Sport : Endlich mal die Kinder herzen

Philipp Köster

In jungen Jahren war ich ein erbitterter Feind der Winterpause. Sechs Wochen ohne Fußball, stattdessen ständig Vierschanzentournee und Eiskunstlauf im Fernsehen – das war für kontaktgestörte Jugendliche wie mich, die außer Fußball keine anderen relevanten Freizeitangebote zur Verfügung hatten, nur schwer auszuhalten. Neidvoll blickte ich nach England, wo selbst am 2. Weihnachtsfeiertag gespielt wurde, während wir daheim bei Oma saßen und windschief „Oh, du Fröhliche“ sangen.

Inzwischen, im gesetzten Alter (34), habe ich jedoch meinen Frieden mit der Winterpause gemacht. Denn was lässt sich in sechs Wochen ohne Fußball (das Methadon-Programm Hallenfußball mal beiseite) nicht alles Sinnvolles anstellen: endlich mal mit Mutter telefonieren („Sohn, du lebst!“), die Steuererklärung von 2004 machen, die Fenster putzen, die Kinder herzen und natürlich die Spiele der Rückrunde komplett durchtippen.

Ganz zum Schluss der sechs Wochen wird die Zeit allerdings zumeist doch ein klein wenig lang. Umso dankbarer ist man dann, wenn aus den südlichen Trainingslagern der Profis delikate Nachrichten nach Deutschland dringen. In den vergangenen Jahren konnten wir uns da ja nie beklagen. Mal pinkelte ein Spieler von St. Pauli an eine Hotelpalme, mal torkelte der Gladbacher Torhüter sturztrunken durch das Hotelfoyer, um sich im Laufen zu übergeben. Eine Boulevardzeitung notierte damals mit Sinn fürs Detail: „Der Nachtportier und ein Sicherheitsmann beseitigen mit Wischmopps notdürftig das Malheur, versprühen Lavendelduft.“

In diesem Jahr war allerdings fast nichts los. Da musste als Höhepunkt gelten, dass der Bielefelder Artur Wichniarek seinen Mannschaftskollegen Masmanidis in den schweinekalten Hotelpool geworfen hat. Und wenn das tatsächlich die heißesten Fußball-Nachrichten sind, wird es allerhöchste Zeit, dass es wieder losgeht.

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