Sport : Endspiel zum Auftakt

Herthas Boxer treffen auf den Meister aus Velbert

Jörg Petrasch

Berlin - Die größten Hoffnungen der Berliner Boxstaffel ruhen auf einem jungen finnischen Pädagogen. Zu den Aufgaben des zwei Meter großen Robert Hellenius gehört es allerdings weniger, seine Teamkollegen vom Boxring Hertha BSC zur Gewaltlosigkeit während des Kampfes zu erziehen. Der 22 Jahre alte Neuzugang soll selbst zuschlagen und punkten, am besten gleich heute beim Bundesliga-Auftakt gegen den Deutschen Meister Velberter BC (19 Uhr, Bruno- Gehrke-Halle, Spandau). Der Vize-Europameister im Superschwergewicht arbeitet in seiner Heimat als Erzieher in einem Kinderheim.

Die Berliner haben in dieser Saison nur ein Ziel: Sie wollen den Mannschaftstitel. Und der Auftaktkampf ist für den Vizemeister bereits das erste Endspiel. Der Seriensieger Velberter BC hat in den vergangenen vier Jahren keinen einzigen Kampf verloren. Mit sechs amtierenden Deutschen Meistern steht fast das gesamte Nationalteam in seinen Reihen. Bei Berlin boxen mit Marcus Abramowski im Federgewicht und Konstantin Buga im Mittelgewicht immerhin zwei deutsche Titelträger. „Das ist, wie wenn man im Fußball gleich gegen die Bayern spielt“, sagt Hans-Peter Miesner, Präsident des Berliner Box-Verbandes.

Die Berliner haben sich für diese Saison gezielt verstärkt. Neben Hellenius konnte die Berliner Verbandsstaffel im Halbweltergewicht den Dritten der deutschen Meisterschaft , Sergej Nurislamov und den Nationalteam-Boxer im Halbschwergewicht, Rene Krause, verpflichten. Frank Shabani (Halbweltergewicht) wechselte zu den Profis. Trotzdem hat Berlin insgesamt an Qualität zugelegt, zumal Stützen wie der Polnische Meister Kristof Rogowski im Bantamgewicht oder Jack Robert Culcay im Weltergewicht gehalten werden konnten. Culcay hat in der letzten Saison keinen Kampf verloren.

Vor drei Jahren sind die Berliner mit dem Profi-Boxstall Sauerland eine Kooperation eingegangen. Jetzt zahlt sie sich richtig aus: Sauerland hat Hellenius, der bis Olympia 2008 Amateur bleiben will, bereits unter Vertag. Danach soll er zu den Sauerland-Profis wechseln. Hellenius bekommt gute Gegner und die Möglichkeit, in Deutschland bekannter zu werden. „Und wir müssen eine Gewichtsklasse weniger bezahlen“, sagt Miesner.

Neben Sauerland setzt der Boxring auch auf den Nachwuchs und hat auch ein Team in der Oberliga. Der 19-jährige Nick Hannig, Berliner Meister im Halbmittelgewicht, steigt als vierter Neuzugang in das Bundesligateam auf. Und so kann es weitergehen. Präsident Miesner möchte Berlin wieder zum Mittelpunkt des deutschen Boxsports machen, so wie es Mitte der Neunzigerjahre schon einmal war, mit der legendären Meister-Mannschaft von 1996: mit Sven Ottke, Markus Beyer, Oktay Urkal, Thomas Ulrich und René Monse.

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