Sport : Ende des Blödsinns

Friedrichshafens Volleyballer haben sich gefangen

Frank Bachner

Berlin - Wahrscheinlich wird das südkoreanische Fernsehen wieder nicht live übertragen. Natürlich, es ist ein Spitzenspiel der Volleyball-Bundesliga, Zweiter gegen Erster, SC Charlottenburg gegen VfB Friedrichshafen (Sonntag, 15 Uhr, Schmeling-Halle). Aber Sung-Min Moon wird wohl wie zuletzt nur auf der Bank sitzen. Als er noch zum Stamm gehörte, der 75-malige Nationalspieler, übertrug das südkoreanische Fernsehen noch jedes VfB-Spiel live. In seiner Heimat ist er ein Star. Den Wechsel zum VfB verkündete er zu Hause vor sieben Kameras.

Moon ist ein gutes Symbol für die ungewöhnliche Formkrise, die der VfB Friedrichshafen durchlebte. Der Diagonalangreifer hatte einen starken Saisonstart, dann brach er ein. Wegen ihm war Diagonalangreifer Georg Grozer zum Außenangreifer umgeschult worden, nun musste Grozer wieder auf die Diagonalposition.

Das ganze Starensemble des VfB hatte eine Schwächephase. Im Pokalhalbfinale gegen Haching rausgeflogen, in der Bundesliga am Außenseiter Spergau gescheitert, in der Champions League zu Hause Panathinaikos Athen unterlegen. Nach der Niederlage gegen die Griechen knurrte Trainer Stelian Moculescu: „Irgend einer macht immer Blödsinn und steckt die anderen an. Ich möchte mal erleben, dass alle sechs normal spielen.“ Die VfB-Fans reagierten: Sie hielten sich mit Anfeuerungen zurück. Moculescu reagierte auch. Er erhöhte im Training den Druck. Das wirkte. 3:1 gewann der VfB gegen Odintsovo, der erste Sieg von Friedrichshafen in Russland. Und Kotrainer Ulf Quell sagte: „Gruß an die Fans in Friedrichshafen. Sie können ihre Valiumtabletten wieder absetzen.“

Der VfB hat sich wieder gefangen, in der Bundesliga und in der Champions League. Aber Außenangreifer Robert Hupka ist verletzt, und der neuverpflichtete 200-malige holländische Nationalspieler Allan van de Loo darf erst ab 1. März in der Bundesliga eingesetzt werden. Seine Verpflichtung ist auch eine Botschaft: Jetzt werden andere Saiten aufgezogen. Van de Loo leitet das Aufwärmtraining und verwandelt die Halle in einen überdachten Kasernenhof. Ein Beobachter notierte einmal beeindruckt, wie das so läuft. „Alle mit den Köpfen zur Mitte“, befahl van de Loo. Als einer nicht schnell genug reagierte, schob der Holländer schneidend hinterher: „Wenn ich alle sage, meine ich auch alle.“

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