Sport : Endlich Weltmeister

Den "Empfang der WM-Helden" hatte der Deutsche Hockey-Bund (DHB) schon vor dem Finale geplant, unabhängig davon, ob die Nationalmannschaft als Weltmeister oder doch nur als Zweiter aus Malaysia in Frankfurt am Main ankommen würde. Gestern jedoch hat das deutsche Team in Kuala Lumpur alles getan, damit es am Montag ein freudiges Wiedersehen in der Heimat gibt. Mit 2:1 setzte sich die Mannschaft von Bundestrainer Bernhard Peters im Endspiel gegen Australien durch. Die deutsche Nationalelf sicherte sich damit zum ersten Mal den Titel des Weltmeisters. Hand in Hand kletterten die deutschen Spieler auf das Siegerpodest und ließen sich die Goldmedaillen um den Hals hängen, die Trikots hatten sie längst gegen eigens angefertigte Weltmeister-T-Shirts getauscht.

Der Rüsselsheimer Oliver Domke hatte mit seinem Siegtor in der 64. Minute den kollektiven Freudentaumel ausgelöst. "Ich war schon den ganzen Tag super aufgeregt, als Stürmer denkt man natürlich daran, vielleicht das entscheidende Tor zu schießen", sagte der 25-Jährige, der nach dem Schlusspfiff von seinen Teamkollegen fast erdrückt wurde. Vor dem ersten Siegerfoto kletterte er übermütig sogar auf ein Tor und reckte die Faust in die Höhe.

"Ich kann gar nichts sagen - einfach Wahnsinn", stammelte DHB-Präsident Christoph Wüterich nach dem größten Erfolg eines deutschen Herren-Teams nach den Olympiasiegen 1972 und 1992. Erfolgstrainer Bernhard Peters, der nach dem enttäuschenden fünften Platz in Sydney die Mannschaft zu 41 Siegen in 45 Spielen geführt hatte, fühlte sich "einfach nur noch leer im Kopf". "Man konnte in den letzten 15 Minuten den unglaublichen Willen dieser Mannschaft sehen. Da haben alle im Kopf und in den Beinen noch mal zugelegt", meinte Peters, den die Spieler übermütig mit einem Kübel Eiswasser geduscht hatten.

Wie schon beim 3:2 im Halbfinale gegen Südkorea hatte Deutschland einen Rückstand wettgemacht. Nach dem 0:1 durch eine von Troy Elder verwandelte Strafecke (31.) glich der Gladbacher Libero Florian Kunz ebenfalls nach einer Ecke unmittelbar vor der Pause aus. Nach dem Spiel erhielt Kunz, der erst am Donnerstag zum Welthockeyspieler des Jahres ernannt worden war, auch noch die Trophäe für den Spieler des Tages. "Diese Pokale sind zwar schön, aber alles, was wirklich zählt, ist dieser große Pott", meinte der 30-Jährige: "Und den werde ich heute Abend nochmal in Ruhe streicheln."

Für Christian Mayerhöfer war der Sieg der glorreiche Abschluss einer langen Karriere. Als Letzter war der Dürkheimer vom Gold-Team aus Barcelona übrig geblieben und ist nun der einzige deutsche Hockey-Spieler mit Goldmedaillen von Olympia und einer WM. "Das kann ich im Moment noch gar nicht richtig realisieren", sagte "Mayer", für den eines aber feststand: sein 302. Länderspiel war das letzte. "Es ist sensationell, als Weltmeister aufzuhören."

In ihrem zuvor einzigen WM-Finale hatte die deutsche Mannschaft vor 20 Jahren bei der WM 1982 in Bombay 1:3 gegen Pakistan verloren. Zudem waren die Deutschen insgesamt sieben Mal im Halbfinale gescheitert. Diesmal hatte sich das DHB-Team in der Runde der letzten Vier 3:2 gegen Südkorea durchgesetzt.

Platz drei in Kuala Lumpur sicherte sich die Niederlande durch ein 2:1 nach Verlängerung in einer Neuauflage des Olympia-Finales von Sydney gegen Südkorea. Neben Deutschland (Gastgeber) und Australien, Olympiasieger Niederlande, Südkorea und Indien (Sieger der Qualifikation) nimmt der WM-Fünfte Pakistan an der nächsten Champions Trophy in Köln (31. August bis 8. September) teil.

