Sport : Endstation Betzenberg

Der Vorsitzende geht – geht Teamchef Brehme gleich mit?

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Von Oliver Trust

Kaiserslautern. Es hat selten einen Aufsichtsratschef eines Fußballklubs aus der Bundesliga gegeben, der mit seiner Sprachlosigkeit das Chaos in seinem Klub so dokumentierte, wie es Robert Wieschemann am Sonntagmorgen im Deutschen Sportfernsehen in der Sendung „Doppelpass“ getan hat. Wieschemann verkündete, Jürgen Friedrich, der Vorstandsvorsitzende, werde aufhören, viel früher als geplant. Schon im September oder Oktober. Damit wird wohl nach der 1:3-Niederlage gegen Schalke 04 auch Trainer Andreas Brehme nicht mehr lange im Amt sein. Bereits am Donnerstag gibt es eine Sitzung am Betzenberg. Es wird jetzt damit gerechnet, dass Friedrich dort seinen Rücktritt verkündet und mit ihm zusammen auch Andreas Brehme gehen muss.

Wer Friedrich in der Pfalz folgen soll, ist noch unklar. „Den n werden wir nennen, sobald es Zeit dafür ist“, sagte Wieschemann. Gerüchten zufolge könnte es Hans-Peter Briegel sein, der ehemalige Spieler des FCK, obwohl der als Gegner Wieschemanns gilt. Auch in die Trainerfrage ist Bewegung gekommen. Immer wieder fällt in Kaiserslautern der Name Christoph Daum. Keine Frage: Der FCK steckt tief in einer Krise. Ein Konzept gegen das Chaos gibt es offenbar nicht. „Zunächst wird der neue Mann kommen, dann werden noch einige Fragen besprochen“, sagte Wieschemann lapidar. Ob zum Vorstandsvorsitzenden auch gleich ein Sportdirektor eingestellt wird, bleibt vorerst ungeklärt.

„Wir haben ein Problem mit der Kommunikation“, gestand Wieschemann. Friedrich scheint inzwischen zu einem handfesten Problem geworden zu sein. Am Wochenende brach er nach einigen patzigen Sätzen ein Interview ab und flüchtete sich in Sarkasmus. „Wir wollen ihm einen ordentlichen Abgang verschaffen“, sagte Wieschemann. „Ich mache mir da große Sorgen. Er hat es nicht verdient, dass er so fertig gemacht wird.“ Längst greift tiefe Unsicherheit im gesamten Verein um sich. Die Mannschaft wirkt leblos und fügt sich in ihr Schicksal. Auch Andreas Brehme. Er wurde ausgelacht, als er behauptete, es sei gegen Schalke ein gutes Spiel gewesen. Ansonsten nichts als Phrasen. „Wer keine Tore schießt, muss sich nicht wundern, wenn er nicht gewinnt“, sagte Brehme.

Im Stadionheft des Meisters von 1998 steht, wer Schuld hat an der Unruhe. Die Medien. Die Opposition. Andere eben als die Macher in der Pfalz. „Ein unwürdiges Schauspiel mit Worthülsen, Parolen, Anfeindungen und Anmaßungen, dafür jedoch ohne Hintergrund und Kompetenz“, sagt Friedrich und nennt es „menschenverachtend". Auf Seite 30 steht, es sei zu befürchten, dass das „öffentliche Klima in Kaiserslautern bis zur WM 2006 weiter vergiftet“ werden soll. Die Nerven liegen blank.

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