Endspiel : Hannover gerettet, Bochum abgestiegen, Fans wütend

Der VfL Bochum hat sich mit einer blamablen Leistung aus der Bundesliga verabschiedet. Nach dem 0:3 (0:3) im „Endspiel“ gegen Hannover 96 entlud sich der Frust der Fans.

Die Roten feiern auf fremdem Platz.
Die Roten feiern auf fremdem Platz.Foto: dpa

Nur der konsequente Einsatz der Sicherheitskräfte verhinderte ähnliche Zustände wie Mitte März in Berlin, als hunderte gewaltbereite Hertha-Fans die Spieler zur Flucht zwangen. Mit großem Aufgebot wurden die wenigen Hooligans, die es bis auf den Platz geschafft hatten, entweder in Gewahrsam genommen oder zurück auf die Tribüne getrieben. Trotz des bereits sechsten Absturzes ihres Clubs in die Zweitklassigkeit war die Verärgerung der Anhänger riesengroß.

Der Trainer trauert: Dariusz Wosz kann es nicht fassen.
Der Trainer trauert: Dariusz Wosz kann es nicht fassen.Foto: ddp

Hannovers Torschützen Arnold Bruggink (9.), Mike Hanke (23.) und Sergio Pinto (45.) besiegelten vor 30.748 Zuschauern im ausverkauften Ruhrstadion die fünfte aufeinanderfolgende Schlappe des VfL.

Mit schonungslosen Worten kommentierte der für nur zwei Spiele verpflichtete Interimscoach Dariusz Wosz den schwachen Auftritt seiner Mannschaft. „Das war Angsthasenfußball. So kann man nicht in der Bundesliga bestehen“, klagte der ehemalige VfL-Profi, „zu meiner Zeit war das anders, da wollten wir gewinnen.“ Dagegen feierten rund 10 000 mitgereiste Gäste-Fans am Ende einer turbulenten Saison überschwänglich den Klassenverbleib ihrer Mannschaft. Mit Spruchbändern, die an den im November verstorbenen Torhüter Robert Enke erinnerten, und lauten Gesängen huldigten sie den Profis und dem im Januar als bereits dritten Trainer verpflichteten Mirko Slomka. Der Retter in der Not genoss das Bad in der Menge und machte aus seiner großen Erleichterung keinen Hehl: „Die Mannschaft ist nach einer Saison voller Rückschläge zurückgekommen. Ich habe größten Respekt vor ihr“, sagte der Fußball-Lehrer.

Der Glaube seines Kollegen Wosz an eine Rettung in letzter Minute erwies sich schon nach wenigen Minuten als Wunschdenken. Gleich der erste vielversprechende Angriff der Gäste versetzte den ohnehin nicht vor Selbstvertrauen strotzenden VfL-Profis einen herben Dämpfer. Zum Entsetzen der heimischen Zuschauer beförderte Bruggink ein Zuspiel von Hanno Balitsch mit einem Schuss aus 14 Metern ins Tor. Das frühe 0:1 hinterließ mächtig Wirkung: Zwar mangelte es den Gastgebern weiterhin nicht an Einsatz, wohl aber an Durchschlagskraft und Qualität. Zudem taten sich in der Deckung bedenkliche Lücken auf.

Einige Fans stürmen den Platz. Die Polizei schreitet ein.
Einige Fans stürmen den Platz. Die Polizei schreitet ein.Foto: dpa

Diese Schwächen nutzten die Norddeutschen eiskalt aus. Nur 14 Minuten nach der von den eigenen Fans stürmisch gefeierten Führung schlugen sie erneut zu. Umringt von konfusen Gegenspielern reagierte Hanke am schnellsten und markierte mit einem platzierten Schuss von der Strafraumgrenze das 2:0. Wie ein angeschlagener Boxer ergab sich der VfL danach in sein Schicksal: Wenige Sekunden vor dem Halbzeitpfiff beseitigte Pinto alle Zweifel am vierten Auswärtssieg seiner Mannschaft. Nach Pass von Manuel Schmiedebach ließ der Mittelfeldspieler Torhüter Philipp Heerwagen keine Chance.

Großes Gefühl: Florian Fromlowitz stand als Nachfolger des verstorbenen Nationalkeepers Robert Enke im Tor bei 96.
Großes Gefühl: Florian Fromlowitz stand als Nachfolger des verstorbenen Nationalkeepers Robert Enke im Tor bei 96.Foto: dpa

Damit lagen die Bochumer wie schon in den Heimspielen gegen den FC Bayern, VfB Stuttgart und Borussia Dortmund bereits zur Pause vorentscheidend zurück. Mehr als Kampf hatten sie auch in der 2.
Halbzeit nicht zu bieten. Nicht zuletzt deshalb wurde aus dem mit Spannung erwarteten Abstiegskrimi in der Schlussphase ein Langweiler. Nur bei einem von 96-Keeper Florian Fromlowitz gehaltenen Kopfball des Abwehrspielers Anthar Yahia (63.) war Torgefahr erkennbar.

Frust und Feuer: VfL-Fans verbrennen ihre Devotionalien.
Frust und Feuer: VfL-Fans verbrennen ihre Devotionalien.Foto: dpa

Unter den Freudengesängen ihrer Anhänger retteten die Gäste die komfortable Führung ohne große Mühe über die Zeit. Die Jubelszenen nach der Partie gingen auch Vereinschef Martin Kind nahe: „Es ist in den letzten Wochen eine Identität zwischen Fans und Mannschaft entstanden. Darauf kann man für die nächste Saison aufbauen.“ (dpa)

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