Sport : Endlich Zweiter

Michael Schumachers Podiumsplatz vertreibt kurz die Sorgen von Ferrari

Karin Sturm[Budapest]

Michael Schumacher blieb beherrscht. Sicher, er hatte die Pole-Position beim Großen Preis von Ungarn, er hatte im Rennen Platz zwei belegt, er hatte gezeigt, dass Ferrari doch noch ganz vorne mitfahren kann in dieser Formel-1-Saison. Aber er ist auch siebenmaliger Weltmeister, er weiß, wann er wirklich groß feiern darf. Nach Platz zwei in Budapest durfte er eher nicht. Besser gesagt: Es hätte ein wenig weltfremd ausgesehen. Denn die Wiedergeburt von Ferrari war in Ungarn nicht zu erleben. Also blickte Schumacher nach dem Rennen zufrieden, aber nicht triumphierend.

Selbst Platz zwei überzeugte einen Konkurrenten nicht. „Ich hatte nach Michaels Pole-Position eigentlich erwartet, dass Ferrari noch stärker sein würde“, sagte der Schweizer Teamchef Peter Sauber. Insgesamt sei Ferraris Vorstellung nicht sonderlich beeindruckend gewesen. Denn: „Der Zeitrückstand auf Kimi Räikkönen war am Ende immer noch sehr groß.“ Der Finne Räikkönen hatte im McLaren-Mercedes klar gewonnen. „Ich wäre sehr vorsichtig, jetzt schon von einer Wiederauferstehung von Ferrari zu sprechen“, sagte Sauber.

Denn Schumachers Erfolg war das Produkt von gelungenem Poker, Fehler der Konkurrenten und den Gegebenheiten der Strecke. Ferrari geht mit den Bridgestone-Reifen in letzter Zeit volles Risiko. Denn die Reifen haben eine sehr weiche Mischung. Mit denen wird der Ferarri zwar zeitweise schneller als die Konkurrenten, die mit Michelin unterwegs sind, aber die Bridgestone-Reifen lassen auch bald nach. Deshalb beginnt in der Ferrari-Box vor den letzten Runden im Rennen jedesmal das große Zittern: Halten die Reifen?

Auf der Strecke in Budapest kann man prinzipiell nur sehr schwer überholen, da nützt es mitunter auch wenig, mit besseren Reifen unterwegs zu sein, wenn man hinter einem Ferrari liegt. Und dann waren ja noch die Patzer der anderen. „Mehrere Piloten beziehungsweise ihre Teams, die normalerweise Ferrari hart angehen oder vor dem Team liegen, haben Fehler gemacht“, sagt der frühere Formel-1-Rennfahrer Christian Danner. Juan Pablo Montoya im McLaren-Mercedes fiel mit technischem Defekt aus, der WM-Führende Fernando Alonso machte beim Qualifying einen Fehler, und BAR-Honda hatte wohl zu harte Reifen gewählt. „Realistisch gesehen ist Ferrari weiterhin maximal die Nummer drei hinter McLaren-Mercedes und Renault“, sagt Danner. „Und um den Platz streitet das Team mit BAR-Honda und Toyota.“

Jetzt kommen Strecken, auf denen leichter als in Budapest überholt werden kann, Spa oder Monza zum Beispiel. Und dort läuft Schumacher Gefahr, im letzten Renndrittel von den Konkurrenten noch abgefangen zu werden. Aber Ross Brawn flüchtet notgedrungen ins Prinzip Hoffnung. „Wenn wir auf dieser Basis weitere Fortschritte erzielen können, dann gelingt uns vielleicht noch ein gutes Saisonende“, sagt der Technikchef. Man ist sehr bescheiden geworden bei Ferrari.

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