Sport : Endlich ehrlich

Robert Ide

über die Aufarbeitung der DFB-Geschichte im Nationalsozialismus Diese Untersuchung kommt viel zu spät. Der Deutsche Fußball-Bund hat seine Gleichschaltung in der Zeit des Nationalsozialismus lange verharmlost. Zum 100-jährigen Jubiläum des Verbandes im Jahr 2000 wurde das Schweigen in eigener Sache so unüberhörbar, dass Politiker und Intellektuelle den Verband zur verspäteten Aufarbeitung drängen mussten. Nun, 60 Jahre nach Kriegsende, hat der DFB eine kritische Analyse seiner Geschichte vorgelegt. Zu spät. Aber noch früh genug für eine kritische Aufarbeitung.

Für diese Aufarbeitung eignet sich die jetzt vorgelegte Studie „Fußball unterm Hakenkreuz“ als gute Grundlage. Denn die Arbeit des Mainzer Historikers Nils Havemann ist kritisch, authentisch und – besonders wichtig – unabhängig. Ohne Rücksicht auf den Verband wird der vorauseilende Gehorsam des Sports belegt, von politischer Unterwürfigkeit bis hin zum Rauswurf jüdischer Spieler und Funktionsträger aus Vereinen und dem Verband. Es ist nun am DFB, Konsequenzen aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen zu ziehen. Das gilt auch für die Bewertung der Verdienste etwa des einstigen DFB-Präsidenten Felix Linnemann, der mit den Nationalsozialisten kollaboriert hatte und den der DFB vor fünf Jahren noch als „Papa Gnädig“ bezeichnete.

Dass sich der Verband endlich ehrlich seiner Vergangenheit stellen will, macht der neue Präsident Theo Zwanziger jetzt deutlich – unter anderem mit der Auslobung eines Preises gegen das Vergessen. Nun muss der Verband auch für die Zukunft Lehren ziehen. Rechtsradikale Fußballfans dürfen in deutschen Stadien nicht mehr geduldet werden.

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