Sport : Endlich erwachsen

Die Vereine der Deutschen Fußball-Liga zeigen bei ihrer Versammlung ungekannte Geschlossenheit

Benedikt Voigt

Berlin - Der größte Ärger drohte um kurz vor zehn Uhr. Als Karl-Heinz Rummenigge durch die Tür mit der Aufschrift „Bundesliga, Ehrengäste“ in den Saal Potsdam trat, schallte nur einige Sekunden später ein Lied von den „Toten Hosen“ durch den Vorraum im Hotel Intercontinental: „Wir würden nie zum FC Bayern München gehen.“ Es wirkte wie eine bösartige Begrüßung des Ligaverbandes für den Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern, zumal es in der Vergangenheit öfters Unstimmigkeiten mit Rummenigge und dem FC Bayern gegeben hatte. Doch es war einfach nur ein dummer Zufall.

Karl-Heinz Rummenigge hatte von der unfreundlichen Liedauswahl nichts mitbekommen, und so konnte die gestrige Generalversammlung des Ligaverbandes doch noch die Atmosphäre zwischen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und dem FC Bayern verbessern. Einstimmig wählten die 36 Vereine der Ersten und Zweiten Bundesliga Rummenigge in den achtköpfigen Vorstand (siehe Kasten), der gleichzeitig auch Aufsichtsrat der DFL ist. Ebenso einmütig bestätigten die Klubs den Ligapräsidenten Werner Hackmann in seinem Amt.

Bei der Wahl manifestierte sich allerdings die Spaltung des Ligaverbandes in die jeweils 18 Vereine beider Ligen. Dreimal musste die Versammlung in einer Stichwahl zwischen einem Kandidaten der Ersten Liga und einem Kandidaten der Zweiten Liga entscheiden, in der sich jeweils die Erste Liga durchsetzte. Ein Mitglied der Zweiten Liga hatte versehentlich einen ungültigen Stimmzettel abgegeben, weshalb sich Peter Peters (Schalke 04) mit 18 zu 17 Stimmen gegen Heribert Bruchhagen (Eintracht Frankfurt) durchsetzen konnte.

Andreas Rettig vom Zweitligisten 1.FC Köln sagte: „Die Zweite Liga hat nicht sehr glücklich agiert – aber dafür sind wir auch in der Zweiten Liga.“ Diese ist nur noch durch die zwei Kandidaten im Vorstand vertreten, die ihr ohnehin zustehen. „Natürlich sind wir jetzt schwächer als vorher“, sagte Engelbert Kupka, Präsident des Zweitligisten SpVgg Unterhaching. Der Ligaverband hatte in einer Satzungsänderung den Vorstand von zwölf auf acht Mitglieder verkleinert und die Wahlgänge verändert. Damit will der Verband personell eine größere Einigkeit der 36 Vereine erreichen. „Wir wollen weg von dem Proporzdenken“, sagte Hackmann. Doch Engelbert Kupka erklärte: „Dieses Ziel ist nicht erreicht, wenn die Zweitligisten nicht mehr drin sind.“

Gerhard Mayer-Vorfelder hatte in seiner Rede die Gemeinsamkeiten mit der DFL betont. „38 von 41 Jahren hat der DFB die Bundesliga verwaltet und mitgestaltet“, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, „wir sind gegenseitig aufeinander angewiesen.“ Dem Verhältnis zwischen dem DFB und dem neuen Vorstand des Ligaverbandes droht jedoch in nächster Zeit eine Belastungsprobe.

Der Grundlagenvertrag, der die Beziehung zwischen beiden Verbänden regelt, läuft am 31. Dezember 2005 aus. „Wir müssen Optimierungen zugunsten der DFL vornehmen“, sagte Karl-Heinz Rummenigge. Der alte Vertrag sei noch unter der Prämisse entstanden, sich vom DFB lösen zu können. „Da mussten wir einige Kröten schlucken“, sagte er, „aber in München leben Kröten nicht lange.“. Die DFL wird nun neu über die Zahlungen an den DFB verhandeln. Außerdem diskutiert sie die Frage, ob sich die DFL dem Anliegen des DFB öffnen soll, in der Bundesliga mehr junge deutsche Spieler einsetzen zu müssen.

Der neue Vorstand hofft nun auf ruhigere Zeiten. „Wir sind so stark wie bisher noch nie“, sagte Hackmann. In der ersten Legislaturperiode hatte ein Problem das andere abgelöst. Nach der Kirch-Krise stritt der Verband mit dem FC Bayern über dessen Geheimvertrag mit Kirch. Danach schlossen sich acht Klubs zur G8-Gruppe zusammen. „Die Liga war ein Kind, das erst erwachsen werden musste“, sagt Rummenigge, „wir hatten pubertäre Phasen zwischendurch.“

Nun aber fühlt sich auch der FC Bayern reif, Verantwortung für die Liga zu übernehmen. Allerdings wirkt Rummenigges Kandidatur ein wenig widerwillig. „Herr Hackmann und einige Mitglieder haben diesen Wunsch an uns herangetragen“, erklärte Rummenigge, „wir haben uns nicht verschlossen.“ Richtig wohl scheint er sich in seiner neuen Funktion noch nicht zu fühlen. Während die Generalversammlung am Nachmittag 13 Anträge diskutierte, verließ er als Einziger aus dem neuen Vorstand den Saal – und kam nicht wieder.

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