geht es jedoch um die Stammelf - Kapitän Michael Ballack ist heiß auf ein neues Ziel nach dem vergeigten Champions-League-Finale.

Klaus Bergmann,Jens Mende[dpa]
Löw
Bewährungsprobe. Gegen Wießrussland können sich die Wackelkandidaten beweisen. -Foto: dpa

Palma de Mallorca/Homburg Bundestrainer Löw bleiben nur 180 Minuten in den Länderspielen gegen Weißrussland am Dienstag (17.45 Uhr/ARD) in Kaiserslautern sowie am Samstag gegen Serbien in Gelsenkirchen, um seine Wunschformation für die Fußball-Europameisterschaft zu finden und einzuspielen. Der von Zahnschmerzen geplagte Joachim Löw spielte auf dem 95-minütigen Flug vom Trainingsquartier auf Mallorca nach Zweibrücken den EM-Probelauf bereits durch. Sprechen konnte er darüber nicht, erst am Abend hatte Löw einen Zahnarzt-Termin.

"Ich hatte ein paar Tage Ruhe, um Abstand zu bekommen. Jetzt freue ich mich auf die neue Aufgabe. Ich bin hergekommen, um gleich wieder zu spielen", sagte er. Vor der Trainingseinheit mit 20 Akteuren führte Ballack am Montagabend noch auf dem Rasen ein langes Gespräch mit dem Bundestrainer und formulierte gleich bei der Begrüßung seiner Kollegen im Homburger Waldstadion die feste Entschlossenheit, den in der Champions League geplatzten Titeltraum nun bei der Europameisterschaft wahr werden zu lassen. "Ich peile mit der Nationalmannschaft die EM an."

Sechs Kicker fehlen gegen Weißrussland

Direkt nach der Landung fuhr der DFB-Tross zum Abschlusstraining, wo Ballack wie geplant zum Team stieß. Der Kapitän, der von der sportlichen Leitung drei Tage Sonderurlaub zum Überwinden des Champions-League-Frusts bekommen hatte, flog von London über Frankfurt ein. Im DFB-Charter LH 5011 von Palma saßen nur 19 Akteure. Gleich sechs Akteure blieben auf Mallorca: Neben den erkrankten Tim Borowski (Grippe) und Arne Friedrich (Magen-Darm-Infekt) sollen auch die angeschlagenen René Adler (Beckenprellung) und Mario Gomez (Wade) sowie die in der abgelaufenen Saison stark belasteten Kevin Kuranyi und Simon Rolfes im Trainingscamp individuell an ihrer Fitness arbeiten.

"Das macht Sinn", ließ Löw ausrichten, bevor das Team in Homburg im "Schlossberg-Hotel" Quartier bezog. Zumal er im ersten Vergleich mit den vom einstigen DDR-Auswahlcoach Bernd Stange betreuten Weißrussen ohnehin nur 17 Spieler einsetzen kann. Seine Ankündigung in der Teamsitzung, "das Auswechselkontingent komplett ausschöpfen zu wollen", lässt die Wackelkandidaten im noch 26-köpfigen Kader zumindest auf einen Teileinsatz hoffen.

Spielpraxis für Lehmann, Metzelder und Frings

Zuerst geht es gegen die Weißrussen, die zuletzt immerhin die Niederlande (2:1) und die Türkei (2:2) ärgern konnten, aber um Spielpraxis und Erfolgserlebnisse für fest eingeplante EM-Stützen wie Torhüter Jens Lehmann, die lange verletzten Christoph Metzelder und Torsten Frings sowie den in der Rückrunde in ein Formtief gestürzten Torjäger Miroslav Klose. Erst danach kommt das spannende Streichkonzert "23 aus 26". "Die Mannschaft hat ein Grundgerüst, das gilt es zu verfeinern", betonte Metzelder vor dem Test.
Der lange verletzte Abwehrchef gehört neben Lehmann (Tor), Mertesacker, Lahm (Abwehr), Ballack, Frings (Mittelfeld) und Klose (Sturm) zu den sieben Akteuren, die für die EM-Elf als Fix-Größen gelten. Dass alle Sieben schon 2006 zum WM-Stammpersonal gehörten, ist für Klose kein Zufall: "Die WM-Spieler sind nicht nur zwei Jahre älter geworden, sondern haben auch einen Schritt nach vorne gemacht. Wir sind weiter als 2006." Heiß umkämpft ist jeweils noch eine Position in Abwehr, Mittelfeld und Angriff.

Drei müssen die Koffer packen

Vor dem stressigen 34-Stunden-Trip saß der ehemalige Bremer am Montag in Palma bei der DFB-Pressekonferenz allein auf dem Podium, weil sich Löw wegen seiner Zahnprobleme kurzfristig entschuldigen ließ. "Es fällt ihm schwer zu sprechen", berichtete Mediendirektor Harald Stenger. So übernahm Klose die Verkündung einer weiteren wichtigen Aufgabe in Kaiserslautern: "Wir wollen so agieren, dass die Zuschauer hinter uns stehen und sehen: Wir wollen nach vorne!", verkündete Klose: "Wir werden ein gutes Spiel abliefern, aber natürlich noch nicht auf dem Niveau, das wir bei der EM erreichen möchten." Schon bei der Ankunft in Zweibrücken bekamen die Spieler einen ersten Eindruck von einer möglichen neuen EM-Euphorie: Mehrere hundert Fans jubelten an den Zäunen des kleinen Flughafens.

Am Mittwoch, 12 Uhr, ist "High Noon" im DFB-Quartier in Mallorca. Dann muss Löw drei Spieler aussortieren. Nachdem in Gomez und Kuranyi gleich zwei Stürmer geschont werden, kommt es wohl zum finalen Showdown zwischen dem Gladbacher Oliver Neuville und dem Kölner Patrick Helmes um den fünften und letzten Angreiferplatz. "Ich möchte nicht in der Haut des Bundestrainers stecken", erklärte Klose, der vorne mit Lukas Podolski beginnen dürfte: "Olli und Paddi spielen im Training beide einen Riesenball."

"Zauberlehrling" Marko Marin (19) steht vor seinem Länderspiel-Debüt, an seiner endgültigen Nominierung zweifelt ohnehin keiner mehr. "Marko ist frech, agil und forsch", bemerkte Klose und schwärmte von den "punktgenauen Flanken" des kleinen Gladbachers. Zittern müssen andere, vor allem der Schalker Jermaine Jones, HSV-Dribbler Piotr Trochowski und David Odonkor (Betis Sevilla). "Der Trainer wird es schwer haben", sagte Klose zur Endausscheidung. 

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