Sport : Endlich wieder Biathlon

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Christian Hönicke über den Wintereinbruch auf Rollen

Die Anzeichen sind nicht mehr zu übersehen. In den Supermärkten muss man Spekulatius und Lebkuchen zur Seite schieben, um an die Reste des Eisteesortiments zu kommen. Lange Ärmel haben sich gegen freie Schultern durchgesetzt. Und die Sonne lässt sich nur in ausgewählten Momenten blicken. Es gibt Leute, die es trotzdem nicht wahrhaben wollen, es noch immer vorziehen, ihren Milchkaffee im Freien zu trinken. Und dabei krampfhaft das Zittern unterdrücken. Dabei ist spätestens seit gestern klar: Der Winter kommt. Die Biathlon-Disls, -Lucks und -Fischers bringen ihn mit aus Ruhpolding, wo gestern die deutschen Meisterschaften begannen. Wenn auch nur auf Rollen und nicht im Schnee. Doch der wird dort unten nicht mehr lange auf sich warten lassen. Dabei haben wir noch kürzlich über sommerliche Skisprung-Wettbewerbe auf Mattenschanzen gespottet.

Das ist jetzt vorbei. Die Erinnerungen an schwitzende Fußballer, die sich über unerträgliche Hitze beschweren, liegen schon weit zurück. Genauso wie die Schwimm-Europameisterschaften. Es ist kaum noch vorstellbar, dass jemand damals freiwillig in den Templiner See gesprungen ist. Schon eher, dass demnächst wieder Curling-Spieler ihre Steine über das vereiste Wasser schieben und ihnen lauthals hinterher brüllen.

Aber so sehr die Aussicht auf kalte Füße und rote Ohren manche auch schmerzen mag, so ist sie doch für Sportliebhaber auch verlockend. Das Gute an unseren Wintersportlern ist nämlich, dass sie das ungemütliche Wetter meist mit Leistung vergessen machen.

Was nützt der schönste Spätsommerabend im Biergarten, wenn man ihn wegen der vielen Gegentore des Lieblingsvereins gegen eine – sagen wir – spanische, englische oder griechische Mannschaft so schnell wie möglich wieder vergessen möchte? Da sitzen wir doch lieber mit einer dicken Wolldecke und einer großen Tasse Tee vor dem Fernseher und warten auf die nächsten Triumphe von Sven Hannawald und Uschi Disl. Denn die kommen ganz bestimmt.

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