Sport : Endlich mittelmäßig

Nach einem verkorksten Jahr will Wolfsburg ins Niemandsland der Bundesliga zurückkehren

Steffen Hudemann

Wer hat das Sagen im Verein? Der von Volkswagen dominierte Aufsichtsrat. Er setzte in der vergangenen Saison kurz vor Weihnachten mit Holger Fach und Thomas Strunz die komplette sportliche Führung vor die Tür. Wichtigster Mann im Hintergrund ist nun Manager Klaus Fuchs, der als Geschäftsführer schon seit 1999 an Bord ist und sich seit dem Rauswurf von Strunz vermehrt um sportliche Fragen kümmert. Nach der turbulenten Saison soll er dem Klub zu etwas mehr Stabilität verhelfen.

Was hat sich verbessert? Schlechter als zuletzt kann es kaum werden. Mit 34 Punkten aus 34 Spielen schaffte der VfL so eben den Klassenerhalt. Jetzt sehnen sich die Niedersachsen geradezu nach Bundesliga-Mittelmaß. Dazu passen die Neuen: solide Kräfte, aber nichts Spektakuläres. Aus Berlin und Duisburg kamen die Abwehrspieler Alexander Madlung und Uwe Möhrle, aus Leverkusen Mittelfeldspieler Jacek Krzynowek sowie aus Bielefeld Stürmer Isaac Boakye. Nach guter Wolfsburger Tradition ist auch wieder ein Argentinier dabei: Der 24 Jahre alte Jonathan Santana, der für 3,5 Millionen Euro von River Plate aus Buenos Aires gekommen ist, soll den bisherigen Spielmacher, seinen Landsmann Andres d’Alessandro, ersetzen. „Ein Typ wie Tim Borowski“, kündigt Geschäftsführer Wolfgang Hotze an.

Wie sicher ist der Job des Trainers? Das Bedürfnis nach Wechseln dürfte in Wolfsburg erst einmal gestillt sein. Dennoch muss Klaus Augenthaler damit rechnen, dass die Verantwortlichen eine ähnlich schwache Saison wie die letzte nicht noch einmal akzeptieren werden. Solange sich der VfL im Tabellenmittelfeld aufhält, kann Augenthaler aber in Ruhe arbeiten.

Welche Taktik ist zu erwarten? Mit Mike Hanke, Diego Klimowicz und Isaac Boakye stehen Augenthaler drei gute Stürmer zur Verfügung. Der Trainer wird zwei davon in einem klassischen 4-4-2-System aufbieten. Dabei erhofft er sich vor allem von den Spielern auf den Flügeln frischen Wind. Insbesondere Jacek Krzynowek, mit dem Augenthaler schon in Nürnberg und Leverkusen zusammenarbeitete, soll von der linken Seite mit Flanken auf den kopfballstarken Klimowicz Gefahr bringen.

Welche Platzierung ist möglich? Über die Champions League spricht niemand mehr. Wolfsburg wird wieder dort enden, wo es die Fans bis vor der letzten Saison gewohnt waren: im Niemandsland der Bundesliga.

Wer sind die Stars? Die Versuche, Wolfsburg mit Stars etwas Glanz zu verschaffen, sind fürs Erste beendet. Stefan Effenberg oder Andres d’Alessandro wirkten in der Autostadt immer wie protzige Phaetons in einer Kolonne Polos. Aus dem aktuellen Kader hat jeder die Chance, sich als Publikumsliebling zu empfehlen – am besten durch bodenständige Arbeit.

Wie sind die Fans? Immer noch die leisesten der Liga. Doch ausgerechnet das miserable vergangene Jahr hat neue Begeisterung ausgelöst. Wer gemeinsam leidet, wächst zusammen. Die Angst vor dem Abstieg hat erstmals dazu geführt, dass es im Fanblock richtig laut wurde. Man darf gespannt sein, ob sich diese Stimmung auch hält, wenn weder der Abstieg droht noch der Europapokal lockt.

Wer ist der WM-Held? Der Italiener Fabio Grosso. Er schickte Deutschland ins Spiel um Platz drei und gab damit wenigstens einem Wolfsburger die Chance, WM-Euphorie zu erleben. Mike Hanke wurde gegen Portugal in der 70. Minute eingewechselt. Dieses Erlebnis und die anschließende Party wird der 22-Jährige nicht so schnell vergessen. Die anderen Wolfsburger waren nur WM-Teilnehmer, keine Helden. Krzynowek fuhr mit Polen frustriert nach der Vorrunde nach Hause, und Hans Sarpei erreichte mit Ghana zwar das Achtelfinale, kam aber zu keinem Einsatz.

Morgen: Eintracht Frankfurt

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