Sport : Ende der närrischen Zeit

Hans Zach hat mit den Kölner Haien endlich Erfolg

Claus Vetter

Berlin. Närrisches Treiben in der Kölnarena. Und das mitten im September? Richtig, da konnte etwas nicht stimmen beim Deutschen Eishockey-Meister, den Kölner Haien. Immer weniger Zuschauer in der riesigen Kölner Halle sahen nur noch wenige Tore und wenige Siege. Der mit großen Erwartungen geholte neue Trainer Hans Zach zankte, und die Geschäftsführung schimpfte.

Das ist gerade einmal einen Monat her – und doch schon eine halbe Eishockey-Ewigkeit. Die Haie haben zuletzt neunmal hintereinander gewonnen, die Zuschauer kommen wieder. Nicht nur die rheinische Volksseele hat sich beruhigt, sondern auch der Bayer Hans Zach. Im Falle des Erfolges lebt es sich eben für alle einfacher. Das gilt im Leben und im Sport erst recht. Insofern überrascht es nicht, dass sich Kölns Geschäftsführer Holger Rathke nicht gern an die unglücklichen Vorfälle vom Vormonat erinnert. „Ich verstehe immer noch nicht, warum der Hans Zach damals einen Nebenkriegsschauplatz aufgemacht hat“, sagt Rathke.

Nachdem die Haie am 22. September mit 1:4 beim EHC Eisbären verloren hatten, war der Kölner Trainer laut geworden. Nach Zachs Meinung wurde die Öffentlichkeitsarbeit bei den Haien an ihm vorbei gesteuert. Kritik an seiner Person, dem allmächtigen Bundestrainer? Und dann noch aus den eigenen Reihen? Von wegen, da hatte der streitlustige Tölzer eindeutig postuliert: „Entweder mein Weg oder keiner.“

Die Geschäftsführung bei den Haien reagierte auf den Vorwurf Zachs. „Ich habe dem Hans gesagt, das geht in Ordnung mit seinem Weg“, sagt Holger Rathke. „Aber ich habe Zach auch gesagt, dass sich sein Bereich auf den sportlichen Teil beschränkt.“ In Köln, glaubt Rathke, ist die Situation eben anders als bei Zachs vorherigem Arbeitgeber, den Kassel Huskies. „In Kassel hat der Hans alles allein gemacht. Aber hier in Köln sind die Aufgabenbereiche klar aufgegliedert.“

Soll wohl heißen: Bei den Haien geht es nicht so beschaulich zu wie in der hessischen Provinz. Jedenfalls hat es nach Zachs Vorwürfen, laut Rathke, bei den Haien ein Gespräch mit „High-noon-Charakter“ gegeben. Trotz Wildwest am Rhein – gefeuert wurde bei besagter Konferenz zum Glück nicht. Verloren haben die Haie nach der Niederlage von Berlin zwar noch zweimal. Doch nach der Kölner Serie im Oktober ist bei den Haien inzwischen jeder zufrieden.

Zach freilich überrascht die Einkehr des Erfolges bei den Haien weniger. „Die Mannschaft hat sich gefunden“, ist der Kommentar des Bundestrainers. Zachs Kollege vom Tabellenführer der Deutschen Eishockey- Liga (DEL), dem EHC Eisbären Berlin, sieht es ähnlich. „Die Kölner Spieler haben das System von Hans Zach inzwischen verinnerlicht“, glaubt Pierre Pagé. „Wohl vor allem, weil sie gemerkt haben, dass sie damit gewinnen können.“

Der Trainer des EHC Eisbären spricht stets mit Respekt von seinem Kölner Pendant, auch wenn er kein Freund defensiv ausgerichteter Spielanlage ist. „Zachs Philosophie im Eishockey lautet: Wir geben euch sehr, sehr wenige Chancen“, sagt Pagé. „Und wenn du das Minimalangebot von Zach nicht nutzt, dann hast du keine Chance gegen seine Mannschaften.“ Am heutigen Freitag will Pagé natürlich Zach das Feld nicht überlassen. Die Berliner treten zum Spitzenspiel der DEL in der Kölnarena nicht als Außenseiter an. In diese Rolle rückt sich der Trainer des Tabellendritten. Zach sieht die Eisbären als „haushohen Favoriten“. Etwas anderes hat vom notorischen Tiefstapler Zach auch niemand erwartet.

Immerhin, in Köln geht es momentan auch abseits der Eisfläche aufwärts. Die Zuschauer strömen inzwischen wieder in Deutschlands größte Halle. Zum Spiel gegen die Eisbären werden mehr als 12 000 Fans in der Kölnarena erwartet, obwohl zur gleichen Zeit Fußball-Zweitligist 1. FC Köln spielt. Dienstag, beim Derby gegen die Düsseldorfer EG, wird die Kölnarena mit rund 19 000 Zuschauern ausverkauft sein. Es sieht danach aus, als könne die Liaison zwischen dem Kölner Traditionsverein und dem bodenständigen Tölzer Hans Zach nach den Problemen zum Anfang doch noch zu einem glücklichen Ende führen.

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