Sport : Endlich ein Zuhause

Der Amerikaner John Gruden hat mit den Eisbären das passende Team gefunden

Claus Vetter

Berlin. In Eveleth kommt niemand am Eishockey vorbei. Geht gar nicht. Im Zentrum des 4000 Einwohner zählenden Städtchens im Norden des US-Bundesstaates Minnesota steht der größte Eishockey-Schläger der Welt. Das Monstrum erinnert an die hundertjährige Geschichte der Sportart in Eveleth; auch die amerikanische „Hall of Fame“, die Ruhmeshalle des Eishockeys, ist in Eveleth.

Das Museum hat John Gruden oft besucht, der Amerikaner vom EHC Eisbären stammt aus Eveleth. Doch die Frage nach dem staunenden Kind vor angestaubten Trophäen, die provoziert bei Gruden keine Regung. „Natürlich wollte ich Eishockeystar werden.“ Gruden beendet das Thema. „Ich bin aber nicht in Eleveth geboren.“ Gruden kam vier Kilometer nördlich zur Welt, in Virginia. Ein Kaff, dass sich damit brüstet, einmal die größte Kiefern-Sägemühle der Welt beheimatet zu haben.

In Eveleth gab es kein Krankenhaus. Die erste Reise hat John Gruden schon vor seiner Geburt unternommen. Programmatisch für sein Leben als Profi – Gruden ist viel herumgekommen, aber nie richtig angekommen. Talent haben sie dem heute 32-Jährigen früh bescheinigt, der Erfolg wollte sich für den Verteidiger aber nicht einstellen. Nach der Schule hatte er sogar mit dem Eishockey aufgehört. Bis ihn ein Freund 1990 überredete, es in einem College-Team in Iowa noch mal zu versuchen. Im selben Jahr sicherten sich die Boston Bruins aus der NHL die Rechte am exzellenten Schlittschuhläufer. Doch in der Profiliga absolvierte Gruden nur 84 Spiele. „Ich war zu oft verletzt. Ohne das Problem hätte ich es in der NHL vielleicht geschafft.“

Es war diese Ungewissheit, die Gruden im Vorjahr veranlasste, einen Vertrag in Krefeld zu verschmähen. Ottawa hatte gerufen. „Ich musste es noch mal probieren.“ Das Experiment ging schief. Er spielte nur im Farmteam der Ottawa Senators, in Grand-Rapids. Dort hat ihn Eisbären-Manager Peter John Lee im Sommer beobachtet und zu einem Engagement in Berlin überredet.

Gruden hat es nicht bereut. Als Kapitän der Eisbären hat er in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) längst einen Namen. In 26 Partien hat Gruden 17 Punkte gesammelt. Seinen Manager überrascht die gute Bilanz nicht. „John fühlt sich bei uns wohl“, sagt Lee. „Endlich ist er Teil eines Teams und nicht eines Systems wie in Amerika, wo Spieler zwischen NHL und Farmteam herumgereicht werden.“

Gruden hat in Berlin für zwei Jahre unterschrieben und ignoriert nun alle Nebengeräusche aus der Heimat: so auch ein Zitat von Bruce Cassidy, der war sein Coach in Grand-Rapids und ist nun in der NHL. „Wäre John in Amerika geblieben, würde er jetzt bei mir in Washington spielen“, hat Cassidy gesagt. John Gruden hat darüber nur geschmunzelt. Reisen interessiert ihn nicht mehr, sondern allein die Richtung: „Ich will in Berlin bleiben. Denn ich möchte mit den Eisbären Meister werden.“

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