Sport : Endlich ohne Armstrong

Nächstes Jahr trifft Ullrich auf neue Gegner – auch sie sind schwer zu schlagen

Mathias Klappenbach

Berlin - Nächstes Jahr wird es nicht leichter. Zwar wird Lance Armstrong die Tour nach seinem Rücktritt, wenn überhaupt, im Fernsehen verfolgen. Doch in den Jahren, in denen Jan Ullrich immer wieder hinter dem Amerikaner ins Ziel gekommen ist, haben sich neue Gegner profiliert. Es versteht sich nicht von selbst, dass der beste deutsche Radfahrer 2006 der große Favorit bei der Tour de France sein wird. Ullrich ist 31 Jahre alt. Viele Chancen, die Tour noch ein zweites Mal zu gewinnen, hat er nicht mehr. Bisher hat er sich auch nur darauf festgelegt, dass er im nächsten Jahr auf jeden Fall noch einmal antritt.

Dann will auch wieder Mickael Rasmussen dabei sein, die bislang größte Überraschung dieser Tour. Doch der Däne ist auch schon 31 Jahre alt und ein reiner Bergspezialist. Wegen seiner Schwäche im Zeitfahren ist er vor allem ein Kandidat für das weiße Trikot mit den roten Punkten für den besten Kletterer. Für den Gesamtsieg kommt er wohl ebenso wenig in Frage wie Christophe Moreau, auf den die Fans in Frankreich seit Jahren hoffen. Ihm wurde zugetraut, als erster Franzose seit Bernard Hinault 1985 die Tour zu gewinnen, doch der inzwischen 34-Jährige hat den Höhepunkt seiner Karriere bereits hinter sich. Und dann ist da noch Alexander Winokurow, der in der kommenden Saison wohl Nachfolger von Lance Armstrong beim Team Discovery Channel wird. Er ist genauso alt wie Ullrich und will nicht bis an sein Karriereende die ersten Attacken auf den Bergetappen für Ullrich fahren.

Diese Gegner sind alte Bekannte aus der gleichen Fahrergeneration wie Ullrich, die er besiegen kann. Doch diese Fahrer könnten ebenso wie Ullrich das Pech haben, in den wenigen Jahren nach Armstrong, die ihnen bleibenwerden, von jüngeren überholt zu werden. Als Ullrich als erster Deutscher 1997 die Tour gewann, war er erst 23 Jahre alt.

In diesem Alter haben Radprofis noch gar nicht ihre maximale Leistungsfähigkeit erreicht. Auch Ullrich war in den Jahren danach eigentlich stärker, er hatte nur diesen unbezwingbaren Kontrahenten. Noch ein Jahr jünger als Ullrich bei seinem ersten Tour-Sieg war Damiano Cunego, als er im vergangenen Jahr den Giro d’Italia gewann. Cunego ist die große Zukunftshoffnung der Radsportnation Italien. In diesem Jahr wollte er auch bei der Tour starten, doch vor ein paar Wochen erkrankte er am Pfeifferschen Drüsenfieber. Wenn er wieder gesund ist, gilt er in der Fachwelt als ein Fahrer, der in der Zukunft schwer zu schlagen sein wird, wenn es um den Sieg bei der Tour geht.

Gleiches gilt für Alejandro Valverde. Der 25-jährige Spanier wird als Nachfolger des fünfmaligen Tour-Siegers Miguel Indurain aufgebaut. Er hat bei seiner ersten Tour schon gezeigt, was von ihm zu erwarten ist, als er auf der schweren Alpenetappe nach Courchevel als Einziger mit Armstrongs hohem Tempo mithielt und dann sogar den Endspurt gewann. Als er vor ein paar Tagen wegen Knieproblemen aufgeben musste, lag er auf dem fünften Platz der Gesamtwertung.

Die Generation nach Armstrong, aber auch nach Ullrich steht also schon bereit. Und dazwischen gibt es noch einen, der seit Jahren immer ein Stückchen mehr nach vorne fährt: der 27-jährige Ivan Basso. 2002 war er Elfter bei der Tour, 2003 Siebter, 2004 Dritter vor Ullrich. Der Italiener hat hart an sich gearbeitet, vor allem an seiner Schwäche, dem Zeitfahren. Er scheint im Gegensatz zu den älteren Fahrern noch nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen zu sein.

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