Sport : „Endlich ein großer Verein“

Der Stürmer Christian Gimenez kommt als Leihgabe für ein Jahr von Olympique Marseille zu Hertha BSC

Stefan Tillmann

Berlin - Die neue Stürmerhoffnung kam mit neun Minuten Verspätung zu seiner Vorstellung, begleitet von Manager Dieter Hoeneß und zwei Beratern. Sichtlich erleichtert präsentierte Hoeneß den 31 Jahre alten Christian Gimenez, der soeben unterschrieben hatte. Die Berliner leihen ihn bis Juni 2007 von Olympique Marseille aus. Danach haben sie eine Kaufoption für zwei weitere Jahre.

Hoeneß hatte wenig Zeit mitgebracht. Abends um 18.30 Uhr bestritten die Berliner noch ein Testspiel bei Erzgebirge Aue (siehe Kasten). Die Vorstellung fiel kurz aus, Hoeneß fuhr der Mannschaft hinterher, während Christian Gimenez in Berlin blieb. Als die Berliner vor vier Jahren den Brasilianer Luizao verpflichteten, flogen sie ihn zur Vorstellung nach Aue mit dem Hubschrauber. Hertha BSC spielte dort gegen Bayern München im Ligapokal.

Vor der neuen Saison aber ist Bescheidenheit eingekehrt. Der Stürmer, für den Berlin 300 000 Euro an Olympique Marseille bezahlt haben soll, ist die spektakulärste Verpflichtung der Saison. In der Schweiz war er bereits ein Star. In 218 Spielen schoss er 148 Tore, drei Mal wurde er Torschützenkönig. In der Champions League traf er für den FC Basel in zwölf Spielen fünf Mal. Nur in der vergangenen Saison bei Olympique Marseille kam er nicht zum Zug.

„Endlich ein großer Verein“, sagte Gimenez zur Begrüßung. Die Frage ist, warum kein großer Verein zuvor den zweifachen Nationalspieler lockte? Warum blieb er acht Jahre in der Schweiz? „Es gab Angebote aus der Bundesliga, aber ich hatte immer einen Vertrag“, lautete seine Antwort. Der Argentinier, der auch einen italienischen Pass besitzt, fühlte sich in der Schweiz wohl. Er spricht gebrochenes Deutsch. „Gimenez identifiziert sich sehr mit dem Klub, bei dem er spielt“, sagte Christian Gross, sein ehemaliger Trainer beim FC Basel, dem Tagesspiegel. Gimenez sei ein sehr warmherziger Mensch. Den Abgang aus Basel wollte Gross jedoch nicht kommentieren. Gimenez hatte sich nach vier Jahren geweigert, in der Champions League aufzulaufen, um nach dem damals geplanten Wechsel nach Marseille international spielberechtigt zu sein. Diese Saison spielte er für Marseille schon im UI-Cup. Deswegen darf er bei der Uefa-Cup-Qualifikation gegen Tiflis noch nicht spielen. Sollte Hertha weiterkommen, dürfte Gimenez wieder auflaufen.

Gimenez ist auch physisch einsatzbereit. Er hat die komplette Vorbereitung mit Olympique Marseille absolviert, wo das Training bereits Ende Juni startete. „Mir fehlt noch die Spielpraxis“, sagte der Argentinier. Hoeneß glaubt, dass sich der Neue schnell ins Team einfügt. „Es ist sehr gut für unser junges Team, wenn ein erfahrener Spieler kommt, der weiß, wo das Tor steht.“ Er ist ein klassischer Strafraumspieler, dessen Bewegungsradius auf die Nähe zum Tor beschränkt ist. Für schnelles Konterspiel kommt er nicht in Frage. „Im Spiel kommt er am besten zur Geltung, wenn seine Mannschaft nach vorne spielt und Druck im gegnerischen Strafraum macht“, sagt sein ehemaliger Coach Gross. Laut Hoeneß passe er sehr gut zu Marko Pantelic und auch Srdjan Lakic. Gut möglich, dass Gimenez vor allem bei Heimspielen zum Zuge kommt.

Mit der Unterschrift von Gimenez ist der Kader für die neue Saison komplett. Nach den zähen Verhandlungen mit Marcelinho waren die Hertha-Verantwortlichen um eine schnelle Abwicklung bemüht. In einer Woche startet bereits die Bundesligasaison mit einem Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg.

Gimenez, der unbedingt aus Frankreich weg wollte, war am Mittwoch nach Berlin gekommen. Hoeneß zeigte ihm das Vereinsgelände und das Olympiastadion. Für die Verhandlungen war Hoeneß auf einiges vorbereitet: Gimenez hat mit Christoph Graf und Giacomo Petralito zwei in der Schweiz renommierte Berater. In Marseille soll Gimenez 2,5 Millionen Euro kassiert haben, Hertha musste das Gehalt herunterhandeln. „So ein Transfer kann auch mal Wochen dauern“, hatte am Donnerstagmittag Manager Hoeneß gesagt. Diesmal ging es schnell: Am Abend einigte sich der Klub mit dem Spieler. Es fehlte noch die Freigabe von Marseille. Dort hatte Gimenez einen Vertrag bis 2007 und der Verein eine Option bis 2008.

Gestern Vormittag folgte die Einigung mit Marseille. „Insgesamt eine zügige Abwicklung“, sagte Hoeneß zufrieden, bevor er nach Aue fuhr. Dabei hätten die Franzosen Christian Gimenez zumindest eine Woche noch gut gebrauchen können. Am Donnerstag spielt Olympique in der Uefa-Cup-Qualifikation bei den Young Boys Bern. In der Schweiz flößt der Name Gimenez immer noch Respekt ein. In der Bundesliga noch nicht.

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