Sport : Endlich angekommen

Seit der frühere Berliner Yildiray Bastürk seine Form gefunden hat, läuft es auch beim VfB Stuttgart besser

Oliver Trust[Stuttgart]

Yildiray Bastürk will nicht immer über seine Arbeit beim VfB Stuttgart sprechen. Oft ging der türkische Fußball-Nationalspieler in den vergangenen Monaten mit einer Entschuldigung auf den Lippen von dannen und vernachlässigte die Aufklärungsarbeit. Diesmal gab es kein Entrinnen und diesmal fühlte sich Bastürk zudem nicht ungerecht behandelt. Der 29 Jahre alte Bastürk musste und wollte reden. Immerhin hatte er zwei Tore in einem Spiel erzielt. Diesmal gegen Eintracht Frankfurt, was gleichzeitig als Beweis für seinen Trainer Armin Veh galt, mit dem vor der Saison von der Hertha aus Berlin gekommenen Bastürk doch einen guten Einkauf getätigt zu haben. „Jetzt sieht man, wie wichtig er für uns sein kann“, sagte Veh. Bastürk in blendender Form. Das gab es nicht oft in dieser Spielzeit am Neckar. Man hatte sich mehr vom kleinen technisch starken Spieler erwartet. Der kämpfte immer wieder mit neuen Verletzungen und zog sich immer mehr zurück.

„Er war nie hundertprozentig fit“, erklärte Veh. Selbst der scheue Bastürk sprach am Sonnabend offen und frei über eine Saison voller Rückschläge, die erst im Schlussspurt für ihn einen Aufwärtstrend erkennen lässt. „Ich war auch ein Paradebeispiel für unsere Saison mit meinen vielen Verletzungen in der Hinrunde. Da haben wir es nicht geschafft, schlechte Spiele zu gewinnen“, sagte Bastürk.

Deshalb stürzten die Schwaben in der Tabelle weit nach unten ab. Bastürk war nicht dabei als der VfB Stuttgart so enttäuschte. Von 31 Ligaspielen hat Yildiray Bastürk nur 23 bestreiten können, zweimal wurde er von Stuttgarts Trainer Armin Veh dabei ein- beziehungsweise ausgewechselt.

Mit Bastürk scheint es aber nun aufwärts zu gehen bei den Stuttgartern. Der VfB gewinnt, Bastürk spielt gut und schießt sogar noch schöne Tore, etwa solch spektakuläre wie das 3:0 gegen Frankfurt, als er am Ende seines Sololaufes auch noch Torwart Markus Pröll ausspielte. „Ich wollte sicher gehen“, sagte Bastürk und man konnte sogar ein kleines Lächeln in seinem Gesicht entdecken. „Ich hoffe, dass ich jetzt fit bleibe“, sagte er. Es klang so, als habe er zum jetzigen Zeitpunkt keine Zweifel daran. Und er fügte gleich ein Statement hinzu, was zeigt, der Mann hat neues Selbstvertrauen und steht dazu. Es ging um die Position, die Bastürk im System von Trainer Armin Veh diesmal spielte. „Ich habe im Mittelfeld auch mal rechts gespielt“, sagte Bastürk und machte eine kleine Pause, um seinem nächsten Satz die gewünschte Aufmerksamkeit zu verschaffen. „Aber meine Lieblingsposition ist eindeutig die direkt hinter den Spitzen.“ Der VfB hat für die neue Saison immerhin auch den Spielgestalter Jan Simak vom Zweitligisten Carl-Zeiss Jena eingekauft, der zur Konkurrenz für Yildiray Bastürk werden könnte.

Dass der Sonnabend von Stuttgart vor allem Bastürk gehörte, schien selbst der ehrgeizige Torjäger Mario Gomez zu verstehen. Der ließ Bastürk auch beim 3:0 den Vortritt. „Ich freue mich sehr für ihn. Er ist ein prima Kerl, der das verdient hat“, sagte Gomez. Er erzielte mit dem 2:0 sein 16. Saisontor und bleibt in der Torjägerliste auf Rang zwei.

Nun geht es mit Bastürk, der seine Form wieder fand, vielleicht um neue Ziele, weil plötzlich die Champions League für den scheidenden Meister aus Stuttgart nicht mehr gänzlich unerreichbar erscheint. Vorerst aber will sich auch Yildiray Bastürk auf den Uefa-Cup konzentrieren. Platz fünf müssten die Schwaben erreichen. „Jetzt kommt für uns die Woche der Wahrheit.“ Yildiray Bastürk wies damit auf die beiden Auswärtspartien bei Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg hin.„Es geht nur noch um den Uefa-Cup“, sagte Bastürk.

Vielleicht wollte sich Yildiray Bastürk an seinem Tag am Ende doch nicht zu viel zumuten. Zwei Tore, „Mann des Tages“ und bald die Europameisterschaft mit der Türkei, das schien vorerst genug für einen zu sein, der lange Zeit gar nicht über seine Arbeit reden wollte.

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