Sport : Ende der Überheblichkeit

Hockey-WM: Holland kämpft gegen Deutschland schon ums Weiterkommen

Stefan Hermanns

Mönchengladbach - In Deutschland zählt es gewissermaßen zum guten Ton, Niederlagen des großen Rivalen Holland mit lautem Jubel zu begleiten. So ähnlich war es auch am späten Mittwochabend, als sich unter den deutschen Hockey-Nationalspielern die Kunde verbreitete, dass die Holländer ihr erstes WM-Spiel gegen Südkorea verloren hatten. Verwunderlich war allenfalls, dass der Grad der Freude über den Ausrutscher des Nachbarlandes altersabhängig war. „Die ganzen jungen Spieler haben total gejubelt“, berichtete Tibor Weißenborn. „Aber ich als alter Realist fand es total dämlich.“ Weißenborn ist 25.

Der Mittelfeldspieler der deutschen Nationalmannschaft kennt die Holländer ziemlich gut, und er fürchtet, dass die Deutschen heute in ihrem zweiten Vorrundenspiel (15.15 Uhr, live im WDR) deren Enttäuschung über die unerwartete Niederlage gegen die Südkoreaner zu spüren bekommen. „Es ist ein bisschen wie im Fußball. Die Holländer neigen zur Überheblichkeit“, sagt Weißenborn, der seit einem Jahr in Amsterdam für den HC Bloemendaal, eine Art FC Chelsea des Hockey, spielt. „Mit unserer Aggressivität können wir gut dagegenhalten. Jetzt aber werden die Holländer den Kampf annehmen.“ Dazu passen auch die äußeren Begleitumstände: Das WM-Stadion in Mönchengladbach wird heute zum ersten Mal ausverkauft sein. Weil die Arena nur 30 Kilometer von der holländischen Grenze entfernt liegt, werden sich unter den 12 000 Zuschauern jedoch auch ausreichend Unterstützer für den Gegner befinden.

Ein wenig könnte der Eifer der Holländer dadurch gedämpft worden sein, dass sie am Donnerstag ihr zweites Spiel 2:0 gegen Südafrika gewannen. Trotzdem dürfen sie sich keinen weiteren Patzer erlauben, um ihren Einzug ins Halbfinale nicht zu gefährden. „Ich glaube, dass sie nur ausgerutscht sind“, sagt Weißenborn. „Für mich sind die Holländer immer noch der WM-Favorit.“ Die Deutschen mussten sich ihnen zuletzt zweimal mit 1:2 geschlagen geben: Ende Juli im Finale der Champions Trophy in Spanien und vor zwei Wochen beim Hamburg Masters.

Weißenborn und seine künftigen Bloemendaaler Mitspieler aus der Nationalmannschaft, die Brüder Philipp und Christopher Zeller, haben sich trotzdem „schon die wildesten Sachen ausgemalt“: dass sie in Mönchengladbach Weltmeister werden und in ein paar Wochen vor dem ersten Saisonspiel ihres Klubs offiziell geehrt werden: „Wir drei bekommen den Blumenstrauß, die vier anderen das kleinere Präsent.“ Laut jubeln kann er dann immer noch.

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