Sport : Ende der Laufbahn

Stuttgart verabschiedet sich von der Leichtathletik

Friedhard Teuffel

Berlin - Für seinen Abschied von der internationalen Leichtathletik hat sich Stuttgart das richtige Jahr ausgesucht. Die deutschen Athleten waren bei den Olympischen Spielen so erfolglos wie seit 104 Jahren nicht, und ohne herausragende deutsche Athleten fällt Stuttgart die Trennung sicher etwas leichter. Zum letzten Mal findet an diesem Wochenende nun ein Großereignis der Leichtathletik bei ihnen im Stadion statt, das Weltfinale. Im nächsten Jahr wird die grüne Laufbahn herausgerissen und das Stadion so umgebaut, dass es dem Fußball noch besser gefällt.

Die deutsche Leichtathletik verkleinert sich damit ein weiteres Mal. Von vier auf drei Räume, in denen noch internationale Meisterschaften ausgetragen werden können. Es bleiben noch die Olympiastadien von Berlin und München und das Nürnberger Stadion, das allerdings für Weltmeisterschaften schon zu klein wäre.

Stuttgart galt lange als Lieblingsort der Leichtathleten, diesen Ruf hatte es sich mit den Europameisterschaften 1986 und vor allem den Weltmeisterschaften 1993 erworben, als das Publikum für seine Fachkenntnis und seinen Sportsgeist vom Internationalen Olympischen Komitee und der Unesco ausgezeichnet wurde. Doch in den vergangenen Jahren hat auch die Stuttgarter Begeisterung für die Leichtathletik nachgelassen. An beiden Tagen des Weltfinales kamen zuletzt zusammen nur um die 50 000 Zuschauer, und die Stadt musste einige Hunderttausend Euro dazugeben, um das Defizit der Veranstaltung auszugleichen. Als der Fußball-Bundesligaklub VfB Stuttgart dann das Stadion ganz für sich beanspruchte, fiel die Gegenwehr der Leichtathleten gering aus.

Immerhin will die Stadt Stuttgart jetzt ein kleines Trainingsstadion unweit der großen Arena im Neckarpark umbauen, mit Zusatztribünen könnten dort Landesmeisterschaften stattfinden oder vielleicht auch deutsche Meisterschaften. Dann wäre die ehemalige Leichtathletik-Metropole Stuttgart wenigstens noch ein Basislager. Friedhard Teuffel

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