Sport : Ende einer Utopie

Greuther Fürth scheitert wieder mal in Offenbach.

Liegen lernen. Der Aufstiegsrausch für Greuther Fürth hat sich ausgerauscht. Foto: dpa
Liegen lernen. Der Aufstiegsrausch für Greuther Fürth hat sich ausgerauscht. Foto: dpaFoto: dpa

Offenbach - Die Euphorie nach dem Aufstieg, die Vorfreude auf das erste Bundesliga-Spiel gegen den FC Bayern München – all das ist bei der SpVgg Greuther Fürth nach einem desaströsen Auftritt in der ersten Runde des DFB-Pokals erst einmal dahin. Kapitän Mergim Mavraj jedenfalls stand nach der peinlichen 0:2 (0:1)-Niederlage beim Fußball-Drittligisten Kickers Offenbach erstmal stinksauer im Kabinengang. „Jeder, der gedacht hat, dass das bei uns alles so weitergeht, hat gemerkt: Das ist Utopie“, sagte er. „Wir müssen wieder bei Null anfangen und die Basics verinnerlichen, um überhaupt Ansprüche stellen zu können.“

Für Mavraj war das Aus besonders ärgerlich. Er hat einmal bei den Offenbachern gespielt und ist in der B-Jugend aussortiert worden. Für ihn war dieses Aus daher mehr als eine der üblichen Sensationen in der ersten Runde des DFB-Pokals, die gerade in Offenbach häufiger vorkommen.

Für die Fürther ist das eine ganz neue Erfahrung: Ein Jahr lang sind sie für alles gefeiert worden, was sie gezeigt haben: für ihren Durchmarsch in die Bundesliga, ihren attraktiven Fußball, ihr heroisches Scheitern im Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund. Am Samstagabend spielten sie dann aber so saft- und ideenlos, als ob sie geglaubt hätten, auf dem Bieberer Berg auch mit halber Kraft bestehen zu können.

Die Blamage bestand nicht nur in den beiden Gegentoren von Thomas Rathgeber (28./Handelfmeter) und Lars Bender (90.+1), sondern auch in gleich zwei Platzverweisen, mit denen Edgar Prib (Gelb-Rot/55.) und Abdul Rahman Baba bei seinem Fürther Pflichtspiel-Debüt (Rot/87./Tätlichkeit) ihre Mannschaft schwächten.

Trainer Mike Büskens steckte nach der Niederlage in einem Zwiespalt. Einerseits war er maßlos enttäuscht von seinen Spielern, andererseits stellte er sich auch vor sie. Einerseits wehrte er sich gegen jede Form von Panik, andererseits wollte er auch nicht ausschließen, noch einmal über den Kauf eines weiteren Stürmers nachzudenken. „Wir haben etwas aus der Hand gegeben, was uns im letzten Jahr viel Spaß gemacht hat“, sagte er. „Das ist schmerzlich, das ist ärgerlich, das zerreißt einen innerlich. Aber auch das ist Fußball.“ Dabei hätten die Fürther gewarnt sein müssen. Vor vier Jahren waren sie schon einmal in der ersten Runde an den Kickers gescheitert (0:1). Wie tief dieser Traditionsverein auch gerade gefallen sein mag – im DFB-Pokal wächst er regelmäßig über sich hinaus. 1970 haben die Offenbacher diesen Wettbewerb sogar gewonnen.

„Das ist ein Wahnsinnsgefühl“, sagte Torschütze Bender. Der Handelfmeter vor dem 1:0 war zwar umstritten, der Sieg für den Vorletzten der Dritten Liga, der vier von fünf Partien verloren hat, dennoch hochverdient. Vielleicht kamen auch deshalb nur 7620 Zuschauer – darunter die Eltern von Mergim Mavraj, die in Offenbach leben. Sie sahen nach dem Spiel ein Knäuel tanzender Kickers-Spieler, feiernde Fans – und ihren völlig bedienten Sohn. dpa

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