Sport : Ende eines Experiments Stuttgart trennt sich von Trainer Matthias Sammer

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Stuttgart Erwin Staudt ist ein Manager aus der Wirtschaft. So einer hält sich gerne an Fakten fest. Das gibt der Präsident des VfB Stuttgart auch offen zu. Unüberlegte Bauchentscheidungen, die es in seinem neuen Berufsalltag, dem Profifußball, zuhauf gibt, scheut der Schwabe Staudt. Am Freitagvormittag aber hatte Staudt alles zusammen, was er brauchte, um eine Entscheidung von Tragweite für seinen Klub zu treffen. Die Schwaben trennten sich von ihrem Trainer Matthias Sammer nach nur einer Saison. Wie es heißt, seien entsprechende Signale auch aus der Mannschaft gekommen.

Wer Nachfolger des ehemaligen Dortmunder Trainers und Bundesligaprofis wird, steht noch nicht fest. Neben Ottmar Hitzfeld, der allerdings zuletzt betont hatte, noch ein weiteres Jahr pausieren zu wollen, werden von Stuttgarter Zeitungen Walter Schachner (Grazer AK), Dänemarks Nationaltrainer Morten Olsen und Christoph Daum (Fenerbahce Istanbul) als Kandidaten genannt. Schachner und Daum sollen ganz oben auf der Liste stehen. Vor allem Aufsichtsratschef Dieter Hundt favorisiert offenbar den ehemaligen Stuttgarter Trainer Daum, der allerdings müsste aus einem gerade verlängerten Vertrag herausgekauft werden. Uwe Rapolder, mit dem in den vergangenen Wochen heftig geflirtet worden war, steht inzwischen beim Aufsteiger 1. FC Köln im Wort.

Matthias Sammer selbst war gestern Nachmittag nach Auskunft der Pressestelle des VfB nicht zu einer Stellungnahme bereit. Er weile in seinem Haus bei seiner Familie, teilte Staudt mit. Gegen zehn Uhr am Vormittag sei die gemeinsame Entscheidung zur Trennung nach einem 90 Minuten langen Gespräch gefallen. „Ich hatte nicht den Eindruck, dass Matthias Sammer sehr überrascht war“, sagte Staudt. Sammer habe mitgetragen, dass der Klub einen Neustart anstrebe. Staudt informierte sofort nach der Entscheidung telefonisch die meisten Stuttgarter Spieler.

Sammers gestörtes Verhältnis zu Teilen der Mannschaft war Staudt nicht verborgen geblieben. Allzu zaudernd trat Sammer auf, jede seiner Entscheidungen war von Bedenken begleitet, und so fehlten am Ende Spaß und Frische. Bald kamen Klagen aus Team und Umfeld, Sammer trainiere zu lasch. Tatsächlich lebte die Mannschaft lange von den Grundlagen, die Sammers Vorgänger Felix Magath gelegt hatte. Sammer überwarf sich mit Führungsspielern im Team wie Alexander Hleb oder Stürmer Kevin Kuranyi und brüskierte Nationalverteidiger Andreas Hinkel, indem er ihn nicht in den siebenköpfigen Mannschaftsrat berief.

Zu lange hatte Sammer auf Verständnis der Jungstars gehofft. Viel zu lange, wie sich am Ende herausstellte. Der Stuttgarter Klub sah sich einer Flut von disziplinarischen Problemen ausgesetzt, die er nicht befriedigend in den Griff bekam. Höhepunkt des schleichenden Autoritätsverfalls von Sammer war der Vorwurf, der von ihm mitgebrachte Physiotherapeut Ralph Frank trage Inhalte privater Gespräche der Spieler aus dem Massageraum direkt ans Ohr des Trainers.

Über die Abfindung für Sammer, dessen Vertrag noch zwei weitere Jahre läuft, soll in den nächsten Wochen verhandelt werden. Staudt versprach: „Der Neue wird kein weißes Blatt als Vita haben. Es kommt ein Trainer, der das Charisma hat, ein Erfolgsgarant zu sein“.

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