Sport : Endlich auch auf dem Platz Erster

Inter Mailand startet als Favorit in der Serie A

Vincenzo Delle Donne

Mailand - Es ist schwül-warm auf dem von Pinienhainen umgebenen Centro Sportivo „Angelo Moratti“. Massimo Moratti, der Sohn des ehemaligen Präsidenten von Inter Mailand, hat seine Anzugsjacke ausgezogen, die Krawatte aber behält er an. Moratti möchte mit seiner Präsens ein Signal an das Team von Inter Mailand senden. Eine Milliarde Euro soll der Klubbesitzer in den letzten zwölf Jahren in seinen Verein investiert haben, herausgesprungen ist jedoch nur ein einziger nationaler Meistertitel. Und der auch nur am grünen Tisch.

Inter Mailand ist als Titelverteidiger in die neue Saison der Serie A gestartet, allerdings nur, weil der Klub nach dem italienischen Fußballskandal die Meisterschaft zuerkannt bekommen hatte. Nun aber gilt er als großer Favorit. Eine Rolle, die das Team von Trainer Roberto Mancini am ersten Spieltag mit einem 3:2 beim starken AC Florenz unterstrichen hat. Esteban Cambiasso erzielte zwei Tore, Neuzugang Zlatan Ibrahimovic eines. Für Florenz traf Vorjahrestorschützenkönig Luca Toni zwei Mal.

Der Erfolgsdruck auf Inter Mailand ist so groß wie selten. Der große Rivale Juventus Turin ist von den italienischen Sportgerichten in die Zweite Liga verbannt worden, und hat sich sich bereits im ersten Saisonspiel durch ein 1:1 in Rimini blamiert. Der in der ersten Liga verbliebene Rivale AC Mailand startet nach dem Fußballskandal mit einem kleinen Handicap von acht Minuspunkten, der AC Florenz mit einem großen von 19 Minuspunkten. Die Chancen also stehen gut, dass Moratti seine schwache Bilanz verbessern kann. 1995 hat er als Mehrheitsaktionär den Klub gekauft, doch auf dem Platz sprang lediglich ein Uefa-Pokalsieg heraus. Seine Einkaufspolitik war eher desaströs. Christian Vieri war nur das letzte prominente Beispiel.

Auch in dieser Saison hat er das Team wieder prominent verstärkt. Zunächst wurde der Linksverteidiger Fabio Grosso vom US Palermo verpflichtet, zu dem sich auch der Argentinier Mariano Gonzalez gesellte. Dann machte sich die Inter-Führung über die Spieler von Juventus her. Erst engagierte Inter den Franzosen Patrick Vieira, dann wechselte auch Zlatan Ibrahimovic. Der Schwede wurde verpflichtet, weil der italienische Stürmerstar Luca Toni keine Freigabe vom AC Florenz erhielt. Zudem lieh Inter auch den erfahrenen Argentinier Hernan Crespo vom FC Chelsea aus. Insgesamt gab Inter Mailand 45,3 Millionen für neue Spieler aus; nur 22,5 kamen durch den Verkauf von Spielern wieder herein. Bei den Verträgen aber ist ein Umdenken erfolgt, die Gagen wurden gesenkt. Das Nettosalär der Stars pendelt sich bei durchschnittlich fünf Millionen Euro ein – Adriano ausgenommen.

Inter-Trainer Roberto Mancini hat nun in der Sturmmitte die Qual der Wahl. Zwischen Adriano, Crespo oder Ibrahimovic. Der Schlüssel zum Erfolg ist allerdings Adriano: Er sei in der vergangenen Saison wichtig für Inter gewesen, er sei es jetzt um so mehr, betont Mancini immer wieder. Im Grunde aber weiß er nicht mehr so recht, wie er den psychisch fragilen Brasilianer motivieren soll. „Wir sind immer zum Siegen verdammt“, sagt Mancini, „wenn jemand Inter trainiert oder bei Inter spielt, hat er die Pflicht, immer zu siegen oder es zu versuchen.“

Als Massimo Moratti und sein Sohn Mao die Trainingsanlage verlassen, jubeln voller Zuversicht die zahlreichen Tifosi, die sich am Zaun der Trainingsanlage drängen. Vielleicht gelingt es Inter ja in dieser Saison, den nächsten nationalen Titel zu gewinnen. Und zwar auf dem Platz.

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