Ende der Medaillenflaute : Schützin Dorjsuren gewinnt Bronze für Deutschland

Nach einer Schrecksekunde beim letzten Schuss hat die gebürtige Mongolin Munkhbayar Dorjsuren die erste Medaille für deutsche Pistolenschützinnen in der Olympia-Geschichte gewonnen. Die 39-Jährige rutschte im Finale noch einen Platz zurück und machte es mit dem letzten Schuss extrem spannend.

„Der war sehr spät. Mir ist fast das Herz stehengeblieben“, sagte Bundestrainer Peter Kraneis, dem der Schreck noch lange danach ins Gesicht geschrieben stand. „Munk“ selbst sah das gelassen: „Es war doch noch eine Zehn.“ Ihre Team-Kollegin Stefanie Thurmann (Frankfurt/Oder) belegte den 23. Platz.

„Endlich“, stammelte die Bronze-Gewinnerin - um kurz darauf wieder die Fassung zu gewinnen. „Immerhin war es 16 Jahr her, dass ich bei Olympia eine Medaille gewonnen hatte. Die wollte ich unbedingt. Aber eigentlich in einer anderen Farbe“, betonte die in Schweinfurt lebende Bundeswehr-Sportsoldatin. Trotzdem habe sich für sie ein Traum erfüllt. Dafür habe sie hart trainiert, rund 20000 Schuss in diesem Jahr. Die Grundlage für den ersten greifbaren Erfolg der deutschen Schützen in Peking legte Dorjsuren mit einer neuen Jahresbestleistung von 587 Ringen im Vorkampf.

„Endlich hat mal jemand Saisonbestleistung geschossen“, jubelte der Bundestrainer. „Ich hoffe, dass jetzt der Bann gebrochen ist und es der Mannschaft einen Ruck gibt“, fügte er an. Genauso dachte auch die Olympia-Dritte an ihre Mitstreiter. „Der Druck in der Mannschaft wurde von Tag zu Tag größer. Ich glaube, das ist jetzt zu Ende“, bemerkte sie.

Munkhbayar Dorjsuren gilt als Konzentrations-Künstlerin. Doch gerade diese Stärke hatte sie am Sonntag beim 24. Platz mit der Luftpistole im Stich gelassen. „Und wenn's im Kopf nicht stimmt, hilft gar nix mehr“, stellte sie danach fest. Mit der KK-Waffe gelang das besser. „Am besten funktioniert's, wenn man sich beim Finale in einen Trance-Zustand versetzen kann. Doch das klappt maximal 20 Minuten. Da muss dann alles passen“, berichtete sie.

Nach drei Olympia-Starts für ihr Geburtsland hatte sie sich nach 2000 um einen deutschen Pass bemüht. „Das war meine freiwillige Entscheidung. Das Leben hier ist geregelter als zu Hause. Dort ist es sehr schwer“, erzählte die Schützin. Dass sie dafür in der Mongolei viel Kritik einstecken musste, schmerzt noch immer. „Ich wurde beleidigt. Mir wurde unterstellt, dass ich mich hätte kaufen lassen. Das war deprimierend“, erinnert sie sich. Inzwischen sei das anders, auch weil immer mehr Mongolen ihre Kinder ins Ausland schicken. 2002 bekam sie die deutsche Staatsbürgerschaft und schon drei Wochen später wurde sie erstmals für Deutschland Weltmeisterin. (dpa)

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