Ende einer Karriere : Anni Friesinger-Postma schwimmt nicht mehr auf Eis

Die Hoffnungen sind zerstört: Nach einer Knieoperation muss Anni Friesinger-Postma ihre erfolgreiche Eisschnelllauf-Karriere beenden.

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Vancouver 2010 - Eisschnelllauf
Anni Friesinger rutscht nur mehr bäuchlings der Ziellinie entgegen...Foto: dpa

Berlin - Es war eine der spektakulärsten Zielankünfte bei den Olympischen Winterspielen von Vancouver: Völlig entkräftet stürzte die Eisschnellläuferin Anni Friesinger-Postma im Halbfinale des Teamwettbewerbs auf der Zielgeraden, auf dem Bauch rutschend versuchte sie mit Schwimmbewegungen der Ziellinie näherzukommen. Im Ziel schwang sie schließlich das rechte Bein nach vorne, um mit der Schlittschuhspitze die Zeitnahme auszulösen. Dann hämmerte sie wütend zweimal mit der Faust auf das Eis – und strahlte vor Glück, als sie plötzlich auf der Anzeigetafel die Eins vor „Deutschland“ aufleuchten sah. Als Eisschwimmerin von Vancouver wird Anni Friesinger-Postma deshalb künftig in Erinnerung bleiben.

Es ist ihr letzter sportlicher Auftritt gewesen. Am Mittwoch hat die 33-Jährige bekannt gegeben, dass sie ihre erfolgreiche Karriere beenden muss. Nach einer Knieoperation im März musste Anni Friesinger-Postma feststellen, dass sie ihren sportlichen Ansprüchen nicht mehr genügen kann. „Wer mich kennt, weiß, dass ich alles dafür gegeben habe, um bei der Weltmeisterschaft 2011 in Inzell noch einmal am Start stehen zu können“, sagt die gebürtige Inzellerin, „ich muss aber jetzt anerkennen, dass es mein Kniegelenk nicht mehr zulässt, Hochleistungssport zu betreiben.“ Ihr langjähriger Arzt unterstützt die Entscheidung. „Ich habe als Arzt auch die Verantwortung, dass meine Patientin nach dem Leistungssport noch ein funktionstüchtiges Gelenk und in den kommenden Jahren Spaß am Leben hat“, sagt Volker Smasal.

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1 von 17Foto: AFP
28.02.2010 08:35

Für den aktuellen Chef-Bundestrainer Markus Eicher kommt die Entscheidung nicht überraschend. „Es ist eine sehr gute Geschichte, dass sie den Rücktritt nicht herauszögert“, sagt ihr langjähriger Trainer. Zumal sie bereits in der vergangenen Saison aus gesundheitlichen Gründen mehrere Auszeiten nehmen musste. Die Spiele in Vancouver sind mit Rang neun über 1500 Meter und Rang 14 über 1000 Meter auch nicht so gelaufen, wie sie sich das vorgestellt hat. Die Goldmedaille im Teamwettbewerb lief die deutsche Mannschaft im Finale zwar ohne sie – doch ihr Halbfinalsturz wird im Gedächtnis der Sportnation bleiben. „Mit einem Sturz zu Gold aufzuhören ist besser als mit einem Podestplatz bei der Heim-WM“, findet Eicher. Er hatte ihr schon im Winter Überlegungen zum Rücktritt nahegelegt.

Mit drei Gold- und zwei Bronzemedaillen bei Olympischen Spielen sowie mit 16 Weltmeistertiteln zählt Anni Friesinger-Postma zu den erfolgreichsten deutschen Sportlern. „Ihre Leistungen für das Eisschnelllaufen sind unglaublich“, sagt Markus Eicher. Sie steht auf einer Stufe mit Gunda Niemann-Stirnemann und ihrer ewigen Gegenspielerin Claudia Pechstein. Mit dieser lieferte sie sich vor den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City ein medienträchtiges Zickenduell. Zuletzt hatte sie sich kritisch über die Konkurrentin geäußert, die gegen ihre Dopingsperre kämpft – entsprechend spröde fiel nun deren Aussage zu Friesingers Karriereende aus. Claudia Pechstein sagte: „Kein Kommentar.“

Doch abgesehen von Claudia Pechstein wird das deutsche Eisschnelllaufen sie vermissen. Das liegt nicht nur an ihren sportlichen Erfolgen, sondern auch an ihrer extrovertierten und öffentlichkeitswirksam Art. Damit verlieh sie dem drögen Kreiseziehen auf dem Eis medialen Glanz. Gerne zeigte sie sich und ihre Oberweite auf Fotos, teilweise nur spärlich oder gar nicht bekleidet. „Ich werde mich auch weiterhin in Jeans und engem Top und vielleicht auch freizügigem Dekolleté öffentlich zeigen“, sagte sie im Interview mit dem Tagesspiegel, „ich brauche meine Weiblichkeit nicht verstecken.“ Dass sie auf diese Weise die Öffentlichkeit suche, um sich besser vermarkten zu können, verneinte sie. „So wie ich mich fühle, ziehe ich mich auch an“, sagte sie.

Noch ist nicht klar, was sie nach der Karriere machen werde. „Sie wird sich um ihre Familie kümmern“, vermutet Gerd Heinze, Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft. Seit 2008 ist Anni Friesinger mit Ids Postma verheiratet, mit dem ehemaligen holländischen Eisschnellläufer lebt sie in den Niederlanden, wo sie auch zahlreiche Fans hat.

„Wir überlegen uns, wie wir sie angemessen verabschieden können“, sagt Gerd Heinze. Möglich, dass sie in ihrem Heimatort während der WM in Inzell im März 2011 geehrt werden wird. Diese findet in einer neuen Eisschnelllauf-Halle statt, die noch keinen Namen hat. Wird es vielleicht eine Anni-Friesinger-Halle geben? Markus Eicher hält das trotz ihrer Verdienste für Inzell für unrealistisch. Er vermutet: „Das wird wohl doch eher irgendein Sponsor.“

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