Sport : Ende der Streitkultur

Ronald Wulff soll beim HSV wieder Ruhe reinbringen

Karsten Doneck

Hamburg. Zuletzt eskalierte der Streit sogar schon auf unterster Ebene. Busfahrer Jürgen Ahlert und der zweite Masseur Frank Adam zankten darum, wer von beiden bei den Spielen mit auf der Bank sitzen dürfe. Und alles fand sich, genüsslich ausgewalzt, in den Medien der Stadt wieder. Der Eindruck entstand: Beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV sind nun endgültig alle Sicherungen durchgeknallt. Werner Hackmann, der Klubchef, wirkte nicht nur bei solchen Lappalien wie dem Zwist zwischen Busfahrer und zweitem Masseur hilflos. Auch auf die sportliche Krise des HSV fand er kaum Antworten – außer der, dass der Verein fest hinter Trainer Kurt Jara stehe.

Am Freitag wird Hackmann seine Amtsgeschäfte offiziell übergeben. Ronald Wulff, der bereits von November 1993 an fast zwei Jahre lang den Verein führte, tritt als Übergangspräsident an. Vielleicht nur für zwei Monate, vielleicht auch länger. Denn die Nachfolger stehen beim HSV wahrlich nicht Schlange. Der lange Zeit für das Amt favorisierte Willi Lemke, Bildungssenator in Bremen und früher Manager bei Werder Bremen, hat sich entschlossen, erneut für die Bürgerschaft in Bremen zu kandidieren und fällt damit für den HSV aus. Und sonst? Alle schauen nur verschämt weg, wenn ihnen das Präsidentenamt angeboten wird. Für Wulff, Besitzer eines Dentrallabors, hat sich der Aufsichtsrat des HSV einstimmig entschieden. „Für mich eine Selbstverständlichkeit, dass ich mich in dieser schwierigen Situation zur Verfügung stelle“, sagt der 57-Jährige. Sein primäres Ziel: „Es muss endlich wieder Ruhe im Verein einkehren.“

Werner Hackmann wird nach seiner Beurlaubung als HSV-Chef keinesfalls Not leiden. Er war hauptamtlich tätig und erhält weiterhin seine Bezüge, und zwar bis zum Vertragsende am 30. Juni nächsten Jahres. Es soll sich dabei um eine Summe von rund 300 000 Euro handeln. Wulff hingegen wird das Amt nicht nur kommissarisch ausüben, sondern auch ehrenamtlich. Der neue Mann richtete bei seiner Antrittsrede gleich auch noch ein paar warme Dankesworte an seinen Vorgänger. „Einen Werner Hackmann kann keiner von uns ersetzen. Viele wissen wahrscheinlich gar nicht, was er für unseren Verein alles geleistet hat.“ In Hackmanns Ära wurde in Hamburg unter anderem der Stadionneubau bewerkstelligt. Eine Maßnahme, die sich für den HSV in gesteigertem Zuschaueraufkommen auszahlt. Mit einem Durchschnitt von 47 110 Besuchern pro Heimspiel liegt der HSV in dieser Saison wieder an vierter Stelle des Zuschauerinteresses.

Ein scharfer Kontrast zur sportlichen Lage der Mannschaft. Aber auch da erhofft sich Wulff durch den Machtwechsel Belebung. „Vielleicht sagt sich die Mannschaft ja auch: Jetzt erst recht.“

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