Sport : Endlich auffällig

Ashkan Dejagah musste bei Hertha BSC lange auf seine Chance warten, heute könnte er wieder Spielmacher Bastürk ersetzen

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Berlin - Es wird in der Fußball-Bundesliga nicht gern gesehen, wenn sich ein Trainer in die inneren Angelegenheiten eines anderen Klubs einmischt. Es sei denn, der Trainer heißt Hans Meyer und er mischt sich in die Angelegenheiten von Hertha BSC ein. Der Trainer des 1. FC Nürnberg hat sich am Wochenende erdreistet, über den Berliner Ashkan Dejagah zu äußern, „dass er schon mal ein ganzes Stück weiter war“. Mit etwas bösem Willen könnte man das sogar als Kritik an der Arbeit von Falko Götz verstehen, in dessen Ressort die sportliche Entwicklung Dejagahs in den vergangenen zwei Jahren fiel. „Ashkan hat am Samstag sein erstes Bundesligaspiel von Anfang an bestritten“, sagt Herthas Manager Dieter Hoeneß. „Weiter war er noch nicht.“

Dejagah hat am Samstag gegen Nürnberg nicht nur bloß mitgespielt, er wurde von Götz sogar mit der Rolle des Spielmachers betraut – für den verletzten Yildiray Bastürk und anstelle des brasilianischen Nationalspielers Gilberto. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der 20-Jährige noch weitere Chancen bekommen, sich an exponierter Stelle auszuzeichnen. Bastürk fehlt Hertha nicht nur heute bei Arminia Bielefeld, sondern mindestens auch noch am Samstag gegen den VfL Bochum. Zudem muss Götz heute erneut den defensiven Mittelfeldspieler Pal Dardai ersetzen.

Dejagah weiß selbst, dass er den Platz hinter den Spitzen auf Dauer wieder an Bastürk abtreten muss, „das ist seine Position“, sagt er. Aber mit dem Spiel gegen Nürnberg hat seine Hoffnung auf eine richtige Profikarriere neue Nahrung bekommen. „Ashkan ist eines unserer großen Talente“, sagt Götz. „Er hat am Wochenende auf sich aufmerksam gemacht. Die Gelegenheit hatte er vorher noch nicht.“ Zumindest nicht in dieser Größenordnung.

Dejagah war schon einmal nah dran. Im August 2004 gab er sein Debüt in der Bundesliga, mit 18 Jahren und 33 Tagen; nach Wolfgang Sidka (18 Jahre, 29 Tage) ist er damit Herthas zweitjüngster Bundesligaspieler. Doch den ersten sechs Minuten gegen den VfL Bochum im August 2004 folgten bis zum vergangenen Samstag nur noch weitere 50. „Wichtig ist, dass er jetzt keine Luft dran lässt und versucht, um diese Position zu kämpfen“, sagt Karsten Heine, der Trainer von Herthas Regionalligamannschaft, in der Dejagah hauptsächlich spielt. „Er muss nicht glauben, dass er jetzt schon ein gestandener Bundesligaspieler ist.“

Dass der 20-Jährige nun wieder an den Bundesligakader herangerückt ist, wertet Heine als Beleg dafür, „dass Ashkan sich nicht unterkriegen lässt“. In der Regionalliga zählt Dejagah zu den Leistungsträgern, in der vorigen Saison erzielte er in 23 Spielen zwölf Tore. „Der Ashkan hat in diesem Jahr bei uns sehr konstant gespielt“, sagt Heine. „Er ist technisch sehr stark und hat auch läuferisch zugelegt.“

Nominell wird Dejagah bei Hertha als Stürmer geführt, doch die treffende Kategorisierung fällt selbst dem Experten schwer: „Ist er eigentlich eine hängende Spitze oder ein sehr offensiver Mittelfeldstürmer?“, fragt Falko Götz. Wahrscheinlich ist er genau das: ein Mittelfeldstürmer. In jedem Fall besitzt Dejagah überdurchschnittliche technische Fähigkeiten, allerdings ist er immer noch ein typischer Westberliner Käfigfußballer, der gerne zeigt, was er kann: der noch mal auf den Ball tritt, ihn mit der Sohle streichelt, mit der Hacke spielt, den Gegner am liebsten tunneln würde und die Kunst zum Selbstzweck erhebt. „Das ist sein größtes Problem, dass er sich immer zu lange am Ball aufhält“, sagt Karsten Heine. „Andererseits wollen wir ja auch, dass die Jungs ihren überraschenden Fußball spielen.“

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