Sport : Emotionale Trägheit

Schalke 04 erkämpft sich ein 1:1 bei 1860 München

André Görke

München. Kurz vor der Pause war es, als der Schalker Stürmer Mike Hanke den Ball verlor, lustlos stehen blieb und Rudi Assauer an der Seitenlinie völlig ausflippte. Der Manager des FC Schalke 04 fuchtelte drohend mit der Wasserflasche herum, er schrie und fluchte, und dann reagierte Jupp Heynckes, der Schalker Trainer, und deutete Victor Agali an, dass dieser sich doch bitte schön warm zu machen haben. Und zwar sofort! Es war die Trägheit der Schalker Spieler, die fehlenden Emotionen, die die beiden Chefs des FC Schalke so verzweifeln ließen.

Zur Pause lag die Mannschaft 0:1 bei 1860 München zurück, 1:1 stand es im Olympiastadion vor 33 000 Zuschauern dank einer etwas lebendigeren zweiten Halbzeit am Ende. Doch die Kraft, die die Schalker in den vergangenen Wochen im UI-Cup ließen, bereitet den Schalker Verantwortlichen so einige Sorgen. „Das war das sechste Spiel in drei Wochen, bei denen wir bei über 30 Grad gespielt haben“, sagte Heynckes. „Das geht an die Substanz, zumal uns ja auch einige Stammspieler gefehlt haben.“

Die Münchner durften gegen Schalke lange, bis in die zweite Halbzeit hinein, einen entspannten Nachmittag verbringen, bis „uns dann ebenfalls die Kraft verließ“, sagte Münchens Trainer Falko Götz. Auf dem Spielfeld des Olympiastadions wurden exakt 44,5 Grad gemessen. Um den Energiezustand und das Konzentrationsvermögen der Schalker zu verdeutlichen, bedarf es nur der Beschreibung jener Szene, die nach 19 Minuten zum 1:0 für 1860 führte: Benjamin Lauth tänzelte an der rechten Seite auf und ab, schlug erst einen Haken, dann eine Flanke, im Strafraum der Schalker sprang Münchens Kapitän Marcus Schroth hoch und köpfte den Ball schließlich ins Tor. Und das unbedrängt im Fünf-Meter-Raum.

Nach knapp einer Stunde kamen die Schalker dann besser ins Spiel, „weil wir das hohe Tempo nicht mehr gehen konnten, um die Schalker mit zwei Mann zu jagen“, sagte Götz. Nach 56 Minuten stolperte Hanke mit dem Ball durch den Münchener Strafraum, schoss, Torwart Michael Hofmann lenkte den Ball unglücklich auf Dario Rodriguez, der dann zum 1:1 traf. Die Schalker hatten allerdings Glück, dass der Schiedsrichter ein Handspiel Hankes übersehen hatte.

Keine Erholung

Als der Vorbereiter des Ausgleichstores danach erschöpft für Victor Agali ausgewechselt wurde, spielten die Schalker aggressiver und kamen durch eben jenen Agali zu ihrer besten Chance (78.). Der Nigerianer setzte sich kurz vor dem Strafraum von seinem Gegenspieler ab, lief fünf, sechs Schritte, seinen Schuss aber konnte Hofmann mit einer guten Fußabwehr zur Ecke klären. „Hofmann hat hervorragend reagiert“, sagte Schalkes Trainer Henyckes. „Trotzdem, das sind die Möglichkeiten, bei denen wir das Tor treffen müssen.“

Erholen darf sich seine Mannschaft nicht, schon am Dienstagabend spielt Schalke im Hinspiel des UI-Cup-Finales gegen den SV Pasching. Nur Manager Assauer fand ein wenig Entspannung. Als Heynckes seinen Kommentar auf der Pressekonferenz abgab, setzte er sich in den Vorraum – und trank in aller Ruhe zwei Bier.

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