Sport : Ende einer Leidenszeit

Christian Müller ist zurück bei Hertha BSC

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Beim Umzug kürzlich muss das Unglück passiert sein. „Irgendwie ist mir die DVD abhanden gekommen“, sagt Christian Müller. Deshalb hat er sich das Video nachbestellt. Es handelt sich um die Begegnung zwischen Deutschland und Polen im November 2004. Christian Müller hat das Fußballspiel „über 20-mal gesehen“. Lange war Müller damals nicht für die U-21-Auswahl seines Landes im Einsatz. „Viereinhalb Minuten“, sagt der 22 Jahre alte Profi von Hertha BSC. Dann bricht er sich bei einem Zusammenstoß mit einem Polen Schien- und Wadenbein. Die Leidenszeit beginnt. Nach der Operation treten Komplikationen auf. Fünf Operationen und zwei Jahre dauert es, ehe Müller zurück ist auf der Fußballbühne. Gegen Hamburg am Samstag wurde er eingewechselt. „Damit ist eines meiner Saisonziele schon erreicht“, sagt er.

Vor zwei Jahren hatte Müller noch andere Ziele. In neun Bundesligaspielen hatte der damals 20-Jährige zwei Tore erzielt. Gegen Schalke 04 hatte er damals zum letzten Mal in der Bundesliga gespielt. Hertha siegte 3:1. Am kommenden Sonnabend tritt Hertha wieder bei Schalke an. „Vielleicht ist es ein gutes Omen, wenn ich auch dieses Mal dabei bin“, sagt er.

Von Anfang an wird er wohl nicht spielen. Müller komme „immer näher an die Mannschaft heran“, sagt Trainer Falko Götz. Er wolle vorsichtig bleiben mit seinen Erwartungen. „Wir wissen, dass er ein guter Fußballer ist, er muss aber gesund bleiben.“ Dazu gehöre, dass Müller seinen Körper angemessen pflege. Falko Götz grinst verschmitzt, als er das sagt. Eine zu legere Haltung beim Reha-Training wurde Müller schon häufig vorgeworfen. Lebt er das Leben neben dem Fußball zu ausgiebig? „Früher war das extremer“, sagt Müller, „jetzt eigentlich gar nicht mehr.“ In der Rückrunde wolle er noch einmal richtig angreifen, ein Tor hat er sich als nächstes Ziel gesetzt. Langfristig will der gebürtige Berliner bei Hertha Stammspieler werden, er steht bis 2008 unter Vertrag.

Ein 30 Zentimeter langer Nagel und eine Metallplatte stecken noch im rechten Bein. „Wenn ich jetzt hart in einen Zweikampf gehe, bricht sich der andere die Knochen, bei mir verbiegt sich höchstens der Nagel“, sagt Müller. Einer letzten Operation wird er sich noch unterziehen müssen, um die Fremdkörper zu entfernen. Die DVD vom Spiel gegen Polen 2004 schaut sich Müller immer bis zu Ende an. „Immerhin war ich dabei, darum geht es“, sagt er. Er hat jedes seiner Spiele zu Hause. „Meine Sammlung soll sich bald erweitern.“

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