Sport : Ende der Effizienz

Hertha BSC vergibt beim 0:0 gegen Schalke viele Torchancen und kann nicht mehr Meister werden

Sven Goldmann
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Enttäuschte Erwartung. 74 244 Zuschauer strömten zu Hertha BSC ins Olympiastadion. Die Herthafans unter ihnen hatten sich ein...

Das Stadion war ausverkauft, das Publikum bester Laune und in froher Erwartung, aber am Ende machte sich Melancholie breit bei allen, die Hertha BSC zur Deutschen Meisterschaft peitschen wollten. Ein 0:0 gegen Schalke 04 war zu wenig für die neuen, hohen Ambitionen des Berliner Fußball-Bundesligisten. Uneinholbar ist der VfL Wolfsburg davongezogen, und für Hertha wird es nicht leicht sein, die Spannung aufrecht zu erhalten für das letzte Spiel am kommenden Samstag in Karlsruhe. Dabei wird es dann immer noch um sensationell viel gehen. Bei einem Sieg könnte der Traum noch wahr werden von der Qualifikation für die Champions League.

74 244 Zuschauer im Olympiastadion mögen sich an 2005 erinnert haben. Damals hätte am letzten Spieltag ein Sieg zum Einzug in die Champions League gereicht, aber elf Hannoveraner ermauerten ein 0:0. Am Samstag trat Schalke 04 mit nicht viel mehr Lust am konstruktiven Fußball an und wurde dafür mit einem Punkt belohnt. Die Berliner machten keineswegs ein schlechtes Spiel, sie scheiterten auch nicht an den eigenen Nerven, wohl aber daran, dass es trotz vieler guter Chancen in der ersten Halbzeit nicht mit dem Toreschießen klappen wollte. In der zweiten Halbzeit schien auch ein wenig die Kraft zu fehlen.

Auch in diesem schicksalsbringenden Spiel widerstand Hertha der Versuchung, munter drauflos zu stürmen und vertraute dem bewährten Prinzip der den Gegner einschläfernden Zurückhaltung mit anschließenden überfallartigen Angriffen. Schalke hatte mehr Ballbesitz, Gefahr ging aber allein von den Berlinern aus, und fast immer hatten die überragenden Raffael und Marko Pantelic ihre Füße im Spiel. Ein erstes Mal bediente der Brasilianer den blitzschnell in die Gasse gestarteten Serben, der nicht von der Schalker Abwehr zu stellen war – wohl aber durch eine falsche Abseitsentscheidung des Linienrichters. Nach einem erneuten Zuspiel Raffaels tauchte Pantelic ein zweites Mal frei vor Torhüter Manuel Neuer auf, diesmal spitzelte er den Ball sogar ins Tor, aber ein zweites Mal hatte der Schiedsrichterassistent die Fahne oben. Und wieder irrte er. Hertha kam immer besser ins Spiel, Pantelic schoss volley aus halblinker Position mit seinem schwächeren linken Fuß, Neuer reagierte prächtig. Kurz darauf köpfte Gojko Kacar in den Lauf von Steve von Bergen, aber der ist als Innenverteidiger nun mal vorrangig für das Verhindern von Toren zuständig. Von Bergen legte sich den Ball einen Tick zu weit vor und wurde von Neuer noch abgefangen. Verzweifelt griff sich der Schweizer an den Kopf – wann zuletzt ist er so gefährlich vor dem Tor aufgetaucht?

Schalkes Abwehr offenbarte weiter haarsträubende Lücken. Als wieder einmal Pantelic allen davon gelaufen war, hakte sich Benedikt Höwedes bei dem Serben ein, dieser fiel, aber Schiedsrichter Peter Gagelmann mochte sich nicht zu einem durchaus möglichen Elfmeterpfiff hinreißen lassen. Kurz vor der Pause machte Pantelic bei einem schönen Solo alles richtig, nur bekam er den Ball nicht am großartigen Neuer vorbei. Den Abpraller nutzte Cicero nicht etwa zu einem Torschuss, er ließ sich im Sturzflug über den Schalker Torwart fallen, wofür er völlig zu Recht die Gelbe Karte sah.

Hertha aber steckte nicht auf und hätte Sekunden vor dem Halbzeitpfiff doch noch das Führungstor machen können. Wieder war Pantelic der Vorbereiter, sein Rückpass erreichte Pal Dardai, der allerdings vom Fünfmeterraum mit dem rechten Fuß am linken Pfosten vorbeischoss. Wann hat man zuletzt so viele Torchancen gesehen vom Meister der Effizienz?

Von Schalke kam dagegen, trotz der anfänglichen optischen Überlegenheit, so gut wie nichts. Kevin Kuranyis harmloser Kopfball nach 65 Minuten war die erste Toraktion. Die nächste Berliner Chance bereitete Patrick Ebert mit seiner einzigen guten Aktion vor, einem Eckball auf Kacar. Dessen Kopfball flog übers Tor, und dann war Schluss für Ebert. Für ihn kam Andrej Woronin als zusätzlicher Stürmer, aber dem gelang genauso wenig wie auf der anderen Seite Kuranyi. Schiedsrichter Gagelmann meinte es weiter nicht gut mit den Berlinern, denen er kurz vor dem Strafraum nach einem Foul an Cicero einen Freistoß verweigerte.

Herthas Trainer Lucien Favre schickte mit Waleri Domowtschiski und Amine Chermiti noch zwei weitere Stürmer auf den Platz, der entkräftete Pantelic musste raus, aber der Schwung der ersten Halbzeit, er war dahin. Kuranyi vergab noch eine letzte Chance für Schalke, und Hertha hatte nicht mehr viel zuzusetzen.

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