Sport : Ende mit Schrecken

1:3 gegen Nürnberg – Lauterns Chef Jäggi entlässt Trainer Henke und geht selbst

Oliver Trust[Kaiserslautern]

Als René Charles Jäggi um 17.45 Uhr aus der roten Tür des Kabinenganges trat, ging es vor dem Fritz-Walter-Stadion zu wie bei einer Straßenschlacht. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Emotionen der Anhänger des 1. FC Kaiserslautern nach der 1:3-Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg in den Griff zu bekommen. Der Sicherheitsdienst verrammelte die Ausgänge. Bei der Pressekonferenz in der Arena spielte sich Unfassbares ab. Michael Henke saß dort und tat im Auftrage des Vereins so, als sei er noch Trainer des FCK. Er war es nicht mehr, und Jäggi war nicht mehr Vorstandsvorsitzender. „Mit dem Absturz auf Platz 18 ist das Worst- case-Szenario eingetroffen“, sagte Jäggi. „Der Aufsichtsrat hat meinen Rücktritt in dieser Form zwar noch nicht akzeptiert, aber mein Entschluss steht fest.“

Am Morgen vor der Begegnung gegen Nürnberg, die alle zum Endspiel ausgerufen hatten, hatten sich Henke und Jäggi 90 Minuten lang mit dem Aufsichtsrat unterhalten. Alle wussten Bescheid, was passieren würde, wenn auch das zehnte Spiel in Folge ohne einen Sieg endet. Zwischen „Tür und Angel“ (Henke) hatten sie es sich gegenseitig in einem kurzen Gespräch vor dem Spiel bestätigt.

Das Spiel ließ selten Zweifel an der Demission der beiden wichtigsten Vereinsangehörigen. Zwar konnte Kaiserslautern den frühen Rückstand nach einem fulminanten Freistoß von Banovic vor 29 000 Zuschauern durch Stefan Blank umgehend ausgleichen, doch nach dem 2:1 für Nürnberg durch Lars Müller fiel das Team in sich zusammen. Ivan Saenko traf kurz darauf zum Endstand, durch den die Nürnberger den letzten Platz verließen. Den nehmen jetzt die Lauterer ein.

Als Hans Meyer über sein erstes Spiel als Coach der Nürnberger gesprochen hatte, interessierte sich keiner mehr dafür. Kaum war Meyer verschwunden, gesellte sich Jäggi zu seinem Trainer und verkündete dessen Entlassung sowie seinen eigenen Rücktritt. „Auch die Mannschaft hat gewusst, was passiert, wenn wir verlieren“, sagte Jäggi.

Die Trainingsleitung sollen zunächst die beiden ehemaligen Lauterer Profis Gerald Ehrmann (bisher Torwarttrainer) und Kay Friedmann übernehmen. Der Aufsichtsrat des Vereins wird nun einen Notvorstand bestellen müssen, der laut Jäggi zusammen mit dem Aufsichtsrat in den nächsten drei, vier Tagen einen neuen Trainer mit Reputation sucht. Jäggi selbst wolle sich daran nicht mehr beteiligen. So endete in einer kalten Novembernacht das Engagement des Schweizers nach knapp drei Jahren und das von Trainer Henke nach knapp viereinhalb Monaten. Wie groß das Chaos in der Pfalz ist, wie beispiellos das Umfeld, zeigt die Reaktion von Ciriaco Sforza. Der frühere Spieler, den Jäggi und Henke vor ein paar Wochen nach einem Aufstand rausgeworfen hatten, bot sich via Fernsehen als Trainer an. Im Gespräch sind auch Wolfgang Wolf und Klaus Toppmöller.

Der 56 Jahre alte Jäggi sprach von einer gnadenlosen Hetz- und Treibjagd, vor allem gegen seine Person. „Es gilt jetzt, den Weg frei zu machen, es geht nicht um Jäggi, nicht um Henke, es geht um den FCK. Jetzt besteht für den Verein noch die Chance, die Klasse zu retten, aber wir haben keine Zeit mehr.“ Im Gespräch ist ein „beratendes Engagement“ Jäggis bis zur Mitgliederversammlung am 14. Dezember, auf der ein neuer Aufsichtsrat gewählt wird.

Der Schweizer war in der Zeit der tiefsten Vereinskrise als Sanierer angetreten. Er verkaufte das Stadion, um Schulden loszuwerden. Sportlich aber konnte Jäggi keine dauerhaften Erfolge feiern. Auch der von ihm geholte und protegierte Trainer Henke scheiterte.

„Es ist schade“, sagte Henke, „ich hatte gehofft, hier etwas zu erreichen.“ Er habe von der Absprache gewusst und müsse das akzeptieren. „Der Verein hat Potenzial und kann einiges schaffen“, schickte Henke noch hinterher. Glauben mochte ihm das am Samstagabend niemand.

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