Sport : Ende eines Vorbilds

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Matthias Anbuhl über

echte und vorgetäuschte Bayern

Es ist noch gar nicht so lange her, da galt Bayern als leuchtendes Beispiel für die gesamte Republik. Jener Landstrich mit den wenigen Arbeitslosen, den vielen modernen Betrieben und einem äußerst erfolgreichen Fußballklub. Schon schien es ausgemachte Sache, dass die Bayern bald auszögen, um das gesamte Land zu beglücken. Edmund Stoiber als Kanzler, der FC Bayern München als natürlicher Anwärter auf die deutsche Fußball-Meisterschaft und den Champions- League-Titel. Neidisch schielte ganz Deutschland auf die erfolgsverwöhnte Konkurrenz aus dem Süden. Und wer es jenseits des Weißwurst-Äquators zu etwas gebracht hatte, der wollte erstrahlen im Glanz der Bayern. So verpasste sich der Deutsche Handball-Meister THW Kiel das Etikett „FC Bayern München des deutschen Handballs".

Dumm nur, dass es jetzt vorbei ist mit dem Bayern-Boom. Edmund Stoiber verlor die Bundestagswahl, der FC Bayern unterlag in Leverkusen und in der Champions League gegen den AC Mailand. Und auch beim THW Kiel verblasst der Ruhm früherer Tage. Der einstige Abonnement-Meister rangiert am Tabellenende. Was fast noch schwerer wiegt: Die Erklärungen aus Bayern können dem THW kaum helfen. Zu realitätsfremd. Bayerns Trainer Hitzfeld verkündet wie ein trotziges Kind, er denke doch gar nicht an den Uefa-Cup . Man tut sich halt schwer mit Eingeständnissen von Niederlagen im Land von Laptop und Lederhosen.

Schön, dass man zumindest in Kiel realistisch bleibt: Mit dem Titel werde es nichts in diesem Jahr, hat der Manager gesagt. Die Bayern dagegen, die können in der Fußball-Bundesliga wohl 15 Punkte zurückliegen, so ein Satz wird von ihnen nicht kommen. Wie heißt es dort: Mir san mir, stärker wie die Stier. Irgendwie werde Bayern doch noch Meister und Stoiber gleich noch Kanzler. Dann werden aber die Gläser geöffnet, an der Säbener Straße und in Wolfratshausen, aber hallo.

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