Sport : Endlich ein Treffer

Miroslav Klose bejubelt ein Tor, das er gar nicht geschossen hat. Dafür sagt er zum ersten Mal, dass er zu den Bayern will

Stefan Hermanns[Hamburg]

Bernd Schneider betrieb eine notwendige Klarstellung in eigener Sache. „Ich bin der Schnix“, sagte er zu einem Reporter, der von Schneider etwas zu viel an Einfühlungsvermögen verlangt hatte. Wie sich wohl Miroslav Klose fühlen werde, der ein Tor geschossen hatte, das er dann doch nicht geschossen hatte. Wieder nicht geschossen hatte. „Das muss man den Miro fragen, ob ihn das ärgert“, sagte Schneider, der Mittelfeldspieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Es gibt im Moment in der Tat angenehmere Vorstellungen, als in Kloses Körper gefangen zu sein.

Dabei hatte es zumindest für den Moment so ausgesehen, als würde sich alles in Wohlgefallen auflösen. Nach neun Minuten setzte sich Marcell Jansen an der linken Seite durch, er stürmte bis nah an die Torauslinie und brachte den Ball gerade noch in die Mitte. Martin Skrtel, der slowakische Innenverteidiger, touchierte den Ball, veränderte seine Flugbahn, weshalb Torhüter Contofalsky, ein wenig irritiert, ins Leere griff. Plötzlich lag der Ball frei vor Klose, drei Meter vor dem leeren Tor. Diesmal würde er es nicht verbaseln können. Klose drückte den Ball über die Linie und aktivierte anschließend sein bewährtes Jubelprogramm: den Sprint zur Seitenlinie, den kurzen Sprung, den Schlag mit der Faust auf die Brust. Ach, manchmal schreibt der Fußball eben doch die schönsten Herzschmerzgeschichten.

Und dann kam die Zeitlupe.

Nicht Miroslav Klose hatte den Ball ins Tor gelenkt, der slowakische Verteidiger Jan Durica war schneller gewesen. „Ich hatte das Gefühl, dass ich den Ball noch gegen mein Schienbein bekommen habe“, sagte Klose nach dem Spiel. „Natürlich ist das ein Unterschied. Ich hätte das Ding gern selbst gemacht.“ Seit September, seit dem 13:0 gegen San Marino, wartet der Bremer auf ein Tor in der Nationalmannschaft, insgesamt 345 Spielminuten.

„Ich würd’s ihm zusprechen“, sagte Philipp Lahm. Nicht aus Mitleid oder allgemeiner Sympathie, sondern weil da, wo Klose gestanden habe, ein Stürmer erst mal stehen müsse. In der Tat konnte man dies als Indiz für eine sich anbahnende Besserung deuten. Zuletzt hatte Klose nämlich garantiert immer da gestanden, wo man als Stürmer nicht stehen muss: da, wo der Ball nicht hinkam.

„Man hat in den letzten Tagen gemerkt, dass er wieder positiver war, ein Stück erleichtert“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. Eine Leistungsexplosion sei zum Ende der langen Saison nicht zu erwarten gewesen, aber „Miro hat stark verbessert gespielt und viel für die Mannschaft getan“, sagte Löw. Vor dem Tor zum 2:1 stahl Klose den Slowaken in deren Strafraum den Ball und lenkte ihn zu Philipp Lahm, der mit einer passgenauen Flanke den entscheidenden Treffer von Thomas Hitzlsperger vorbereitete. In den vergangenen Tagen hatte eher die Mannschaft für Klose gearbeitet und immer wieder versucht, den Stürmer in Szene zu setzen. Das kollektive Bemühen hatte schon fast etwas Rührendes. Vor allem Kloses Sturmkollege Kevin Kuranyi übertrieb es mit seinem Altruismus.

Nach dem 1:0 lief Torsten Frings auf den vermeintlichen Torschützen Klose zu. Er war der erste Gratulant. Daraus nun eine tiefgreifende Versöhnung der beiden Bremer Kollegen abzuleiten, die sich zuletzt über die Medien angegiftet hatten, ist vermutlich übertrieben. „Ich stand am nächsten dran“, sagte Frings. Allerdings sei sein Verhältnis zu Klose ohnehin nicht grundsätzlich zerrüttet. „Ihr macht ja mehr aus der Sache, als wirklich ist“, sagte Frings zu den Journalisten.

Der Mittelfeldspieler muss erfreut zur Kenntnis genommen haben, dass Klose sich nach dem Länderspiel zum ersten Mal zu jener Klarheit durchringen konnte, die Frings bei ihm vermisst hatte. Er habe sich entschieden, ab 2008 für die Bayern zu spielen, sagte Klose, noch lieber wäre es ihm, er könnte schon in diesem Sommer wechseln. Die Bayern bestätigten gestern, dass sie ein Angebot für den Stürmer abgegeben haben, angeblich wollen sie zehn Millionen Euro zahlen. Was es denn für Werder Bremen in der neuen Saison bedeute,wenn Klose gehe, wurde Torsten Frings am letzten Arbeitstag der alten Saison gefragt. „Das ist mir so was von scheißegal jetzt.“

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