Sport : Ende wider Willen

Lemme/Ullrich-Abschied verärgert Handballbund

Erik Eggers

Nürnberg - Die Stimme des Präsidenten bebte. Ullrich Strombach ging es am Samstagabend in Nürnberg spürbar nahe, den Rücktritt des Schiedsrichter-Duos Frank Lemme und Bernd Ullrich verkünden zu müssen. „Mich erfreut diese Entscheidung nicht“, sagte der Präsident des Deutschen Handballbundes. Der Gummersbacher Rechtsanwalt machte keinen Hehl daraus, dass er es gern gesehen hätte, wenn das Magdeburger Duo trotz aller Kritik seine Karriere in der Handball-Bundesliga fortgesetzt hätte.

Die Entscheidung des Duos, das jahrelang als bestes Schiedsrichterpaar des Welthandballs gefeiert wurde, ist durch einen Brief vom 28. Dezember unwiderruflich. Es müsse „endlich wieder Ruhe in unser tägliches Leben einziehen“, erklärten beide. „Die Kraft für weitere Machtkämpfe mit der Liga ist aufgebraucht.“ Nicht nur Präsidium und Aufsichtsrat der Handball-Bundesliga (HBL) hatten sich im Herbst öffentlich gegen ein Comeback der Schiedsrichter ausgesprochen, auch die führenden Klubs Kiel, Hamburg, Flensburg, Lemgo und die Rhein-Neckar Löwen. Zuständig für das Schiedsrichterwesen jedoch ist der DHB, weshalb es zu Dissonanzen zwischen Liga und Dachverband gekommen war.

Damit endet eine Geschichte, die dem Handball monatelang negative Schlagzeilen beschert hatte. Alles begann im Frühjahr 2006, als bei einer Kontrolle an einem Moskauer Flughafen in Ullrichs Sporttasche 50 000 US-Dollar gefunden worden waren; tags zuvor hatte das Duo das Europapokalfinale zwischen Tschechow und Valladolid gepfiffen, das die Russen gewannen. Ullrich beteuerte zwar, er wisse nicht, wie das Geld in seine Tasche gekommen sei. Aber weil er den Fund nicht meldete, nahm ihm kaum einer diese Version ab. Der Verdacht, in Wirklichkeit seien Lemme/Ullrich bestochen worden, begleitete sie seitdem.

Erst im März 2009 wurde der pikante Vorfall öffentlich. Die Europäische Handball-Föderation (EHF) belegten Lemme und Ullrich, die das olympische Finale 2008 und das WM-Finale 2005 gepfiffen hatten, mit einer fünfjährigen Sperre. Der DHB zeigte sich milder und beließ es bei neun Monaten. Strombach hatte bis zuletzt erklärt, das Magdeburger Duo gegen alle Widerstände wieder in der Liga auflaufen zu lassen. In Nürnberg unterstrich Strombach erneut, diese Schiedsrichter hätten im letzten Jahrzehnt „mehr zum Renommee des deutschen Handballs beigetragen als mancher Klub“.

Dass die EHF das von Lemme/Ullrich beantragte Berufungsverfahren bis heute verschleppt hat, erregt die DHB-Funktionäre. Strombach forderte die Medien dazu auf, bei der EHF nachzuforschen, wie es sein könne, dass Lemme/Ullrich diese drakonische Strafe erhielten – und gleichzeitig die EHF die Meldung zweier Schiedsrichterpaare über Bestechungsversuche ignoriert habe. Strombach erklärte, sich bereits beim EHF-Präsidenten Tor Lian beschwert zu haben. Was mit den 5000 Euro geschieht, die der DHB den Schiedsrichtern für die Revision bei der EHF vorfinanzierte, wollte Strombach nicht sagen. Erik Eggers

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