Sport : Ende mit Tränen

Deutschlands Volleyballerinnen unterliegen im EM-Endspiel 1:3 gegen Weltmeister Russland.

Lars Becker
Mitten durch die deutschen Hoffnungen. Weltmeister Russland (im Angriff) profitierte im Endspiel von seiner physischen Überlegenheit.
Mitten durch die deutschen Hoffnungen. Weltmeister Russland (im Angriff) profitierte im Endspiel von seiner physischen...Foto: AFP

Berlin - Als der Traum vom Europameisterschaftstitel im eigenen Land ausgeträumt war, erhoben sich die Fans in der Berliner Max-Schmeling-Halle von ihren Sitzen und klatschten Beifall. Minutenlang. Bis die Trauer der Volleyball-Nationalmannschaft der Frauen nach dem verlorenen Endspiel verflogen war, sofern sie an diesem Abend überhaupt verfliegen konnte. Mit 1:3 (23:25, 25:23, 23:25, 14:25) hatte die Mannschaft von Bundestrainer Giovanni gegen Weltmeister Russland verloren. „Natürlich sind wir enttäuscht, dass es zum zweiten Mal in Folge bei einer EM nur Silber geworden ist. Aber wir haben die Zuschauer begeistert“, sagte Spielführerin Margareta Kozuch mit Tränen in den Augen. Bundestrainer Giovanni Guidetti meinte: „Wir haben viel mehr erreicht, als wir vor der EM erwartet haben. Zwar nicht die erhoffte Goldmedaille, aber wir haben die Herzen der Menschen in Deutschland erreicht. Wir haben gegen Russland alles probiert, aber es hat nicht gereicht.“

Es war schon vor dem Spiel klar gewesen, dass eine ganze schwere Aufgabe auf die Gastgeberinnen wartet. Nur fünf der bislang 53 offiziellen Duelle der beiden Finalisten hatte ein deutsches Team für sich entschieden. Es gab jedoch vor diesem großen Endspiel auch eine andere Statistik: Bei den bisher zwei deutschen EM-Goldmedaillen 1983 und 1987 siegte die DDR im Finale jeweils 3:2 gegen Russlands Vorgängerstaat Sowjetunion.

Und die deutschen Frauen strahlten schon vor dem großen Finale. Die Max-Schmeling-Halle war ausverkauft, unter die als 8500 Fans hatte sich auch Wimbledonfinalistin Sabine Lisicki und das Männer-Nationalteam gemischt. Ein letzter Beweis dafür, was das Team in diesen neun EM-Tagen in Deutschland bewegt hat. Den dramatischen 3:2-Sieg im Halbfinale nach 0:2-Rückstand hatten in der Spitze über eine Million Zuschauer im Spartensender Sport 1 angeschaut – Rekordwert für die Randsportart abseits von Olympia. „Da konnte ich selbst als VfB-Stuttgart-Fan dem Spiel gegen Hertha nicht mehr folgen“, schrieb ein Fußballfan ins Gästebuch auf der Website.

Und auch das Finale im sollte zu einer Werbung für die „vom Teamgeist beste Mannschaft der Welt“ (Guidetti) werden. Nach verpatztem Start bis zum 0:4 gab ausgerechnet Spielführerin Margareta Kozuch mit dem ersten Punkt das Signal. Die blonde Hauptangreiferin hatte gegen Belgien eine schmerzhafte Kapselverletzung im kleinen Finger erlitten, aber sich trotzdem fitgemeldet. Die physisch überlegenen Russinnen lagen dank ihrer Überlegenheit im Block zwar meist in Führung, aber das deutsche Team riss die Zuschauer mit seinem Kampfgeist immer wieder von den Sitzen. Zwar ging der erste Satz hauchdünn verloren, aber im zweiten Durchgang brachten die Gastgeberinnen mit klugen Aufschlägen die Annahme des Gegners zum Wackeln. In der Abwehr riss Libero Lenka Dürr die Zuschauer mit spektakulären Abwehraktionen von den Sitzen. 19:13 führten die Schmetterlinge, wackelten dann noch einmal und machten den Satzausgleich erst im dritten Versuch nach einem Angriff von Christiane Fürst perfekt.

Auch im dritten Satz mit Ballwechseln auf höchstem Niveau war es bis zum 23:23 unglaublich knapp, am Ende entschied ein russischer Block zum 1:2. Das sollte die Vorentscheidung sein, jetzt war die deutsche Widerstandsktraft gebrochen. Die 19 Jahre junge Jennifer Geerties kam aufs Feld, verwandelte einige Angriffe knallhart, aber die Russinnen waren jetzt einfach nicht nur körperlich eine Nummer zu groß.

Am Ende bleibt nicht nur Silber und die Begeisterung der Fans Trost: Chefcoach Giovanni Guidetti wird am 20. September in Istanbul heiraten. Und mit dem Final-Einzug hat sich das deutsche Team auch das Ticket für die WM 2014 in Italien gesichert. Dann können die deutschen Volleyballerinnen ihre Erolfgsgeschichte vielleicht fortsetzen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar