Sport : Ende mit Schrecken

Beim 1. FC Köln muss Trainer Zvonimir Soldo gehen, weil sein Team sich nicht gegen den Abstieg wehrt

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Am Sonntagnachmittag war Zvonimir Soldo schon ausgeschlossen. Der Vorstand des Bundesligisten 1. FC Köln beriet über die Zukunft des angeschlagenen Trainers, der derweil in einem Hotel auf die Entscheidung warten musste. Auch die Spieler sollten sich für etwaige Neuigkeiten bereithalten. Kein Wunder, dass sich am Nachmittag die Gerüchte fast überholten: Soldo entlassen, hieß es zunächst; Soldo doch nicht entlassen, kurz darauf. Am späten Nachmittag bestätigte Soldo allerdings, dass Manager Michael Meier ihm die Entlassung mitgeteilt habe. Nach einem Bericht des Fachmagazins „Kicker“ betreut Frank Schäfer, bislang U-23-Trainer des Teams, die Profimannschaft am Dienstag beim Pokalspiel gegen 1860 München.

Soldo hatte die Kölner Mannschaft am 1. Juli 2009 als Nachfolger von Christoph Daum übernommen.

Das Ende des Trainers, der beim 1:2 (0:2) in Hannover schon die sechste Niederlage in dieser Saison hinnehmen musste, organisierte vor allen Dingen Wolfgang Overath. Der mächtige Präsident war vor der Partie im Niedersächsischen, die der starke Ivorer Didier Ya Konan durch zwei schnelle Treffer entschied, auf Tuchfühlung zur Mannschaft gegangen. Gemeinsame Anreise mit dem Zug, eindringliche Worte an die Spieler, ein demonstrativer Besuch vor dem Anpfiff in der Kabine: Overaths Handeln dürfte für Soldo die letzte Warnung gewesen sein. „Ich gehe davon aus“, sagte der Kroate auf die Frage, ob er am Dienstag im Pokalspiel noch Trainer des 1. FC Köln sein wird. „Aber ich bin der falsche Ansprechpartner dafür.“ In der Tat. Die Mehrheit jener 2000 Fans, die die Reise nach Hannover angetreten haben, sprach sich lautstark gegen den Kroaten aus. Sie forderte den Rauswurf von Soldo und Manager Michael Meier. Zumindest Meier darf nun aber bleiben.

Ein energisches Aufbäumen war bei Soldos Spielern in Hannover überhaupt nicht zu erkennen. „Wir können da nur alle zusammen rauskommen“, sagte Martin Lanig, der fünf Minuten vor dem Abpfiff zumindest den Ehrentreffer erzielen konnte. Nationalstürmer Podolski hatte am Samstag als einziger wirklichen Willen gezeigt – sogar nach dem Schlusspfiff ging er entschuldigend auf die wütenden Fans zu, die ihn und seine Begleiter aber nur auspfiffen. Schon auf dem Spielfeld reichte die Unterstützung für ihn, an der sich nach der Pause auch der eingewechselte Milivoje Novakovic beteiligen durfte, nicht aus.

Als das Dilemma besiegelt war, schlich die Mehrheit der Kölner Spieler wortlos davon. Hängende Köpfe und zuckende Schultern sollten wohl Antworten auf die vielen Fragen nach einer Misere sein, an deren Ende der fünfte Erstliga-Abstieg in der Kölner Vereinsgeschichte stehen könnte. Es sprach für Adam Matuschyk, der ein schlechtes Spiel gemacht hatte, dass er doch etwas sagen wollte. „Die negative Stimmung belastet uns. In Köln ist es extrem, wenn es nicht läuft. Die Pfiffe der eigenen Fans zu hören, tut schon weh“, sagte der kleine Mittelfeldspieler.

Es hat dem Team offenbar gut getan, dass Präsident Overath eine motivierende Ansprache gehalten hatte. Trotzdem konnten die kleinlauten Durchhalteparolen von Matuschyk nicht verdecken, dass sie nur Durchhalteparolen waren. „Der Trainer erreicht uns noch“, hieß es zum Verhältnis zwischen Soldo und einer Mannschaft, die sich gegen Hannover 96 so gut wie gar nicht durchsetzen konnte. „Wenn die Punkte fehlen, dann wirst du als Trainer eben in Frage stellt“, sagte Soldo und setzte ein recht merkwürdiges Grinsen auf. Es sah so aus, als wolle der 42-Jährige seinem Schicksal mit etwas Humor begegnen. Mit Galgenhumor.

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