Ende der Führungskrise : Hertha versöhnt sich

Nach wochenlangem Zwist vertragen sich Herthas Manager Dieter Hoeneß und Präsident Werner Gegenbauer wieder. Zudem steht eine Vertragsverlängerung mit Arne Friedrich kurz bevor.

Michael Rosentritt,Friedhard Teuffel
Hertha BSC Berlin - Neuer Präsident Gegenbauer
Alle für eine. Werner Gegenbauer (links), Dieter Hoeneß (und Vize Jörg Thomas).Foto: dpa

BerlinZwei starke Männer, zwei verschiedene Meinungen – darunter hat Hertha BSC in den vergangenen Wochen gelitten. Manager Dieter Hoeneß und Präsident Werner Gegenbauer stellten ihre Männerfreundschaft und den aktuellen Erfolg des Fußball-Bundesligaklubs auf eine harte Probe. Es ging um den Anteil am Aufschwung des Klubs, um Neuverpflichtungen und um Hoeneß’ angekündigten Abschied 2010. Entgegen einiger Befürchtungen haben die beiden am Dienstagabend jedoch professionell Frieden geschlossen.

Die Versionen der Versöhnung lagen auch ziemlich nahe beieinander. „Wir mussten ein paar Missverständnisse klären. Aber jetzt haben wir die Basis gelegt, um vernünftig miteinander zu arbeiten“, sagte Manager Hoeneß, und Gegenbauer erklärte: „Wir haben den Dissens geklärt. Es gibt nun wieder die Möglichkeit, dass sich das persönliche Verhältnis wieder entwickelt.“

Das klingt noch nicht nach gemeinsamen Urlaubsplänen, aber immerhin auch nicht mehr so verhärtet wie noch vor einigen Tagen. Die beiden haben jedenfalls miteinander vereinbart, künftig Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten wieder intern auszutragen. So kam es auch nicht zu einem Zusammenprall bei der Präsidiumssitzung am Dienstagabend.

Im Zentrum der Sitzung des neunköpfigen Präsidiums sowie Hoeneß und Ingo Schiller von Seiten der Geschäftsführung stand daher das Finanzkonzept für das kommende Geschäftsjahr. Die Brisanz der abendlichen Runde wurde nicht nur durch die vorangegangene Aussprache zwischen Gegenbauer und Hoeneß gemindert. Die sportliche Führung hatte außerdem Abstand von der Verpflichtung des Brasilianers Cesar Junior genommen hatte, „nach eingehender Abwägung aller sportlichen und finanziellen Aspekte“, wie es hieß.

Hertha hatte den Brasilianer mehrfach beobachtet. In der Vorwoche war Hoeneß für ein paar Tage nach Südamerika gereist, um die Bedingungen für einen Transfer auszuloten. Cesar wäre im Januar ablösefrei zu haben gewesen. Vor ein paar Tagen bereits hatte Herthas Präsident Werner Gegenbauer allerdings gesagt, dass sich nicht alle Wünsche der sportlichen Führung erfüllen ließen.

Beim Finanzkonzept der laufenden Saison konnte Hertha dies verkünden: keine Korrekturen trotz Wirtschaftskrise. Es bestehe sogar ein gewisser Spielraum für die Verpflichtung eines Spielers. „Wir wollen einen Spieler, der uns definitiv weiterbringt und unsere Qualität um ein paar Prozentpunkte steigert“, sagte Hoeneß. Ein denkbares Modell sei ein Leihgeschäft mit anschließender Kaufoption.

Für das kommende Geschäftsjahr, das parallel zur Bundesligaspielzeit 2009/2010 läuft, hat Hertha durch geringere Fernseh- und Sponsorenerlöse mit Mindereinnahmen von etwa 7,5 Millionen Euro zu rechnen. Ein Minus von knapp 5 Millionen gegenüber der ursprünglichen Planung resultiert aus dem neuen Fernsehvertrag – vorausgesetzt, Hertha erreicht am Ende der jetzt laufenden Saison keinen internationalen Startplatz. Auf dieser Basis wird der Verein im Frühjahr seinen Haushalt für die kommende beschließen, die Eckpunkte dafür setzte das Präsidium gestern. Dieser Haushalt ist auch die Grundlage für das Lizenzierungsverfahren der Deutschen Fußball-Liga.

Vom Geld hängt auch ab, wie Hertha mit seinen spielenden Angestellten umgeht. Im nächsten Sommer laufen schließlich die Verträge von einer Vielzahl von Spielern aus. Gut möglich, dass Hertha einen von ihnen schon jetzt für mehrere Jahre weiter an sich binden kann: Kapitän Arne Friedrich. Wie der Tagesspiegel aus Kreisen des Präsidiums erfuhr, steht eine Vertragsverlängerung mit Friedrich kurz bevor. Manager Hoeneß wollte noch keinen Vollzug melden: „Wir haben viele Gespräch geführt und sind auf dem Weg, aber noch nicht angekommen.“

Andere Spieler wie Andrej Woronin und Cicero, die ausgeliehen sind, müssen sich in der Rückrunde noch für ein festes Beschäftigungsverhältnis bei Hertha empfehlen.

Versöhnung in der Führungsetage, Kontinuität bei den Führungsspielern – mit diesen Nachrichten macht es sich Hertha leichter vor dem entscheidenden Uefa-Cup-Spiel bei Olympiakos Piräus. Auch äußere Wirrnisse sind inzwischen geklärt. Erst am gestrigen Vormittag waren die letzten Sicherheitsbedenken ausgeräumt. Der Tod eines 15-Jährigen durch eine Kugel aus der Waffe eines Polizisten hatte zu Unruhen in vielen griechischen Städten geführt. In den vergangenen zwei Tagen hätte sich die Lage etwas entspannt, teilte ein Sprecher des Europäischen Fußball-Verbandes (Uefa) mit. Nach Einschätzungen der griechischen Sicherheitsbehörden könne das Spiel wie geplant am Donnerstag stattfinden (20.45 Uhr, live im RBB).

Hertha muss beim Griechischen Meister gewinnen, um sich für die Runde der besten 32 zu qualifizieren. „Wir müssen auf Sieg spielen, aber das heißt nicht, dass wir sofort aufmachen müssen“, sagte Lucien Favre. Sicherheitshalber nahm Herthas Trainer die angeschlagenen Spieler Josip Simunic, Pal Dardai und Marko Pantelic mit nach Griechenland. Gut möglich, dass die drei zur Verfügung stehen. Andrej Woronin (Grippe) und Gojko Kacar (Knieprellung) dagegen blieben in Berlin. Die anderen haben die Chance, zum versöhnlichsten Jahresabschluss für Hertha seit langem beizutragen.

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