Torschützenkönige in Malaysia wurden mit je zehn Treffern der Argentinier Jorge Lombi und Sohail Abbas aus Pakistan. Als bester Spieler des Turniers wurde der Australier Troy Elder ausgezeichnet. Der Rüsselsheimer Oliver Domke erzielte sechs Minuten vor Schluss den entscheidenden Treffer für seine Mannschaft. Zuvor hatte Kapitän und Libero Florian Kunz, der Welthockeyspieler des Jahres vom Gladbacher HTC, die Führung der Australier durch Troy Elder in der Schlussminute der ersten Hälfte ausgeglichen. Die Mannschaft von Bundestrainer Bernhard Peters feierte damit den größten Erfolg eines deutschen Teams nach den beiden Olympiasiegen von 1972 und 1992 in München und Barcelona. Vor zehn Jahren hatten sich die Deutschen im olympischen Finale ebenfalls gegen Australien durchgesetzt.

Vor 13 000 Zuschauern hatten die Australier in der Anfangsphase des Endspiels bei einer Abendtemperatur von immer noch 29 Grad Celsius (um halb neun Ortszeit) mit ihrem aggressiven Pressing und schnellen Angriffen mehr Spielanteile, die Deutschen besaßen jedoch die besseren Chancen. So musste der australische Torhüter zweimal bei Rückhandschüssen von Tibor Weißenborn (6. Minute) und Christian Wein (19.) eingreifen, ein Schuss von Matthias Witthaus traf den Fuß eines eigenen Mitspielers (22.). Das deutsche Tor geriet nur bei einem Schuss von George einmal in Gefahr (9.).

Zur Mitte der ersten Halbzeit hatte sich die Elf von Bernhard Peters besser auf den Gegner eingestellt. Weil durch das massive Mittelfeld der Australier kein Durchkommen war, versuchten es die Deutschen verstärkt über die Außenpositionen. Und sie kamen zu einer weiteren Chance, als Oliver Domke einen Pass abfing, seine Vorlage auf Björn Michel aber vom australischen Torhüter noch abgeblockt wurde (29.). Ein Stellungsfehler in der DHB-Abwehr bescherte den Australiern in der 31. Minute die zweite Strafecke, die Elder nach einer Täuschung zum 1:0 verwandelte. Der Europameister schlug aber noch vor der Pause zurück.

Nach der Pause blieb die Begegnung ausgeglichen. Die Deutschen befreiten sich jedoch immer wieder vom Druck der Australier. Den Siegtreffer leitete der Münchner Christoph Eimer mit einem Ballgewinn im Mittelfeld ein, Christian Mayerhöfer flankte den Ball mit der Rückhand von links in den Kreis, Domke vollendete aus einem Meter zum 2:1. Für die deutsche Nationalmannschaft war es der 41. Sieg im 45. Spiel unter Bundestrainer Bernhard Peters.

Platz drei in Kuala Lumpur sicherte sich Holland durch ein 2:1 nach Verlängerung in einer Neuauflage des Olympia-Finales von Sydney gegen Südkorea. Die Holländer hatten erstmals seit 1986 das WM-Finale verpasst. Neben Deutschland (Gastgeber) und Australien, Olympiasieger Holland, Südkorea und Indien (Sieger der Qualifikation) nimmt der WM-Fünfte Pakistan an der nächsten Champions Trophy teil, die vom 31. August bis zum 8. September in Köln stattfindet. Torschützenkönige in Malaysia wurden mit je zehn Treffern der Argentinier Jorge Lombi und Sohail Abbas aus Pakistan.

Die deutschen WM-Helden sollen auf dem Frankfurter Flughafen gebührend gefeiert werden. Der DHB hat die Anhänger der Mannschaft zum Sekt-Empfang in das Restaurant "Pizza Pasta" am Terminal 1 eingeladen. Wenn sich der Andrang trotz des großen Erfolges in Grenzen halten sollte, hat das einen einfachen Grund: Die Mannschaft landet bereits morgens um halb sechs.

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