Sport : Endlich auch Europas Meister

Nach zwei Finalniederlagen gewinnt der FC Bayern in Wembley die Champions League mit 2:1 gegen Borussia Dortmund.

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Der Moment der Entscheidung. Arjen Robben spitzelt den Ball in der 89. Minute an Roman Weidenfeller vorbei zum 2:1-Siegtreffer ins Tor. Foto: dpa
Der Moment der Entscheidung. Arjen Robben spitzelt den Ball in der 89. Minute an Roman Weidenfeller vorbei zum 2:1-Siegtreffer ins...Foto: dpa

Tragische Helden jubeln am schönsten. Vor einem Jahr hatte Arjen Robben mit einem verschossenen Elfmeter den FC Bayern um den Sieg in der Champions League gebracht. Am Samstag nun, bei der All-German Affair im Londoner Wembley-Stadion, gelang dem Holländer kurz vor Schluss das umjubelte Siegtor zum 2:1 (0:0) über Borussia Dortmund. Zum fünften Mal gewannen die Münchner die begehrteste Trophäe des europäischen Fußballs. Die Uhr stand bei Minute 89, als Robben sich durch den Dortmunder Abwehrpulk schlängelte und dann den Ball gar nicht richtig traf, was Torhüter Roman Weidenfeller so sehr irritierte, dass er gar nicht mehr richtig reagierte. In Zeitlupengeschwindigkeit rollte der Ball über die Torlinie, aber umso schneller raste der jubelnde Robben über den Platz, bis ihn seine Kollegen einfingen.

Mit geschlossenen Augen und immer wieder in den Londoner Abendhimmel gereckten Fäusten feierte Robben seinen Triumph. Später wurde er auch offiziell von der Uefa zum Mann dieser Nacht vom Wembley gewählt.

Vor 86 000 Zuschauern war es in der Kathedrale des Fußballs ein würdiger Abschluss für den scheidenden Trainer Jupp Heynckes und Genugtuung für seine Mannschaft, die in den vergangenen drei Jahren zwei Champions-League-Finals verloren hatte. Aber es war auch ein hartes Stück Arbeit gegen eine starke Dortmunder Mannschaft, die bis kurz vor Schluss die Hand an der Silbervase hatte. Und, das ging in den anschließenden Feierlichkeiten ein wenig unter: Lange Zeit hatte die Borussia dieses deutsche Finale dominiert.

Denn es dauerte ein Weilchen, bis die Bayern ins Spiel fanden, ja bis sie in den Genuss kamen, den Platz auch jenseits der Mittellinie zu erkundeten. Selten sind sie so aggressiv über den Platz gehetzt worden wie in diesen ersten Minuten im Wembley. Das Konzept der Borussia fußte darauf, die Münchner Flügelstürmer aus dem Spiel zu nehmen. Das funktionierte gut. Kevin Großkreutz und Marcel Schmelzer arbeiteten mit höchstem Einsatz gegen Bayerns Rechtsaußen Arjen Robben, auf der anderen Seite Lukasz Piszczek und Jakub Blaszczykowski gegen Franck Ribéry.

Dazu brillierte im Zentrum Ilkay Gündogan mit großartigen Balleroberungen, und auch bei den schnellen Offensivaktionen hatte der Nationalspieler immer einen Fuß im Spiel. Und davon gab es einige. Nach Marco Reus‘ flachem Zuspiel stand Jakub Blaszczykowski frei und durfte ungehindert aus bester Distanz schießen, er tat das gar nicht schlecht, doch Neuer bekam mit einem großartigen Reflex noch den linken Fuß an den Ball und lenkte ihn zur Ecke. Beim nächsten Mal war Reus an der Reihe, auch bei dessen Schuss musste Neuer zur Ecke klären.

Als Sven Bender Neuer Mitte der Halbzeit den Münchner Torhüter zur dritten Rettungstat zwang, hatten die Bayern noch kein einziges Mal aufs Tor geschossen. Das holten sie dann schnell nach. Und wie! Nach Mario Mandzukics Kopfstoß touchierte der Ball erst die Fingerspitzen von Roman Weidenfeller und dann die Latte. Dann durfte Robben nach einem eher zufälligen Zuspiel von Thomas Müller vom rechten Flügel aus ganz allein Richtung Tor laufen. Der Winkel war jedoch denkbar spitz und wurde von Weidenfeller noch geschickt verkürzt, so dass die Bayern sich erneut mit einer Ecke begnügen mussten. Ähnlich gut reagierte nach abermals wechselnder Szenerie Neuer gegen Robert Lewandowski.

Es war aber nicht zu übersehen, dass die Bayern jetzt im Spiel waren, dass sie Mittel gefunden hatten gegen das Dortmunder Pressing. Ungewöhnlich oft überbrückten sie mit langen Bällen das Mittelfeld. Bei einem dieser hohen Pässe verschätzte sich der lange Hummels im Kopfballduell mit Robben, der auch sofort schoss – an den Kopf von Weidenfeller.

Es war ein von beiden Mannschaften offensiv geführtes Spiel - kein Vergleich zum Vorjahr, als der FC Chelsea eine Verteidigungsschlacht geführt hatte und dafür mit dem Titel belohnt worden war. In der Vorfreude auf mehr brannten ein paar Bayernfans oben unterm Stadion rote Bengalos ab. Das wird Ärger mit der Uefa geben, aber es hatte symbolische Wirkung. Die Bayern spielten in der zweiten Halbzeit auf das Tor, hinter dem ihre Fans jede Menge Lärm machten. Und wurden dafür mit dem Führungstor belohnt, es war eine französisch-holländisch-kroatische Produktion. Ribéry spielte in die Gasse auf Robben, der an der Grundlinie nur noch Weidenfeller vor sich hatte weiter in die Mitte legte. Schmelzer machte eine etwas hilflose Figur beim Rettungsversuch, und Mandzukic war das Vergnügen vergönnt, den Ball aus nächster Distanz ins Tor zu bugsieren.

Jetzt hatten die Bayern den Gegner, wo sie ihn haben wollte. In der Verpflichtung, das Spiel zu gestalten und den zuvor schon beträchtlichen Laufaufwand noch einmal zu erhöhen. Auf diese Weise haben sie schon Barcelona und Juventus an die Wand gespielt, aber der Borussia gestatteten sie ein Comeback. Es war eine Mischung aus Ungeschick und Dummheit, die zum Ausgleich führte. Reus war gar nicht mal in gefährlicher Position, aber Dante rannte heran und wollte klären, traf aber nicht den Ball, sondern den Unterleib des Dortmunders. Den fälligen Elfmeter verwandelte Gündogan mit größtmöglicher Gelassenheit.

Es häuften sich die aufregenden Szenen, zumeist vor dem Dortmunder Tor. Müller hatte Weidenfeller schon umspielt und aufs leere Tor geschossen, wo der einschussbereite Robben stand, aber Neven Subotic rutschte heran und verhinderte mit einer sensationellen Grätsche den abermaligen Rückstand. Bei David Alabas Distanzschuss flog Weidenfeller spektakulär durch die Luft. Dann spitzelte Müller im Fallen weiter auf Mandzukic, doch der traf nur das Außennetz .

Viele rechneten schon mit einer Verlängerung – und mit vielleicht zitternden Münchner Beinen in Gedenken an das Trauma des vergangenen Jahres. Aber dann kam Robben.

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